Wall Street New York
Marktbericht

US-Märkte leicht höher Ruhe vor dem nächsten Sturm

Stand: 11.06.2021 22:21 Uhr

An der Wall Street waren die Anleger heute mit der Nachlese der Inflationsdaten von gestern beschäftigt. Im Fokus ist aber bereits die Zinssitzung der Fed in der kommenden Woche.

Zum Wochenschluss haben die US-Aktienmärkte leicht höher tendiert. Der Leitindex Dow Jones ging bei 34.479 Punkten mit einem Mini-Plus von 0,04 Prozent aus dem Handel. Der breiter aufgestellte S&P-500-Index, der gestern noch bei 4249 Zählern ein neues Rekordhoch markiert hatte, schloss 0,2 Prozent höher und bei 4247 Punkten nahe am Tageshoch.

Die Technologiebörse Nasdaq, die gestern noch deutlicher zugelegt hatte, legte im späten Geschäft noch etwas zu auf 14.069 Punkte, ein Plus von 0,35 Prozent. Der Auswahlindex Nasdaq 100 riss heute keine Bäume aus und schloss bei 13.998 Punkten um 0,27 Prozent moderat höher.

Nach den Zahlen ist vor der Zinssitzung

Auch erfreuliche Konjunkturdaten bewegten die Kurse nicht stärker. Eine monatliche Umfrage der Uni Michigan förderte im Juni eine bessere Stimmung der Verbraucher zutage, als von Analysten erwartet worden war.

Im Fokus bleibt weiter der zukünftige Zinskurs der Fed. Die Märkte sind vor der nächsten Zinssitzung der Fed am Dienstag und Mittwoch kommender Woche gespannt, ob es bei der offiziellen Lesart bleibt, dass die höheren Inflationsraten nur eine vorübergehende Erscheinung sind.

Konkret ist eine Entscheidung in Sachen Zinskurs trotz der gestern höher als erwartet ausgefallenen Mai-Inflationszahlen erst einmal vertagt. Diese brachten immerhin den höchsten monatlichen Preisanstieg seit 13 Jahren. Allerdings stellte es die Anleger vorerst zufrieden, dass die US-Notenbank Fed bereits signalisierte, auf den enormen Preisanstieg nicht reagieren zu wollen. Sie betrachtet die Entwicklung als übergangsweises Phänomen und hält bisher unbeirrt bei ihrer ultralockeren Geldpolitik fest.

DAX mit Schlusskursrekord

Nachlassende Inflationssorgen haben zum Wochenschluss wieder für mehr Kauflust bei den Anlegern hierzulande gesorgt. Der Leitindex DAX schloss bei 15.693 Punkten, ein Tagesgewinn von 0,8 Prozent. Es war zudem der höchste Schlusskurs, den der Index jemals erzielt hat. Auf Wochenbasis hat sich der DAX allerdings so gut wie nicht von der Stelle bewegt. Er bleibt aber auf hohem Niveau und in Reichweite seines Rekordhochs bei 15.732 Punkten.

"Die Liquiditätsschwemmen der Notenbanken sind nach wie vor Wasser auf die Mühlen der Anleger", konstatiert Marktexperte Timo Emden von Emden Research. Daher rücke die nächste psychologisch wichtige Marke von 16.000 Punkten im DAX zunehmend in den Blick, auch wenn "angesichts der fulminanten Rally die Anleger zwischendurch auch mal Kasse machen könnten".

Zinsängste flauen ab

Apropos Notenbank: Die EZB hat gestern den Börsenbullen in die Hände gespielt, denn von einer Verschärfung der Geldpolitik ist weiter weit und breit nichts in Sicht. "Die Tatsache, dass der EZB-Rat noch nicht einmal über das Thema Ausstieg aus dem Notfallkaufprogramm diskutiert hat, trotz der sich deutlich 'aufhellenden Pandemie-Lage', spricht Bände", sagte Commerzbank-Analystin You-Na Park-Heger.

Inflations-Vorboten mehren sich

Die EZB ist zwar nicht die Fed, denn der Zinszyklus in Europa ist im Vergleich weit zurück, aber auch hierzulande mehren sich die Inflationsanzeichen. Dem jüngsten starken Anstieg der Erzeugerpreise sind nun auch die Verkaufspreise im deutschen Großhandel gefolgt und um 9,9 Prozent gestiegen - und damit so stark wie seit rund 13 Jahren nicht mehr.

Zudem rechnet die Bundesbank in ihrer aktuellen Konjunkturprognose für 2021 mit einem kräftigen Preisanstieg von 2,6 Prozent - mit möglichen Spitzen von vier Prozent zum Jahresende. Allerdings hat EZB-Chefin Christine Lagarde gestern betont, dass solche Effekte nur temporär seien und dann auslaufen sollen. Das wiederum hört sich dann irgendwie wieder bekannt an.

Euro im Rückwärtsgang

Der Euro baute im Handelsverlauf seine Verluste aus und gibt im US-Handel rund 0,5 Prozent nach auf 1,2108 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2125 (Donnerstag: 1,2174) US-Dollar fest. Die Gemeinschaftswährung hatte am vergangenen Freitag von enttäuschenden Arbeitsmarktdaten aus den USA profitiert, doch in dieser Woche hat sich kein klarer Trend herausbildet. Vielmehr schwankte der Eurokurs zwischen 1,2150 und gut 1,22 Dollar, den er heute unterschritten hat.

US-Konsumklima steigt

Fundamentalen Rückenwind erhielt der Dollar vom Konsumklima, das sich in den USA im Juni überraschend deutlich aufgehellt hat. Die von der Universität Michigan erhobene Verbraucherstimmung stieg gegenüber dem Vormonat um 3,5 Punkte auf 86,4 Zähler, wie die Universität am Freitag nach einer ersten Erhebung mitteilte. Volkswirte hatten hingegen mit einem Anstieg auf 84,2 Punkten gerechnet.

Der Indikator der Uni Michigan ist ein Maß für das Kaufverhalten der amerikanischen Verbraucher. Er basiert auf einer telefonischen Umfrage unter rund 500 Haushalten. Abgefragt werden die finanzielle und wirtschaftliche Lagebeurteilung sowie die entsprechenden Erwartungen.

Türkische Lira gefragt

In der Hoffnung auf Tauwetter in den frostigen Beziehungen zwischen den USA und der Türkei decken sich Anleger mit der türkischen Währung ein. Im Gegenzug verloren Dollar und Euro zwischenzeitlich jeweils zwei Prozent auf 8,25 beziehungsweise 10,06 Lira. Investoren setzten darauf, dass sich die beiden Präsidenten Joe Biden und Recep Tayyip Erdogan bei ihrem geplanten Treffen am Montag auf eine Lockerung der US-Sanktionen gegen die Türkei einigen, sagen Börsianer.

Gold unter 1900 Dollar

Der Goldpreis gab anfängliche Gewinne ab und rutschte ins Minus. Die Feinunze Gold verlor 1,1 Prozent auf 1876 Dollar und gab damit die psychologisch bedeutsame Marke von 1900 Dollar preis.

Ölpreise mit Konjunktur-Bonus

Die Ölpreise haben nach anfänglichen Verlusten ins Plus gedreht. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet weiter über 72 Dollar, WTI steigt über 70 Dollar je Fass. Die Ölpreise rangieren damit in Nähe ihrer in dieser Woche erreichten mehrjährigen Höchststände.

Für Unterstützung sorgt vor allem die konjunkturelle Erholung in den großen Verbrauchsländern USA und China. Auch in weiten Teilen Europas hat sich die Corona-Lage deutlich entspannt.

VW: Erholung bei Verkäufen hält an

Die wieder stabilere Nachfrage nach Neuwagen in vielen Ländern ist im Mai auch dem VW-Konzern zugute gekommen. Alle Marken der weltweit zweitgrößten Autogruppe lieferten mit rund 860.000 Einheiten insgesamt 41 Prozent mehr Fahrzeuge aus als im Vorjahresmonat. Nach dem 75-Prozent-Plus vom April hält die Erholung damit weiter an. Allerdings beruhen die starken Zuwächse nicht zuletzt auch auf dem Vergleich zum schwachen Niveau des Vorjahres.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass Volkswagen in Nordamerika ein veritables Datenleck hatte. Durch eine Panne bei einem Geschäftspartner waren Daten von mehr als 3,3 Millionen Menschen über ein Jahr lang ungesichert im Internet zugänglich. Nach bisherigem Kenntnisstand gehe VW davon aus, dass vor allem Kunden und Kaufinteressenten der Tochter Audi betroffen seien, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag.

Hannover Rück stellt wieder Sonderdividende in Aussicht

Der Finanzchef von Hannover Rück macht den Aktionären Hoffnungen auf die Wiederaufnahme einer Sonderdividende. Nach dem Coronajahr 2020 hatte der Rückversicherer die Basisdividende angehoben, aber erstmals seit 2013 auf eine Sonderausschüttung verzichtet.

Wenn das Jahr erwartungsgemäß verlaufe und es die Kapitalsituation zulasse, gebe es "keinen Grund, warum wir nicht wieder eine Sonderdividende zahlen sollten", sagte Clemens Jungsthöfel der "Börsen-Zeitung" (Samstagausgabe). Hannover Rück sei auf Kurs, das für 2021 angekündigte Gewinnziel von 1,15 bis 1,25 Milliarden (i.V. 883 Millionen) Euro zu erreichen. Der Finanzchef des Kandidaten für einen DAX-Aufstieg im September blickt zudem zuversichtlich auf die nächsten Vertragserneuerungsrunden.

Netzbetreiber rechnen mit hoher 5G-Nachfrage

Zwei Jahre nach einer milliardenschweren Auktion von Mobilfunkfrequenzen rechnen die Netzbetreiber mit einem Nachfragesprung beim Funkstandard 5G. "Wir erwarten, dass das Datenvolumen in unserem 5G-Netz weiter stark ansteigt", sagt der Technikchef von Vodafone Deutschland, Gerhard Mack. "Es gibt immer mehr 5G-Stationen, immer mehr 5G-Anwendungen und immer mehr 5G-Smartphones." Das Kürzel steht für 5. Mobilfunkgeneration, welche die Weiterentwicklung von 4G (LTE) ist.

CureVac wohl zunächst raus aus Impfplänen

Die CureVac-Aktie verbuchte deutliche Verluste. Einem Medienbericht zufolge plant Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Corona-Impfstoff des Tübinger Herstellers nicht mehr für die laufende Impfkampagne ein. Das habe Spahn den Gesundheitsministern der Länder während der vergangenen Ministerkonferenz gesagt, berichtete der "Mannheimer Morgen" unter Verweis auf Regierungskreise. Demnach sprach Spahn von einer "der größeren Enttäuschungen".

Hedgefonds Elliott bei Deutsche Wohnen eingestiegen

Der umtriebige Milliardär Paul Singer mischt mit seinem Hedgefonds Elliott nun auch bei der geplanten Übernahme der Deutsche Wohnen durch Vonovia mit. Laut einer Stimmrechtsmitteilung vom späten Donnerstagnachmittag kurz vor Xetra-Schluss kontrolliert Singer gut drei Prozent der Anteile der Deutsche Wohnen. Singer kauft sich gerne bei Unternehmen ein, die übernommen werden sollen, um einen höheren Preis zu fordern.

Eurowings eröffnet neue Basis in Prag

Die Lufthansa-Billigflugtochter Eurowings eröffnet zum erhofften Neustart nach der Corona-Krise einen neuen Standort in Tschechien. Ab 31. Oktober stationiert die Gesellschaft zwei Airbus A320 samt Mitarbeitern in Prag. Im Sommer 2022 soll ein weiteres Flugzeug hinzukommen. Die tschechische Hauptstadt wird den Angaben zufolge zum zehnten Eurowings-Standort in Europa. Geplant seien Direktflüge zu europäischen Metropolen und Urlaubszielen.

Apple holt sich ehemaligen BMW-Topmanager

Der iPhone-Konzern untermauert seine Ambitionen im Autobereich mit der Verpflichtung des ehemaligen BMW-Managers Ulrich Kranz, der zuletzt das Elektrofahrzeug-Startup Canoo führte. Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg wird Kranz bei Apple im Team des ehemaligen Tesla-Managers Doug Field arbeiten, der ein Autoprojekt leitet.

Microsoft setzt aufs Cloud-Gaming

Microsoft will per App den Fernseher zur Spielekonsole machen. Damit bräuchte man nur noch einen Controller zur Steuerung und eine schnelle Internet-Verbindung - denn die Spiele laufen dabei eigentlich auf Microsofts Servern im Netz. Microsoft arbeite auch an eigenen Streaming-Geräten für dieses Cloud-Gaming, mit denen man komplett auf eine Konsole verzichten könne, hieß es in einem Blogeintrag.

Didi beantragt Börsengang in den USA

Der chinesische Fahrdienst-Vermittler Didi Chuxing bereitet einen Börsengang in den USA vor. Der Uber-Rivale reichte gestern einen entsprechenden Antrag bei der Börsenaufsicht SEC ein. Das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf eingeweihte Kreise, dass Didi eine Gesamtbewertung von über 70 Milliarden Dollar anpeile. Damit dürfte es einer der größten Tech-Börsengänge des Jahres werden.

Klarna holt sich frisches Geld

Der schwedische Bezahldienst Klarna hat sich nach nur gut drei Monaten erneut hunderte Millionen Dollar bei Investoren besorgt. Die Gesamtbewertung erreichte in der am Donnerstag bekannt gegebenen Finanzierungsrunde 45,6 Milliarden Dollar. Klarna sammelte dabei 639 Millionen Dollar ein. Bei der letzten Finanzierungsrunde im März wurde das Unternehmen noch mit 31 Milliarden Dollar bewertet.

Neue Umsatzquelle für Netflix

Der Streaming-Marktführer Netflix hat gestern mit einem eigenen Online-Shop für Fanartikel die Weichen für einen größeren Einstieg ins Merchandising-Geschäft gestellt. Während der große Rivale Walt Disney seit Jahrzehnten schon viel Geld mit dem Verkauf und der Vermarktung von Produkten für Anhänger seiner Comics, Filme und Serien verdient, verzichtete Netflix auf diese Erlösquelle bislang weitgehend.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 11. Juni 2021 um 11:42 Uhr.