Broker handeln an der New Yorker Börse | picture alliance/dpa/AP
Marktbericht

Bilanzen geben Auftrieb Wall Street kommt wieder in Schwung

Stand: 03.08.2021 22:47 Uhr

Nach sechs Gewinnmonaten in Folge wird die Luft an den Aktienmärkten dünner. Der DAX kam heute erneut kaum vom Fleck. Dagegen zog die Wall Street am Abend wieder an - trotz Corona-Sorgen.

Gute Unternehmenszahlen haben die Anleger zurück an die Wall Street gelockt. Der Dow Jones stieg um 0,8 Prozent auf über 35.100 Punkte - und schloss nur knapp unter seinem Rekordhoch aus der letzten Woche. Der marktbreite S&P 500 rückte ebenfalls um 0,8 Prozent auf 4423 Punkte vor. Der technologielastige Nasdaq 100 gewann 0,65 Prozent auf 15.061 Zähler.

Konjunktursorgen werden verdrängt

Zunächst hatten die Sorgen vor der Ausbreitung der Coronavirus-Variante Delta die US-Börsen belastet. Einige Anleger fürchten einen Rückschlag für die Wirtschaft durch neue Beschränkungen. Als zusätzliche Bremse wurden von den Händlern auch anfangs mögliche Steuererhöhungen zur Finanzierung der billionenschweren Konjunkturprogramme genannt.

Insgesamt aber bleibt die Stimmung positiv. Dank sprudelnder Firmengewinne seien größere Kursrücksetzer nicht zu erwarten, schreiben die Analysten des Research-Hauses BCA. Bislang verläuft die Berichtssaison in den USA erfreulich. Am Dienstag überraschten der Pharmakonzern Eli Lilly und der Sportartikler Under Armour mit starken Zahlen.

DAX "gefangen" in einer engen Spannbreite

Der DAX dagegen bleibt auf Richtungssuche. Am Dienstag schloss er nahezu auf dem selben Stand wie am Vortag - bei 15.555 Punkten. Der deutsche Leitindex ist seit zwei Wochen "gefangen" im Bereich zwischen 15.400 und 15.700 Zählern.

Marktbeobachter Jochen Stanzl von CMC Markets verweist auf drei Unsicherheitsfaktoren: die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus, die Inflationssorgen und die Berichtssaison. Die Messlatte für die Quartalszahlen liege zu hoch, um positive Überraschungen hervorbringen zu können, meint er.

Vorsichtige Ausblicke

So waren heute die Zahlen von BMW und Infineon nicht gut genug. Die beiden DAX-Konzerne haben sich bei der Präsentation ihrer Zahlen eher vorsichtig zum weiteren Verlauf geäußert. Während sich der Autobauer BMW nach einem kräftigen Plus bei Umsatz und Gewinn wegen des weltweiten Chipmangels auf ein schwierigeres zweites Halbjahr einstellt, kämpft der Halbleiterkonzern Infineon im Chip-Boom mit Produktionsproblemen. Die Aktien von BMW sackten um fünf Prozent ab und waren DAX-Schlusslicht. Die Infineon-Titel schlossen 0,4 Prozent tiefer.

Korrektur ante portas?

"Bisher ist die Stabilität der Märkte groß genug, um eine größere Korrektur zu verhindern", betont Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. "Wir nehmen jedoch an, dass die Märkte in den kommenden Tagen eine Korrektur beginnen werden", prophezeit er.

Ölpreise fallen weiter

Bei den Ölpreisen ging die Talfahrt weiter. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 72,37 US-Dollar. Das waren 53 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 80 Cent auf 70,46 Dollar. Bereits am Montag hatten enttäuschende Konjunkturdaten aus China die Ölpreise absacken lassen.

Euro unter Druck, Franken legt zu

Nach zwischenzeitlichen Kursgewinnen geriet der Euro im Tagesverlauf etwas unter Druck. Er fiel bis zum Abend auf 1,1864 Dollar. Der Dollar profitierte von starken Auftragsdaten. So stiegen die Ordereingänge für die Industrie im Juni deutlich stärker als erwartet.

Unterdessen ist der Schweizer Franken im Verhältnis zum Euro auf den höchsten Stand in diesem Jahr geklettert. Der Euro fiel auf 1,0729 Schweizer Franken zurück. Der Franken hat seit seinem Tief Anfang März um mehr als drei Prozent zum Euro zugelegt. Händler verwiesen auf die weltweite Ausbreitung der Delta-Variante, die die Konjunkturerholung bremsen dürfte. Zudem deuteten jüngste Konjunkturdaten aus den USA und China darauf hin, dass die Wirtschaftserholung ihren Höhepunkt überschritten haben könnte.

BMW warnt vor schwierigem zweiten Halbjahr

Im Rampenlicht stand BMW heute. Der Premium-Autobauer stellt sich nach einem kräftigen Plus bei Umsatz und Gewinn in der ersten Jahreshälfte angesichts des Chipmangels auf ein schwierigeres zweites Halbjahr ein. Mit zunehmender Dauer der Engpässe werde die Situation angespannter, sagte Finanzvorstand Nicolas Peter. Auch im zweiten Halbjahr sei mit Produktionseinschränkungen und damit verbundenen Auswirkungen auf den Fahrzeugabsatz zu rechnen. Im zweiten Quartal lief's rund für BMW: Der Der Umsatz schnellte um 43 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro nach oben. Unterm Strich verdienten die Münchner 4,8 Milliarden Euro - nach einem Verlust von 212 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Gutes erstes Halbjahr für Opel-Mutter Stellantis

Trotz anhaltender Engpässe bei Halbleitern hat der Opel-Mutterkonzern Stellantis nach einem kräftigen Zuwachs bei Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr seine operative Renditeprognose auf rund zehn Prozent angehoben. Der Konzern war zu Jahresbeginn aus dem Zusammenschluss des französischen Peugeot-Herstellers PSA und Fiat Chrysler (FCA) entstanden. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 46 Prozent auf 75,3 Milliarden Euro.

Infineon bleibt Nutznießer des Chipbooms

Infineon profitiert weiter vom anhaltenden Chipboom. Im abgelaufenen Quartal litt der Halbleiterkonzern allerdings unter Fertigungsproblemen und den Folgen eines Wintersturms. In den drei Monaten April bis Juni legte der Umsatz im Vergleich zum Vorquartal nur noch um ein Prozent auf 2,72 Milliarden Euro zu. Für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 (30. September) geht der Konzern von einem wieder höheren Umsatzplus von rund sechs Prozent aus.

K+S hebt Ergebnisprognose an

Die Aktien von K+S waren Top-Gewinner im MDAX mit einem Plus von fast vier Prozent. Steigende Düngerpreise und eine Erholung des Geschäfts mit Salzen etwa für die Chemieindustrie stimmen den nordhessischen Konzern optimistischer für das laufende Jahr. Unternehmenschef Burkhard Lohr rechnet nun mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 700 bis 800 Millionen Euro. Das wäre ein Plus von bis zu 80 Prozent im Vergleich zu 2020. Bisher hatte K+S im besten Fall 600 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Fraport kehrt in die schwarzen Zahlen zurück

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport ist im zweiten Quartal dank einer staatlichen Ausgleichszahlung in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 85 Millionen Euro nach einem Verlust von 182 Millionen ein Jahr zuvor. Vorstandschef Stefan Schulte hält deshalb jetzt auch im Gesamtjahr einen kleinen Gewinn für möglich.

Steuereffekt belastet Aareal Bank

Ein einmaliger Steuereffekt im Zusammenhang mit einem aufgegebenen Fondsprodukt wird das Ergebnis der Aareal Bank im laufenden Jahr belasten. Dafür wurden im zweiten Quartal Rückstellungen gebildet, wie die Bank gestern Abend mitteilte. Das Betriebsergebnis liege im zweiten Quartal daher bei voraussichtlich 41 Millionen Euro, bereinigt betrage es 52 Millionen Euro. Trotz der Sonderbelastung hält die Bank an ihrer Jahresprognose fest. Die Aktien sackten um 3,5 Prozent ab.

Pfeiffer Vacuum mit Gewinnsprung

Der Vakuumpumpen-Hersteller Pfeiffer Vacuum hat im ersten Halbjahr 2021 dank einer starken Nachfrage nach seinen Produkten auch nach Steuern deutlich mehr verdient als im Vorjahr. Der Überschuss stieg in den ersten sechs Monaten auf 33,9 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Pfeiffer Vacuum einen Gewinn von 13,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Das SDAX-Unternehmen hatte bereits Ende Juli Eckdaten vorgelegt.

Erneuter Kurseinbruch bei Northern Data

Die Northern-Data-Aktie brach den zweiten Tag in Folge prozentual zweistellig ein. Mit 40,20 Euro rutschte sie auf den tiefsten Stand seit Ende Oktober 2020. Am Montag hatte die Privatbank Hauck & Aufhäuser das Rating für die vorher zum Kauf empfohlenen Titel "unter Beobachtung" gesetzt - mit der Begründung, dass vom Anbieter von Infrastrukturlösungen im Bereich High-Performance Computing (HPC) immer noch kein auditierter Jahresabschluss für das vergangene Jahr vorliege.

Sanofi baut mRNA-Geschäft aus

Der französische Pharmakonzern Sanofi will sein Geschäft rund um mRNA-Anwendungen mit der Milliardenübernahme des US-Biotechunternehmens Translate Bio stärken. Die Aktionäre des US-Konzerns sollen 38 US-Dollar je Aktie erhalten - ein Aufschlag von rund 30 Prozent auf den Montagsschlusskurs. Die Gremien des US-Unternehmens unterstützen die Offerte. Die beiden Pharmakonzerne arbeiten bereits bei der Entwicklung von mRNA-Impfstoffen zusammen. Die Aktien von Translate Bio schossen um 29 Prozent nach oben.

BP lockt mit höherer Dividende

Die Aussicht auf eine höhere Dividende treibt Anleger in die Aktien des britischen Energiekonzerns BP. Nach einem überraschend hohen Gewinn von 3,1 Milliarden Dollar im zweiten Quartal erhöht BP seine Dividende um vier Prozent auf 5,46 US-Cent je Aktie. Der Ölriese plant zudem ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar.

Scheitert die ARM-Übernahme durch Nvidia am britischen Veto?

Die britische Regierung erwägt einem Medienbericht zufolge, die 40-Milliarden-Dollar-Übernahme des britischen Chipentwicklers ARM durch den US-Konzern zu blockieren. Als Grund nannten Insider gegenüber Bloomberg mögliche Risiken für die nationale Sicherheit. Nvidia erklärte, man sei bereit, alle Fragen zu beantworten. Im September hatte der US-Grafikkartenspezialist bekanntgegeben, ARM vom japanischen Technologieinvestor Softbank zu übernehmen.

Airline Qantas stellt 2500 Mitarbeiter frei

Wegen der anhaltenden Corona-Lockdowns in Teilen Australiens und der inneraustralischen Grenzschließungen stellt die nationale Fluggesellschaft Qantas 2500 Mitarbeiter vorübergehend frei. Die Maßnahme betrifft sowohl Piloten und Flugbegleiter als auch Bodenpersonal von Qantas und der Tochtergesellschaft Jetstar. Die Maßnahme soll zunächst für zwei Monate gelten. Stellenstreichungen sind Qantas zufolge aber nicht geplant.

China sieht Videospiele als "spirituelles Opium"

Die Furcht vor neuen Regulierungen in China setzte am Dienstag den Aktien der Videospiele-Anbieter zu. Die Titel von Activision Blizzard ("Candy Crush") und Electronic Arts ("Fifa22") erlitten Kursverluste von bis zu 3,5 Prozent ein. In einem chinesischen Staatsmedium wurden Videospiele als "spirituelles Opium" bezeichnet. Das verschreckte einige Anleger. Peking hatte zuletzt bereits bei anderen Tech-Unternehmen die Daumenschrauben angezogen.

Activision wurde zudem von dem angekündigten Abgang des Präsidenten der Sparte Blizzard Entertainment, J. Allen Brack, belastet. Kalifornische Behörden haben Activision und Blizzard unter anderem wegen mutmaßlicher sexueller Diskriminierung verklagt.

Under Armour profitiert vom "Home-Office"-Effekt

Hoch im Kurs standen hingegen die Aktien von Under Armour, die sich um 6,2 Prozent verteuerten. Der Sportartikel-Hersteller blickt nach einem verdoppelten Quartalsumsatz optimistischer in die Zukunft. Under Armour hob wegen der anhaltend starken Nachfrage nach bequemer Kleidung im Home-Office für 2021 erneut seine Ziele an - und zwar deutlicher als von Analysten erwartet. Auch Ralph Lauren erhöhte nach einem überraschend starken Quartalsergebnis die Jahresprognose. Die Papiere der Modefirma schlossen sechs Prozent im Plus.

Eli Lilly will bald Zulassung für Alzheimer-Mittel beantragen

Die Hoffnung auf den Verkaufserfolg eines neuen Alzheimer-Medikamentes hievte Eli Lilly auf ein Rekordhoch. Die Aktien der Pharmafirma stiegen um gut fünf Prozent auf 259,27 Dollar. Das Unternehmen will bis zum Jahresende die US-Zulassung für die Alzheimer-Arznei beantragen. Ersten Tests zufolge sei sie wirksamer als Konkurrenz-Produkte.

Pepsi will keine Säfte mehr

Der US-Getränkekonzern trennt sich von seiner Saftsparte. PepsiCo verkauft die Orangensaft-Marke Tropicana und weitere Marken für 3,3 Milliarden Dollar an den französischen Finanzinvestor PAI Partners. Die Einnahmen aus dem Verkauf will PepsiCo-Chef Ramon Laguarta nutzen, um mehr gesunde Snacks sowie kalorienarme Getränke auf den Markt zu bringen. Der Getränke- und Snack-Konzern bleibt aber mit 39 Prozent an dem Joint-Venture beteiligt und hält weiter die alleinigen Vertriebsrechte in den USA. PAI hat zuletzt mehrere Deals in der Nahrungsmittelbranche gemacht und unter anderem die Eis-Marke Häagen-Dazs in den USA von Nestlé geschluckt.

Lyft schafft seinen ersten Quartalsgewinn

Der Mitfahrdienst Lyft hat erstmals in seiner neunjährigen Geschichte einen Gewinn verzeichnet. Im abgelaufenen Quartal sei ohne Sonderposten ein Plus von 23,8 Millionen Dollar übrig geblieben, teilte der Uber-Konkurrent nach US-Börsenschluss mit. Lyft hatte erst für das laufende Quartal einen Gewinn vorhergesagt. Der Umsatz konnte mehr als verdoppelt werden auf 765 Millionen Dollar. Lyft-Aktien stiegen nachbörslich um vier Prozent. Am Mittwoch stellt Uber seine Geschäftszahlen vor.

"Lord of the Rings"-TV-Serie kommt 2022

Die mit Spannung erwartete Verfilmung der Fantasy-Saga von Amazon Studios soll im September 2022 Premiere feiern. Das Streaming-Unternehmen gab den Starttermin für die noch titellose "Lord of the Rings"-Serie gestern bekannt. Dazu veröffentlichte Amazon das Foto von einer Mittelerde-Landschaft mit einem imposanten Schloss. Die Dreharbeiten für die erste Staffel seien in Neuseeland abgeschlossen worden, hieß es weiter.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. August 2021 um 12:00 Uhr.