Händler arbeiten mit Atemschutzmasken an der New York Stock Exchange
Marktbericht

Kursgewinne an den Börsen Mit neuem Optimismus in den Mai

Stand: 03.05.2021 22:39 Uhr

Die Anleger haben keine Angst vor dem statistisch gesehen eher schwächeren Börsenmonat Mai. Sie starteten schwungvoll in den Wonnemonat. Nur Technologieaktien wurden gemieden.

Nach dem freundlichen Börsenmonat April hat auch der Mai vielversprechend begonnen. Die internationalen Aktienmärkte legten am ersten Handelstag des neuen Monats zu. Der Dow Jones gewann gut 0,4 Prozent und lag nur noch knapp unter seinem Rekordhoch von 34.256 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 0,3 Prozent vor. Vor allem Transport-, Industrie- und Finanztitel waren gefragt. Lediglich Tech-Aktien hinkten hinterher. Der technologielastige Nasdaq 100 gab um 0,4 Prozent nach.

"Die Firmengewinne waren bisher wesentlich besser als die Prognosen", sagte Mark Grant, Anlagestratege bei der Investmentbank B. Riley FBR. "Die Menschen und Institutionen haben im Moment ein positives Gefühl für den Markt, obwohl wir uns in der Nähe von Allzeithochs befinden."

Engpässe bremsen die US-Industrie

Nicht einmal enttäuschende Konjunkturdaten konnten die Kauflaune der Anleger trüben. Der ISM-Einkaufsmanager-Index fiel von 64,7 Zähler im März auf 60,7 Punkte im April. Experten hatten mit einem leichten Anstieg gerechnet. Schaut man auf den Grund für den Rückgang, relativieren sich die Daten: Die boomende Nachfrage in der Industrie konnte aufgrund von Engpässen nicht gedeckt werden. Wichtige Teile und Materialien waren zum Teil nicht verfügbar. Das heißt: Es gibt keinen Anlass, sich um den Aufschwung in den USA wirklich zu sorgen.

DAX startet freundlich in den Mai

Im Sog der freundlichen Wall Street begannen auch Europas Börsen den Mai mit Gewinnen. Der EuroStoxx50 stieg um 0,5 Prozent auf fast 4.000 Zähler, der französische Cac40 rückte um 0,6 Prozent vor. Der DAX zog um fast 0,7 Prozent auf 15.236 Punkte an. Damit setzt sich die positive Tendenz fort. Im April hatte der deutsche Leitindex knapp ein Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus gut elf Prozent.

Wette auf den großen Aufschwung

Die Anleger setzen auf den großen Konjunkturaufschwung nach der Corona-Krise. Hoffnung machen ihnen die deutschen Einzelhändler, die im März - im Jahresvergleich - den größten Anstieg ihrer Erlöse seit dem Beginn der Pandemie verzeichneten. Zudem stabilisierten sich die Corona-Fallzahlen in Deutschland und den Niederlanden. In Frankreich und Italien seien sie im Abwärtstrend. "Dies wird es den Behörden ermöglichen, die Restriktionen zu lockern und die wirtschaftliche Aktivität zu beschleunigen“, meinen die Analysten von BCA Research.

"Sell in May"?

Dabei läutet der Mai traditionell eher eine schwächere saisonale Phase ein, die bis zum Spätsommer dauert. Eine alte Aktienregel ("Sell in May...") besagt, dass Anleger ihre Papiere möglichst im Mai verkaufen und erst wieder im September einsteigen sollten. Tatsächlich aber ist der Mai historisch gesehen viel besser als sein schlechter Ruf.

Warnsignal vom VDAX

Allerdings nehmen die Kursschwankungen zu. Das spiegelt sich in einem anziehenden VDAX wider, der heute auf den höchsten Stand seit über einem Monat steigt. Der VDAX misst die Volatilität im DAX, also die Schwankungsbreite der Kurse. Ein steigender VDAX gilt an der Börse als Warnsignal, als Vorbote fallender Kurse.

Euro zieht wieder an

Die schwachen US-Daten belasten den US-Dollar. Der Euro stieg auf 1,2060 Dollar. Er profitierte auch von den starken Einzelhandelsdaten aus Deutschland. Der Euro war in der vergangenen Woche noch mit rund 1,2150 Dollar auf einen zweimonatigen Höchststand gestiegen. Das Niveau konnte er jedoch nicht halten.

Ölpreise drehen ins Plus

Die Aussicht auf eine starke Erholung der Nachfrage in den USA und China vertreibt am Ölmarkt die Sorge um die rapide ansteigenden Corona-Infektionen in Indien. Die Sorte Brent aus der Nordsee macht anfängliche Verluste wett und steigt 1,4 Prozent auf 67,69 Dollar je Barrel. US-Öl der Sorte WTI kostet mit 64,57 Dollar je Barrel 1,6 Prozent mehr. Am Mittag hatten die Ölpreise noch nachgegeben.

Flucht in Gold

Investoren nehmen derweil verstärkt Kurs auf "sichere Häfen" wie Gold, sagte Analystin Margaret Yang vom Brokerhaus DailyFX. Das Edelmetall verteuerte sich um 1,4 Prozent auf 1793 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Covestro führt den DAX an

Im DAX waren besonders Industrie-Aktien wie Siemens und Auto-Titel wie VW gefragt. Größter Gewinner im DAX war Covestro. Die Aktien des Kunststoff-Spezialisten stiegen um rund 2,7 Prozent. Sie testeten die 21- und 100-Tage-Linie.

Rüffel von der BaFin für die Deutsche Bank

Schlusslicht im DAX war heute die Deutsche Bank mit einem Minus von 1,8 Prozent. Die BaFin verlangt von der Bank zusätzliche Anstrengungen bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Das größte deutsche Geldhaus müsse "weitere angemessene interne Sicherungsmaßnahmen ergreifen und Sorgfaltspflichten einhalten", forderte die BaFin am Freitagabend.

Neue Merck-Chefin setzt auch auf Übernahmen

Dagegen konnte die Merck-Aktie leicht zulegen. Die neue Merck-Chefin Belén Garijo erwägt, ab dem kommenden Jahr auch mittels Akquisitionen zu wachsen. "Wir schließen große, transformative Zukäufe ab 2022 nicht aus, werden uns aber wahrscheinlicher auf kleinere bis mittelgroße ergänzende Akquisitionen von innovativen Technologien konzentrieren", sagte sie dem "Handelsblatt".

Lufthansa bereit für die große Urlaubslust

Die Aktien der Lufthansa zählten zu den Top-MDAX-Gewinnern. Die staatlich gestützte Fluggesellschaft und ihre Tochter Eurowings wollen im Sommer über 100 Urlaubsziele anfliegen. "Das ist absoluter Rekord in der Firmengeschichte", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr der "Bild am Sonntag". Er forderte zugleich Erleichterungen für geimpfte Passagiere.

Jobabbau-Paket bei Commerzbank bald unterschriftsreif?

Bei der Commerzbank sind die Verhandlungen über einen Sozialplan zum Abbau von tausenden Stellen Insidern zufolge auf der Zielgeraden. Management und Betriebsrat hätten sich im Großen und Ganzen auf ein Maßnahmenpaket geeinigt, das bis Ende der Woche unterschriftsreif sein solle, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Die Bank streicht im Rahmen ihres Umbaus weltweit 10.000 Jobs. In Deutschland fällt jede dritte Stelle weg.

Siemens Healthineers hebt Prognosen an

Die Medizintechnik-Tochter von Siemens schraubt angesichts eines boomenden Geschäfts mit Corona-Schnelltests die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr in die Höhe. Zudem denkt Siemens Healthineers offenbar über einen Verkauf des Ultraschall-Geschäfts nach. "Wir optimieren das Set-up der Sparte, das hat offenbar Interessenten auf den Plan gerufen", sagte Vorstandschef Bernd Montag heute in Erlangen.

Osram verschwindet bald von der Börse

Für den Münchner Lichttechnik-Konzern Osram dürfte an der Börse das Licht ausgehen. Nach acht Jahren verschwindet die Aktie vom Kurszettel der Frankfurter Börse. Der österreichische Mehrheitseigentümer, der Sensor-Hersteller ams, kündigte am Montagabend ein neues Übernahmeangebot für die restlichen 28 Prozent an Osram an, um die ehemalige Siemens-Tochter von der Börse zu nehmen. Mit 52,30 Euro je Aktie bietet das Unternehmen aus Graz 15 Prozent mehr als bei der zweiten Offerte. Das Kaufangebot läuft voraussichtlich vom 21. Mai bis zum 18. Juni.

Qiagen wächst rasant

Nach US-Börsenschluss präsentierte Qiagen seine Quartalszahlen. Das Diagnostik- und Biotechunternehmen Qiagen wuchs vor allem im Diagnostikgeschäft mit Corona. Insgesamt erhöhte sich der Umsatz deutlich von 372,1 Millionen auf 567,2 Millionen US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) kletterte um 94 Prozent auf 66 US-Cent. Seine Jahresprognose bestätigte Qiagen. Demnach soll der Umsatz währungsbereinigt um 18 bis 20 Prozent steigen, das bereinigte EPS auf 2,42 bis 2,46 Dollar.

BioNTech-Aktien auf Rekordjagd

Die Aktien der Corona-Impfstoff-Hersteller setzten ihren Höhenflug fort. Die in New York gelisteten Biontech-Papiere sprangen um elfeinhalb Prozent auf knapp 210 US-Dollar hoch. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) prüft einen Antrag des Mainzer Unternehmens und seines US-Partners Pfizer für eine EU-Zulassung ihres Corona-Impfstoffes auch für Kinder ab zwölf Jahren. Die EMA will die Studiendaten im Schnellverfahren bewerten. Pfizer-Titel gewannen 2,8 Prozent auf 39,73 Dollar. Im Kielwasser dieser Entwicklung legten die Aktien des US-Konkurrenten Moderna um 3,8 Prozent zu. Die Titel des Tübinger Impfstoff-Herstellers Curevac zogen um über zwei Prozent an.

Die Ocugen-Aktien sprangen gar um gut 23 Prozent auf 15,62 Dollar nach oben und erreichten den höchsten Stand seit Februar. In einer Studie indischer Wissenschaftler hat sich der Corona-Impfstoffkandidat Covaxin als wirksam gegen die brasilianische Variante erwiesen, nachdem sich gleiches zuvor bereits gegen die britische Variante abgezeichnet habe.

Warren Buffett bestimmt Abel zu seinem Nachfolger

US-Staranleger Warren Buffett hat mit seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway zu Jahresbeginn deutlich mehr verdient. Im ersten Quartal schoss der Gewinn um 20 Prozent auf 7,0 Milliarden Dollar in die Höhe. Buffett sitzt mit Berkshire Hathaway weiter auf enormen Geldreserven. In den drei Monaten bis Ende März nahm der Barbestand um gut fünf Prozent auf 145 Milliarden Dollar zu.

Zudem hat Investoren-Legende Buffett den Spitzenmanager Greg Abel als seinen künftigen Nachfolger an der Spitze von Berkshire Hathaway auserkoren. In der Konzernführung herrsche Einigkeit, "dass wenn mir heute Abend etwas zustoßen sollte, Greg morgen früh übernehmen würde", sagte der 90-jährige Multimilliardär dem US-Sender CNBC laut einem Bericht vom Montag. Die A-Aktien von Berkshire verteuerten sich um 1,7 Prozent auf rund 419.338 Dollar. Die billigeren B-Aktien kletterten um knapp anderthalb Prozent auf fast 279 US-Dollar.

Berliner Tesla-Fabrik öffnet wohl erst Anfang 2022

Für die Tesla-Aktien ging es heute um dreieinhalb Prozent bergab. Der Serienstart in der künftigen Tesla-Autofabrik bei Berlin verzögert sich einem Medienbericht zufolge bis Ende Januar 2022. Tesla-Chef Elon Musk habe dem Team offiziell ein halbes Jahr mehr Zeit gegeben, schrieb die "Automobilwoche" unter Berufung auf Firmenkreise. Zudem will der US-Elektroautobauer nach Kritik an der Sicherheit seiner Fahrzeuge sein Verhältnis zu staatlichen Stellen in China verbessern. Dafür baut der Konzern derzeit ein Team für Regierungsbeziehungen auf.

Ring frei für den Prozess zwischen Apple und Epic Games

Heute beginnt in Kalifornien ein Prozess, der das App-Geschäft auf dem iPhone verändern könnte. Vor Gericht treffen sich Apple und der "Fortnite"-Entwickler Epic Games. Epic will einen eigenen App Store auf dem iPhone betreiben und Apple keine Abgabe für Einnahmen aus dem Verkauf digitaler Artikel zahlen. Apple will dagegen, dass Anwendungen weiterhin nur über den App Store des Konzerns geladen werden können. Der Streit entbrannte im August 2020, nachdem sich Epic nicht mehr an die Vorgabe halten wollte, dass virtuelle Artikel in seinem populären Spiel "Fortnite" auf iPhones nur über das System der In-App-Käufe von Apple angeboten werden können. Dabei behält Apple 30 Prozent des Kaufpreises ein. Epic-Anwältin Forrest verglich Apple deswegen mit einem Autobauer, der jedes Mal 30 Prozent vom Preis beim Auftanken haben wolle.

Startschuss für den Börsengang von Meinauto

Morgen startet die Zeichnungsfrist für den Börsengang des Online-Autohändlers MeinAuto. Das IPO soll bis zu eine halbe Milliarde Euro einbringen. Das Unternehmen setzte die Preisspanne für bis zu 25,8 Millionen Aktien auf 16 bis 20 Euro je Aktie fest. Damit könnten MeinAuto und sein Großaktionär, der britische Finanzinvestor HgCapital, zwischen 412 und 515 Millionen Euro einnehmen. Die Papiere können von Dienstag an bis zum 11. Mai gezeichnet werden. Das Debüt an der Frankfurter Börse ist für den 12. Mai geplant.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Mai 2021 um 07:35 Uhr.