Schild "Nasdaq" | REUTERS
Marktbericht

US-Tech-Aktien verlieren Nasdaq unter Druck

Stand: 13.01.2022 22:20 Uhr

Die US-Börsen haben sich heute schwer getan, vor allem Tech-Aktien wurden verkauft. Die Anleger fiebern derweil der morgen beginnenden Bilanzsaison entgegen, die mit den Banken beginnt.

Einen Tag vor Beginn der Bilanzsaison sind die US-Börsen mit Verlusten aus dem Handel gegangen. Der US-Standardwerte- und Leitindex Dow Jones hielt sich dabei noch am besten, er verlor im Vergleich zu den anderen Indizes 0,49 Prozent auf 36.113 Punkte. Vor allem im späten Geschäft verstärkten sich die Verluste, nachdem der Dow lange Zeit im Plus gestanden und bei 36.513 Punkten sein Tageshoch markiert hatte.

Die Technologiebörse Nasdaq geriet im Verlauf am stärksten unter Druck. Der Composite-Index gab 2,51 Prozent nach auf 14.806 Punkte, der Auswahlindex Nasdaq 100 sank um 2,57 Prozent auf 15.495 Zähler. Der breit gefasste S&P 500 gab 1,42 Prozent nach und ging bei 4659 Punkten aus dem Handel. Vor allem die sich immer deutlicher abzeichnende Zinswende in den USA lastet besonders auf den Technologieaktien, deren Geschäftsmodelle sich bei höheren Raten verteuern würden.

Konjunkturdaten bieten kein klares Bild

Im Blick standen heute mit den Erzeugerpreisen im Dezember und den wöchentlichen Daten vom Arbeitsmarkt neue Makro-Zahlen, die allerdings ebenfalls uneinheitlich ausfielen. Zunächst fiel der Anstieg der Erzeugerpreise, also der Preise auf Herstellerebene, mit plus 9,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat weiter hoch aus und signalisiert erhebliche Inflationsrisiken.

"Die Zahlen sind zwar hoch und nicht gut", sagte Joe Saluzzi, Manager beim Brokerhaus Themis. Da sie aber im Rahmen der Erwartungen ausgefallen seien, machten sie niemanden nervös.

Der Arbeitsmarkt hingegen schwächelte überraschend. So sank die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 23.000 auf 230.000. Analysten hatten im Schnitt hingegen mit einem Rückgang auf 200.000 Anträge gerechnet. Anfang Dezember war die Zahl der Hilfsanträge noch bis auf 188.000 gefallen und damit auf den niedrigsten Stand seit 1969.

Morgen beginnt die Berichtssaison

Frische Kaufimpulse am Aktienmarkt versprechen sich Investoren nun von der US-Bilanzsaison. Am Freitag eröffnen die Großbanken Citigroup, JPMorgan und Wells Fargo den Zahlenreigen. Anleger könnten mit Rekordergebnissen rechnen, prognostizierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Würde dies zutreffen, könnte das für Auftrieb am Aktienmarkt sorgen.

Bereits im Vorquartal hatten die Geldhäuser mit deutlich über den Erwartungen liegenden Ergebnissen für eine gute Grundstimmung an der Börse gesorgt. Der wirtschaftliche Aufschwung sorgt für geringere Kreditausfälle, zudem treiben die steigenden Zinsen die Margen der Banken.

Bei den vorangegangenen Quartalsergebnissen hätten die Geldhäuser umfangreiche Rückstellungen für mögliche Zahlungsausfälle ihrer Kreditnehmer gebildet, sagte Fall Ainina, leitender Analyst beim Vermögensverwalter James Investment. "Aber jetzt hat sich die Lage deutlich verbessert."

DAX schließt kaum verändert

Die Anleger haben sich heute am deutschen Aktienmarkt unentschlossen gezeigt. Zwischen Inflations- und Corona-Sorgen, aber auch in Erwartung weiterer Gewinne der Unternehmen in der nun beginnenden Berichtssaison hin- und hergerissen, verhielten sie sich heute zurückhaltend.

Das Ringen um die psychologisch wichtige Marke von 16.000 Punkten geht damit weiter. "Der Deutsche Aktienindex bleibt in einem fragilen Gleichgewicht, dessen Bandbreite sich aber ohne Weiteres auch noch einige 100 Punkte nach Süden ausdehnen könnte", urteilte Andreas Büchler von Index-Radar mit Blick auf die Charttechnik.

Am Ende des Tages schloss der deutsche Leitindex DAX bei 16.031 Punkten, ein leichter Zuwachs von 0,13 Prozent. Insgesamt fand der Handel in engen Bandbreiten statt, wobei das Tagestief bei 15.941, das Tageshoch bei 16.090 Zählern lag.

Damit reagieren die Anleger weiterhin erstaunlich gelassen auf die jüngsten Belastungsfaktoren. Immerhin waren in den USA die Verbraucherpreise im Dezember so stark gestiegen wie zuletzt 1982.

"Nach dem Anstieg der Inflation auf den höchsten Stand seit 1982 erwarten Anleger nun mehrheitlich vier US-Zinserhöhungen in diesem Jahr", sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades. "Sie ringen aber mit einer entscheidenden Frage: Wie bekommt die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den wachsenden Preisdruck in den Griff, ohne die fragile Erholung der Wirtschaft von den Pandemie-Folgen aus der Bahn zu werfen?"

Corona bleibt unberechenbar

Unter Beobachtung stehen aber weiterhin die aktuell stark ansteigenden Corona-Infektionen, da Auswirkungen auf die globale Konjunktur zumindest nicht auszuschließen sind.

Zuletzt wurden in Deutschland mehr als 80.000 Neuinfektionen an einem Tag vermeldet - so viele wie noch nie. In Frankreich liegen die Ansteckungen mit über 300.000 Personen am Tag sogar noch deutlich höher. "Die rasante Ausbreitung der Mutation in Verbindung mit Quarantänemaßnahmen droht einige Branchen temporär an den Rand eines Lockdowns zu bringen", so die Marktbeobachter der Helaba.

Zalando empfohlen

Im DAX gehörten Aktien des Online-Händlers Zalando zu den Gewinnern. Die Aktie profitierte von einem positiven Analystenkommentar der DZ Bank. Analyst Thomas Maul hält das mittelfristige Wachstumsziel des Online-Modehändlers für das Bruttowarenvolumen für gut erreichbar und stufte das Papier von "Halten" auf "Kaufen" bei einem unveränderten Kursziel von 80 Euro. Tagessieger waren Daimler, die im späten Handel noch zulegen konnten.

Anleger machten um die bisherigen Corona-Profiteure aus dem Gesundheitssektor hingegen einen Bogen. Die Papiere der Hersteller von Diagnostikspezialisten wie Qiagen, des Laborzulieferers Sartorius, Siemens Healthineers und des Pharmakonzerns Merck KGaA gaben heute nach.

Euro bleibt auf dem Vormarsch

Der Euro knüpft an seine Vortagesgewinne an. Im US-Geschäft handelt die Gemeinschaftswährung nach den US-Makro-Daten leicht unter Tageshoch bei 1,1462 Dollar. Der Euro war gestern bereits über 1,14 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1463 (Mittwoch: 1,1370) Dollar fest.

Der Greenback war gestern nach den erwartungsgemäß ausgefallenen Inflationsdaten aus den USA zu wichtigen Währungen unter Druck geraten. Da die US-Verbraucherpreise nicht stärker als gedacht gestiegen waren, kam von dieser Seite aus kein zusätzlicher Druck auf die US-Notenbank, die Zinsen noch schneller als erwartet anzuheben. Die Daten auf Erzeugerpreisebene gehen jetzt in die gleiche Richtung.

Ölpreis: WTI und Brent kaum bewegt

Die Ölpreise bewegten sich heute wenig um ihre Schlusskurse und wechselten dabei immer mal wieder das Vorzeichen. Die Notierungen hatten zuletzt durch die wieder gestiegene Risikofreude an den Kapitalmärkten Auftrieb erhalten. Anleger setzten darauf, dass die geldpolitischen Maßnahmen der US-Notenbank zur Bekämpfung der Inflation den Aufschwung der Weltwirtschaft nicht gefährden. Heute jedoch rückte wieder die Frage in den Vordergrund, inwieweit die Corona-Pandemie insbesondere die Öl-Nachfrage in Asien dämpfen könnte.

Schließlich hat China derzeit mit Ausbrüchen der Krankheit zu kämpfen. Und durch die Ausbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante haben sich in den großen urbanen Regionen in Japan um Tokio und Osaka so viele Menschen infiziert wie seit vier Monaten nicht. Japans Kabinettschef Hirokazu Matsuno sagte, das Land müsse sich darauf einstellen, dass die rasche Ausbreitung anhalte.

SAP dämpft die Erwartungen

Europas größer Softwarehersteller SAP rechnet im laufenden Jahr mit weniger operativem Gewinn als von Analysten erwartet. So soll das um Sonder- und Währungseffekte bereinigte Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern in diesem Jahr bei 7,8 und 8,25 Milliarden Euro landen, wie das DAX-Schwergewicht am späten Abend nach US-Börsenschluss mitteilte.

Gegenüber dem vergangenes Jahr erzielten Ergebnis von 8,23 Milliarden Euro wäre das ein Rückgang von bis zu fünf Prozent und im besseren Fall eine stabile Entwicklung. Analysten hatten zuvor mit einem Anstieg auf 8,4 Milliarden Euro gerechnet. SAP steckt derzeit viel Geld in Technik und Produkte, um das Wachstum bei Software zur Nutzung über das Netz anzukurbeln.

Der Umsatz lag 2021 mit 27,84 Milliarden Euro leicht über den Erwartungen von 27,6 und dem Vorjahresniveau von 27,3 Milliarden Euro. Das Ebit betrug wie erwartet 8,23 Milliarden Euro. Die Marge auf das Ebit fiel von 30,3 auf 29,6 Prozent, Analysten hatten mit 29,8 Prozent eine etwas bessere Entwicklung prognostiziert.

Erste Wirecard-Anklage

Eineinhalb Jahre nach dem Zusammenbruch des Wirecard-Konzerns hat die Münchner Staatsanwaltschaft die erste Anklage im mutmaßlich größten Betrugsskandal der Nachkriegszeit erhoben. Beschuldigt ist kein Wirecard-Manager, sondern eine Nebenfigur: Ein ehemaliger Geschäftspartner des untergetauchten Ex-Vertriebschefs Jan Marsalek soll zuerst mit diesem gemeinsam 22 Millionen Euro aus der Konzernkasse veruntreut haben, wie die Münchner Staatsanwaltschaft mitteilte.

Anschließend soll der Angeklagte von diesem veruntreuten Geld acht Millionen Euro für sich selbst abgezweigt haben. Zuerst hatte die "Süddeutsche Zeitung" darüber berichtet.

Finanzierungsboom bei Start-ups

Start-ups in Deutschland haben im vergangenen Jahr so viel Geld eingeworben wie nie zuvor. Junge Firmen erhielten laut einer neuen EY-Studie die Rekordsumme von fast 17,4 Milliarden Euro Risikokapital von Investoren - mehr als dreimal so viel wie im Corona-Krisenjahr 2020 (5,3 Milliarden). Die Zahl der Finanzierungsrunden stieg kräftig um 56 Prozent auf 1160. Das meiste Risikokapital floss in junge Firmen aus den Branchen Finanzen, Online-Handel und Software.

Salzgitter will auf Hochöfen verzichten

Der Stahlkonzern Salzgitter will bis Mitte der 2030er-Jahre keinen Hochofen mehr betreiben und die Produktion bis dahin komplett auf ein neues Verfahren umstellen. "Dann haben wir unseren CO2-Ausstoß um 95 Prozent reduziert, also um fast acht Millionen Tonnen jedes Jahr", sagte Vorstandschef Gunnar Groebler der "FAZ". Für den Umbau der Stahlproduktion veranschlagt der Konzern Investitionen in der Größenordnung von drei bis vier Milliarden Euro. Groebler erwartet dafür die Unterstützung durch die Politik.

Wacker Chemie auf dem Erfolgspfad

Das Münchener Spezialchemieunternehmen Wacker Chemie hat wegen hoher Preise und einer guten Nachfrage im vergangenen Geschäftsjahr operativ mehr verdient als erwartet. Auf Basis vorläufiger Zahlen stieg das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf rund 1,5 Milliarden Euro, wie das MDAX-Unternehmen heute nach Börsenschluss mitteilte. Damit übertraf das Management die eigenen Ziele und Erwartungen von Analysten. 2020 lag der Wert noch bei 666,3 Millionen Euro. Den Umsatz steigerte Wacker Chemie um knapp ein Drittel auf etwa 6,2 Milliarden Euro. Die Aktie legte nachbörslich zu.

PC-Verkäufe auf Zehnjahreshoch

Der Bedarf an PCs in der Corona-Pandemie ist immer noch nicht erschöpft. Im vergangenen Jahr stiegen die Verkäufe nach Berechnungen von Marktforschern auf den höchsten Stand in rund einem Jahrzehnt. Drei große IT-Marktforscher, die ihre Schätzungen vorlegten, kamen weitgehend zu den gleichen Trends, aber zum Teil zu unterschiedlichen Zahlen.

SMA Solar streicht Gewinnziele zusammen

Ein Vertragsstreit mit einem Auftraggeber macht dem nordhessischen Solartechnikkonzern SMA Solar einen Strich durch die Rechnung. Der Vorstand verfehlt daher sein Gewinnziel für 2021. Das Management geht nun von einem operativem Ergebnis (Ebitda) zwischen 20 und 30 Millionen Euro aus statt der ursprünglich geplanten 50 bis 65 Millionen Euro. Der Hersteller von Wechselrichtern verschreckte damit seine Anleger: Die Aktie gab am Donnerstag in der Spitze um mehr als zehn Prozent nach und schloss am Ende gut acht Prozent schwächer.

Aufatmen bei Evergrande

Atempause für den strauchelnden chinesischen Wohnungsbaukonzern China Evergrande: In letzter Minute stimmten Gläubiger am Donnerstag einem Aufschub für fällige Zahlungen einer Yuan-Anleihe zu, wie das Kernunternehmen der Evergrande-Immobiliensparte, die Hengda Real Estate Group, mitteilte. Das Papier entspricht aber nur einem Bruchteil der 300 Milliarden Dollar, mit denen der weltweit am höchsten verschuldete Immobilienkonzern bei seinen größtenteils chinesischen Kreditgebern in der Kreide steht. Ausfälle gab es bisher bei Dollar-Anleihen, nicht aber bei Inlandspapieren.

Die Entscheidung über einen längere Rückzahlungszeitraum war zu einer neuen Zitterpartie für Evergrande geworden, denn die Frist dafür lief am Donnerstag ab. Schließlich stimmten gut 72 Prozent der Investoren dafür, der Firma einen Aufschub für die Yuan-Anleihe im Volumen von umgerechnet gut 700 Millionen Dollar zu gewähren, wie Hengda mitteilte. Die Firma wollte ein halbes Jahr mehr Zeit für die Rückzahlung, um eine unmittelbare Insolvenz zu verhindern.

Rekordgewinn von TSMC stärkt Chipwerte

Der Rekordgewinn von TSMC sorgt für gute Stimmung in der Chipbranche. Dank der hohen Nachfrage nach Halbleitern für Smartphones, Laptops und anderen technischen Geräten kletterte das Nettoergebnis des weltgrößten Chipauftragsfertigers von Oktober bis Dezember um rund 16 Prozent auf 166,2 Milliarden Taiwan-Dollar (umgerechnet 5,26 Milliarden Euro). Die Aktien von Infineon, STMicro, ASML Holding, ASM International und BE Semiconductor rückten heute vor, auch der Stoxx Europe Technology Index legte zu.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Januar 2022 um 10:15 Uhr.