Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Vor der Zinssitzung der Fed US-Anleger immer nervöser

Stand: 14.12.2021 22:26 Uhr

Im Vorfeld der morgigen Zinssitzung der Notenbank Federal Reserve sind die Anleger an der Wall Street auf die Bremse getreten. Vor allem Technologieaktien wurden verkauft. Auch der DAX schwächelte.

An der Wall Street ging es heute bergab mit den Kursen. Der Leitindex Dow Jones eröffnete zwar im Plus, fiel danach aber ins Minus zurück. Insgesamt waren die Bewegungen dabei überschaubar.

Letztlich gab der Index um 0,3 Prozent auf 35.544 Punkte nach. Alle großen Indizes grenzten im späten Geschäft ihre Verluste noch ein. Gesucht waren im Dow gegen den Trend zinssensitive Werte. Der Versicherungskonzern Travellers und die Banktitel JPMorgan Chase und Goldman Sachs gehörten zu den größten Gewinnern. Finanzkonzerne gelten als Profiteure höherer Zinsen, da sich deren Zinsmarge dadurch erhöht.

Die Notenbank Fed werde am Mittwoch voraussichtlich eine beschleunigte Drosselung ihrer Wertpapierkäufe verkünden, sagte Analyst Lukman Otunuga vom Online-Broker FXTM. Dies schüre Spekulation vorzeitiger Leitzins-Anhebungen. "Anleger sehen die Wahrscheinlichkeit mindestens einer Zinserhöhung bis Anfang Mai bei 73 Prozent." Ein solcher Schritt bis spätestens Mitte Juni gelte als ausgemacht.

Nasdaq unter Druck

Stärker bergab ging es an der Technologiebörse Nasdaq, die über Tagestief 1,14 Prozent nachgab auf 15.237 Punkte. Auch der Auswahlindex Nasdaq 100 musste Federn lassen. Er schloss 1,04 Prozent leichter bei 15.914 Punkten. Zinssorgen machen sich bei den Tech-Aktien stärker bemerkbar, da sich bei steigenden Raten die Refinanzierungskosten der meist hochbewerteten Unternehmen deutlich erhöhen.

Spiegelbildlich zu den Gewinnen der Banken lagen im Dow die Vertreter der Technologiebranche am Indexende. Salesforce, Microsoft oder der Netzwerkausrüster Cisco gaben deutlich nach. Auch Apple, die ebenfalls im Leitindex enthalten sind, legten nach der Rally der letzten Tage eine Pause ein und gaben um 0,8 Prozent nach.

Der marktbreite S&P-500-Index, in dem sowohl Technologie- als auch Standardwerte enthalten sind, verlor 0,75 Prozent und schloss bei 4634 Zählern. Der führende US-Benchmarkindex Index hatte erst am Freitag bei 4713 Punkten ein weiteres Rekordhoch markiert. Trotz der Nervosität um das sich abzeichnende Ende des US-Zinsregimes und den Unsicherheiten um den Fortgang der Corona-Pandemie bleiben die Märkte auf hohem Niveau und in Reichweite ihrer Rekordstände.

Erzeugerpreise schüren Inflationssorgen

Zinssorgen der Anleger machen sich vor allem an den derzeit rasanten Preisanstiegen bemerkbar. So wie heute bei den Erzeugerpreisen, die in den USA ihren Höhenflug fortsetzten und damit Inflationsängste schürten. Im November stiegen die Preise auf Herstellerebene gegenüber dem Vorjahresmonat um überraschend hohe 9,6 Prozent und damit noch schneller als im Oktober. Seit Beginn der Berechnungen im Jahr 2010 hatte es keinen höheren Zuwachs gegeben.

DAX kann Gewinne wieder nicht halten

Ähnlich wie am Vortag hat der deutsche Leitindex DAX auch heute anfängliche Gewinne nicht halten können und rutschte im Verlauf immer mehr ab. Am Ende schloss der Index bei 14453 Punkten ganz in der Nähe seines Tagestiefs bei 15.448 Zählern. Prozentual war dies ein Minus von 1,08 Prozent.

Am Morgen waren die Investoren noch zuversichtlicher gewesen, das Tageshoch lag immerhin bei 15.697 Punkten. Anschlusskäufe blieben aber im Gefolge aus, auch weil die Anleger sich vor der den als wegweisend geltenden Zinssitzungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Mittwoch, sowie der EZB und der Bank of England am Donnerstag nicht mehr aus dem Fenster lehnen wollten.

Inflation oder Omikron: Was ist den Notenbanken wichtiger ?

Die zurückhaltende Haltung der Anleger ist verständlich, niemand möchte vor so wichtigen Terminen schließlich auf dem falschen Fuß erwischt werden. "Außerdem hatten die meisten Leute ein recht erfolgreiches Jahr und wollen es kurz vor Abschluss nicht versemmeln", sagte Volkswirt Colin Asher von der Investmentbank Mizhuo.

"Omikron hat eindeutig eine große Wolke der Unsicherheit über die Aussichten für die Wirtschaft in den kommenden Monaten hinzugefügt. Die Frage, die sich diese Woche stellt, ist, ob die Zentralbanken die Inflation oder das Omikron als das größere Risiko ansehen", meint Craig Erlam vom Broker Orlanda.

Mehrheitlich gehen alle Experten davon aus, dass die US-Notenbank Federal Reserve wegen der deutlich erhöhten Inflationsraten ihre Anleihenkäufe schneller als bisher geplant zurückführen wird. Erst dann wäre der Weg zu Zinserhöhungen frei. Im weitern Wochenverlauf tagen noch die Bank of England und die EZB.

Euro sackt ab

Der Euro hat am Dienstag im US-Handel etwas weiter nachgegeben und ist auf ein Tagestief gerutscht. Insgesamt aber hielten sich die Bewegungen in Grenzen. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,1256 US-Dollar. Zwischenzeitlich war sie über 1,13 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1309 (Montag: 1,1278) Dollar fest. Klare Impulse gab es am Devisenmarkt nicht.

Daten zur Industrieproduktion aus der Eurozone bewegten den Markt kaum. Auch die gesenkte Wachstumsprognose des ifo-Instituts für das heimische BIP wirkte sich bisher nicht größer aus. "Die anhaltenden Lieferengpässe und die vierte Coronawelle bremsen die deutsche Wirtschaft spürbar aus", sagte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. "Die zunächst erwartete kräftige Erholung für 2022 verschiebt sich weiter nach hinten."

Türkei ändert Zinspolitik nicht

Die türkische Landeswährung stand heute weiter unter Druck. Finanzminister Nureddin Nebati bekräftigte die Haltung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, dass die Zinsen im Land nicht steigen werden. Experten erklären die extrem schwache Lira, die seit Jahresbeginn zu Dollar und Euro etwa die Hälfte ihres Werts verloren hat, mit der ungewöhnlichen Geldpolitik der Zentralbank:

Trotz einer hohen Inflation von zuletzt gut 21 Prozent befinden sich die Währungshüter seit Spätsommer auf striktem Zinssenkungskurs. Dies widerspricht dem ökonomischen Konsens, deckt sich aber mit der Haltung Erdogans, der hohe Zinsen als Ursache und nicht als Gegenmittel hoher Inflationsraten sieht.

EZB hält an Inflationsszenario fest

Die Europäische Zentralbank (EZB) geht derweil laut Kreisen für die Jahre 2023 und 2024 von einer Inflationsrate von unter zwei Prozent aus. Damit würde die Preissteigerungsrate laut den neuen Projektionen in beiden Jahren wieder unter ihrem angestrebten Zielwert liegen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf Notenbankkreise. Im kommenden Jahr wird demnach eine Rate von 2,2 Prozent erwartet. Damit sollte der Dollar in Anbetracht der erwarteten Zinserhöhungen in den USA bis auf weiteres weiter von seinem Zinsvoraus profitieren.

Moderna produziert in Australien

Der US-Arzneimittelhersteller Moderna setzt für die Produktion seiner mRNA-Impfstoffe neben den USA und Europa nun auch auf den Standort Australien. "Mit dieser neuen Partnerschaft bauen wir unsere Unabhängigkeit zur Herstellung dieser Impfstoffe hier in Australien auf", sagte der australische Ministerpräsident Scott Morrison in Melbourne. Die Anlage im Bundesstaat Victoria werde ab 2024 voraussichtlich bis zu 100 Millionen mRNA-Impfeinheiten pro Jahr produzieren. Morrison nannte keine finanziellen Einzelheiten. Australische Medien berichteten, dass der Deal mit umgerechnet etwa 1,26 Milliarden Euro beziffert wird.

US-Investor Silver Lake steigt bei Software AG ein

Die Private-Equity-Firma Silver Lake zeichnet eine Wandelanleihe der Software AG, die letztlich in eine Beteiligung von zehn Prozent umgetauscht werden kann, und zugleich zwei Mitglieder in den Aufsichtsrat bestellt. "Wir holen einen Technologieinvestor allererster Güte an Bord", sagte Finanzchef Matthias Heiden.

Durch die Investition in Höhe von 344 Millionen Euro habe man jetzt "eine noch stärkere Bilanz". Die Software AG will nach der Silver-Lake-Investition Zukäufe stemmen. An der Börse kam der Deal nicht gut an, Software-Aktien waren schwächster MDAX-Wert und brachen um über 13 Prozent ein.

Musk: Nächster Aktienverkauf

Tesla-Chef Elon Musk hat wieder Aktien seines Konzerns abgestoßen. Er verkaufte etwas mehr als 934.000 Papiere für 906 Millionen US-Dollar, wie aus Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht hervorgeht. Damit hat Musk insgesamt schon von fast 12 Millionen Tesla-Aktien im Wert von gut 12,7 Milliarden Dollar (11,25 Milliarden Euro) versilbert, seit er Anfang November im Zuge eines Twitter-Votums den Verkauf von zehn Prozent seiner 17-prozentigen Beteiligung am Elektroautobauer zusagte. Musk hatte Twitter-Nutzer abstimmen lassen, ob er sich von zehn Prozent seiner Tesla-Beteiligung trennen solle, um mehr Steuern zu zahlen.

BMW: Mehr Produktion in China

Der Auto- und Motorradbauer BMW will künftig noch mehr Autoproduktion im wichtigen Markt China ansiedeln. So soll der Stadtgeländewagen (SUV) X5 künftig nicht mehr nur in den USA in Spartanburg (South Carolina) vom Band laufen, sondern auch in der Volksrepublik, wie ein Sprecher bestätigte. Die SUV-Modelle der X-Baureihe wurden früher ausnahmslos im US-Werk gefertigt, mittlerweile baut BMW aber mehrere der gewinnträchtigen Modelle auch in China und etwa den X3 auch in Südafrika.

2021 war das teuerste Jahr für Naturkatastrophen

Verheerende Stürme in den USA und die Überschwemmungen in Europa machen 2021 einer Studie zufolge zu einem der teuersten Naturkatastrophenjahre.

Schon jetzt summierten sich die versicherten Schäden durch Naturkatastrophen weltweit auf 105 Milliarden US-Dollar (93 Milliarden Euro), teilte der schweizerische Rückversicherer und Münchener Rück-Konkurrent Swiss Re heute auf Basis vorläufiger Schätzungen mit. Dies sei 17 Prozent mehr als 2020 und der vierthöchste Wert seit Beginn der Erfassungen im Jahr 1970. Zu den großen Marktteilnehmern im globalen Rückversicherungsgeschäft gehört auch die Hannover Rück aus dem MDAX.

Toyota erhöht Angebot an E-Autos

Der japanische Autoriese Toyota erhöht sein Angebot an Elektroautos in den kommenden Jahren deutlich. Bis 2030 werde Toyota 30 neue E-Auto-Modelle auf den Markt bringen, kündigte Konzernchef Akio Toyoda an. Ab 2030 will der Konzern demnach pro Jahr 3,5 Millionen E-Autos verkaufen. Bislang lag das Ziel bei zwei Millionen E-Autos jährlich.  Die Luxusmarke Lexus werde bis 2030 in Europa, Nordamerika und China "zu hundert Prozent elektrisch", wie Toyota weiter ankündigte. Das wären eine Million Autos pro Jahr. Weltweit soll Lexus bis 2035 nur noch elektrische Pkw anbieten.

Pfizers Corona-Pille ist hochwirksam

Die endgültigen Daten einer klinischen Studie des Corona-Medikaments Paxlovid des US-Pharmariesen und Biontech-Impfstoff-Partners Pfizer haben die hohe Wirksamkeit der Pille bestätigt. Wie der Konzern heute mitteilte, senkt das antivirale Medikament bei Risikopatienten die Gefahr einer Krankenhauseinweisung oder eines Todes um 89 Prozent.

Dies gilt, wenn die Behandlung innerhalb von drei Tagen nach Auftreten der Krankheitssymptome begonnen wurde. Startete die Behandlung innerhalb von fünf Tagen nach Auftreten der Symptome, lag der Schutz bei 88 Prozent. Der Konzern erklärte nun zudem, dass das Medikament auch bei der Omikron-Variante des Coronavirus wirksam sein dürfte. Darauf ließen In-Vitro-Untersuchungen schließen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Dezember 2021 um 07:35 Uhr.