Händlerin an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Inflationsschock wirkt nach US-Börsen ohne klare Richtung

Stand: 11.11.2021 22:23 Uhr

Die US-Aktienbörsen haben sich nur teilweise vom Inflationsschock des Vortages erholt. Vor allem Tech-Aktien waren aber wieder gefragt. Der DAX präsentierte sich derweil überraschend robust.

In New York zeigten sich heute vor allem Technologieaktien nach den Verlusten des Vortages verbessert. Der Nasdaq Composite-Index legte 0,52 Prozent auf 15.704 Punkte zu, machte damit aber nur einen Teil der Verluste des Vortages wieder wett. Der Auswahlindex Nasdaq 100 stieg zwar ebenfalls moderat um 0,29 Prozent, schloss aber bei 16.032 Punkten in der Nähe seines Tagestiefs.

Der Standardwerteindex Dow Jones, der ohnehin den ganzen Tag im Minus steckte, weitete seine Verluste aus und ging bei 35.921 Punkten um 0,44 Prozent leichter aus dem Handel. Der marktbreite S&P-500-Index, in dem sowohl Standard- als auch Technologieaktien enthalten sind, schloss bei 4649 Zählern um 0,05 Prozent minimal im Plus.

Der Inflationsschock bleibt in aller Munde

Thema am Markt bleiben die Zinsaussichten in den USA nach den zuletzt hohen Inflationsdaten. Der beschleunigte Preisauftrieb in Amerika hatte tags zuvor auf die Stimmung der Investoren gedrückt. Die US-Teuerungsrate stieg im Oktober überraschend stark um 6,2 Prozent, den höchsten Stand seit 31 Jahren.

"Die Investoren sind aber in der Lage, über die nahe Zukunft hinauszublicken und zu sagen, 'wir haben einfach mehr Nachfrage als Angebot'", sagte Arthur Hogan, Chefmarktstratege beim Vermögensverwalter National Securities. "Und das ist wahrscheinlich eine gute Sache für das zukünftige Gewinnwachstum." Am Rentenmarkt fand wegen des Feiertages Veteran's Day heute kein Handel statt, auch neue Konjunkturdaten wurden nicht veröffentlicht.

Disney: Streaming-Geschäft enttäuscht

Unter den Einzelwerten in New York standen Disney-Aktien im Fokus. Die im Dow Jones enthaltene Aktie gab deutlich nach. Denn zwei Jahre nach seinem Start verlangsamt sich das Wachstum des Streamingdienstes Disney+. Weltweit zählte der Dienst am Ende seines zweiten Geschäftsjahres 118 Millionen Abonnenten. Experten hatten allerdings auf insgesamt mindestens 125 Millionen Abonnenten gehofft. Unter dem Strich stand für das abgelaufene Geschäftsjahr ein Gewinn von 160 Millionen Dollar.

DAX ignoriert US-Inflationsängste

Bis auf 16.114 Punkte ist der DAX heute in der Spitze gestiegen, wenngleich der deutsche Leitindex das Niveau über der neuen Hundertermarke nicht halten konnte. Sein zwei Tage altes bisheriges Rekordhoch von 16.104 Punkten ist damit bereits wieder Geschichte. Am Ende schloss der Index bei 16.083 Punkten, ein moderater Tagesgewinn von 0,1 Prozent.

Der Tag stand sowohl im Zeichen neuer Quartalsberichte als auch noch unter dem Eindruck der hohen US-Inflationszahlen vom Vortag. Obwohl die US-Teuerung zuletzt stark um 6,2 Prozent angezogen hatte, zeigte der DAX keine Schwäche, was durchaus überraschend war. Denn der Leitindex zeigte damit im Vergleich zur Wall Street relative Stärke und pendelte sich auf hohem Niveau ein. Zu noch höheren Avancen aber reichte es nicht.

"Der DAX stabilisiert sich nach seiner jüngsten 1000-Punkte-Rally auf sehr hohem Niveau", kommentierte Börsenstatistiker Andreas Büchler von Index Radar. Dabei halfen weiterhin überwiegend positiv aufgenommene Quartalsberichte der Unternehmen. Heute öffneten öffneten wieder mehrere große Konzerne ihre Bücher. Vor allem die Zahlen des DAX-Schwergewichts Siemens kamen gut an, die am Tagesende mit einem Zuwachs von 2,8 Prozent auch an der Index-Spitze standen und bei 152,42 Euro im Verlauf ein Rekordhoch markierten.

Siemens mit kräftigem Gewinnsprung

Siemens hat das erste Geschäftsjahr unter der Führung von Roland Busch mit einem kräftigen Gewinnsprung abgeschlossen. Das Ergebnis nach Steuern stieg um 59 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Damit übertraf Siemens seine Prognose, die im Laufe des Geschäftsjahres bereits drei Mal erhöht worden war.

Euro so billig wie seit Mitte 2020 nicht mehr

Als Kurstreiber am deutschen Aktienmarkt entpuppte sich derweil der billige Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel im europäischen Geschäft bis auf 1,1454 Dollar und verlor im US-Handel weiter auf derzeit 1,1449 Dollar. Sie ist damit so günstig wie seit Mitte 2020 nicht mehr. Hintergrund sind die steigenden Zinserwartungen in den USA, welche dem Dollar den Rücken stärken. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1460 (Mittwoch: 1,1558) US-Dollar fest.

Der schwache Euro wiederum ist eine gute Nachricht für die im DAX schwer gewichtete deutsche Exportindustrie, vergünstigt er doch deutsche Produkte in Ländern außerhalb der Euro-Zone - was die Nachfrage stärkt.

Gold bleibt als Inflationsschutz gefragt

Die "Anti-Inflationswährung" Gold blieb gefragt. Am Abend kostete die Feinunze Gold 1862 Dollar und damit rund 0,7 Prozent mehr als am Vortag. Das gelbe Edelmetall hielt sich damit in der Nähe seines erst gestern markierten Vier-Monats-Hochs.

Telekom will Dividende auf 0,64 Euro erhöhen

Die Deutsche Telekom will für das laufende Geschäftsjahr vier Cent mehr Dividende je Aktie ausschütten als für 2020. Der Vorstand plane vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrates, der Hauptversammlung eine Dividende von 0,64 Euro je Aktie vorzuschlagen, teilte das Unternehmen am Abend nach Börsenschluss mit. Für 2020 hatte die Telekom 0,60 Euro gezahlt.

Die Dividende orientiere sich bei der Telekom am bereinigten Ergebnis je Aktie, und dieser Wert solle von 1,20 Euro im Geschäftsjahr 2020 auf mehr als 1,75 Euro bis 2024 steigen. Die geplante Ausschüttungssumme für 2021 betrage 3,19 Milliarden Euro, verglichen mit 2,85 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2020. Morgen will der Konzern Zahlen zum dritten Quartal veröffentlichen.

Delivery-Hero-Zahlen kommen gut an

Einer der größten Gewinner im DAX war die Aktie von Delivery Hero. Der Essenslieferant wurde bei seinen Jahreszielen etwas optimistischer. Der Bruttowarenwert soll im Gesamtjahr nun das obere Ende der Spanne von 33 bis 35 Milliarden Euro erreichen. Bei Delivery Hero laufe es rund, schrieb Analyst Giles Thorne von Jefferies in einer ersten Reaktion auf den Zwischenbericht.

Merck verdient trotz Corona-Boom weniger

Der Kampf gegen die Corona-Pandemie sorgt beim Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA anhaltend für Schwung. Unterm Strich mussten die Südhessen im dritten Jahresviertel jedoch Einbußen hinnehmen, da sie im Vorjahr noch von einem hohen Sonderertrag profitiert hatten. Nach Steuern ging der Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal um fünf Prozent auf 764 Millionen Euro zurück.

RWE weiter auf Erholungskurs

Der Energiekonzern RWE kann sich weiter von dem schwachen Jahresstart erholen. Unterm Strich blieben mit 1,0 Milliarden Euro von Januar bis September fast 30 Prozent mehr hängen als im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen bestätigte die Gesamtjahres-Prognose.

Daimler Truck kommt am 10. Dezember an die Börse

Daimlers Lkw-Sparte will nach der Abspaltung vom Daimler-Konzern am 10. Dezember an die Börse gehen. Der Nutzfahrzeughersteller bekräftigte bei einem Kapitalmarkttag sein Ziel einer konzernweiten zweistelligen Rendite bis 2025 unter guten Marktbedingungen und schlüsselte die Zahlen für die einzelnen Regionen auf.

Die große Sparte mit über 100.000 Mitarbeitern wird damit aus dem Daimler-Konzern herausgelöst. Nach dem Truck-Börsengang wird die verbleibende Daimler AG ab Februar in Mercedes-Benz Group AG umbenannt. Hauptziel der Transaktion ist ein höherer Börsenwert der voneinander künftig getrennten Geschäftsfelder.

Wird PCB zum neuen Glyphosat für Bayer?

Bayer hat in den USA eine erneute Niederlage vor Gericht wegen Altlasten aus der Monsanto-Übernahme erlitten. Ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Washington verurteilte das Unternehmen zu einer Zahlung von insgesamt 62 Millionen Dollar an Schüler und andere Personen, die erklärt hatten, in einem Schulgebäude im Bundesstaat Washington der Chemikalie PCB ausgesetzt gewesen zu sein.

Bilanz von K+S wird weiter durchleuchtet

Der Düngerkonzern K+S kann die Zweifel der BaFin an der Höhe einer Milliardenabschreibung im Jahr 2020 weiterhin nicht ausräumen. Die Prüfung des Verdachts durch die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) dauert an. Das im MDAX notierte Unternehmen weist die Vorwürfe - auch unter Einbeziehung einer Analyse durch externe Prüfer - als unbegründet zurück.

Beyond-Meat-Aktie stürzt ab

Der für seine veganen Burger bekannte US-Fleischersatzhersteller Beyond Meat hat Anleger mit einer schwachen Geschäftsprognose geschockt. Die Aktie stürzt um mehr als 15 Prozent ab, nachdem das Unternehmen einen überraschend verhaltenen Ausblick für das Schlussquartal abgegeben und vor möglichen Absatzschwierigkeiten gewarnt hatte.

Elon Musk verkauft Tesla-Aktien im Milliardenwert

Wenige Tage nach seiner Twitter-Abstimmung über den Verkauf von Tesla-Aktien hat Unternehmenschef Elon Musk Anteile an dem US-Elektroautobauer im Milliardenwert zu Geld gemacht. Wie aus gestern veröffentlichten Börsendokumenten hervorgeht, verkaufte Musk, der derzeit als reichster Mensch der Welt gilt, insgesamt 4,5 Millionen Tesla-Aktien im Wert von rund fünf Milliarden Dollar.

Inkompetente Mitarbeiter bei Boeing?

Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA stellt die Kompetenz von Boeing-Beschäftigten infrage, die für die Zertifizierung der Flugzeuge zuständig sind. Bei einer Überprüfung sei festgestellt worden, dass einige Mitarbeiter, die Zertifizierungsaufgaben für die Behörde ausführen, nicht über die erforderlichen Fachkenntnisse verfügten und die FAA-Vorgaben nicht erfüllten, teilte die Behörde dem US-Flugzeugbauer in einem Schreiben mit, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt.

Über dieses Thema berichteten am 11. November 2021 tagesschau24 um 11:39 Uhr und BR24 um 09:35 Uhr.