Händler an der New Yorker Börse
Marktbericht

Deutliche Kursverluste Wall-Street-Anleger suchen das Weite

Stand: 10.02.2022 07:19 Uhr

Auf breiter Front haben sich die Anleger in New York heute vom Markt verabschiedet. Zinsängste lasteten dabei massiv sowohl auf dem Aktien- als auch auf dem Rentenmarkt.

Zinserhöhungsängste und enttäuschende Firmenbilanzen setzten heute der Wall Street zu. Nach dem verlängerten Wochenende in den USA fielen der US-Standardwerteindex Dow Jones um 1,51 Prozent auf 35.368 und der breit gefasste S&P 500 um 1,84 Prozent auf 4577 Punkte. Die technologielastige Nasdaq gab deutlich um 2,6 Prozent nach auf 14.506 Punkte. Der Auswahlindex Nasdaq 100 sank um 2,57 Prozent auf 15.210 Zähler.

US-Renditen auf dem Vormarsch

Staatsanleihen flogen ebenfalls aus den Depots. Dies trieb die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen Treasuries auf ein Zwei-Jahres-Hoch von fast 1,88 Prozent. Sie erreichte damit den höchsten Stand seit Anfang 2020. Die ebenfalls beachteten zweijährigen Titel rentierten erstmals seit Anfang 2020 wieder über einem Prozent.

Die Fed sorgt für bange Blicke

Über allem steht derzeit die weitere Zinspolitik der Fed. Denn angesichts der hohen US-Inflation von zuletzt sieben Prozent wird ein Gegensteuern der Notenbank immer wahrscheinlicher. An den Märkten werden für dieses Jahr bis zu vier Zinsanhebungen um je 0,25 Prozentpunkte erwartet. Einzelne Marktteilnehmer können sich sogar stärkere Zinsschritte vorstellen. Ansonsten drohe der Fed ein Glaubwürdigkeitsverlust, wird mitunter argumentiert.

"Liest man die jüngsten Kommentare der US-Notenbanker und ihres Chefs Jerome Powell, ist nach Einschätzung der Fed die größte Gefahr für die Wirtschaft und damit den Arbeitsmarkt die Inflation", sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Unter den Einzelwerten an der Wall Street standen Goldman Sachs und Microsoft im besonderen Fokus.

Goldman-Zahlen kommen nicht gut an

Amerikas führende Investmentbank Goldman Sachs meldete trotz boomender Geschäfte mit Fusionen und Übernahmen schrumpfende Gewinne. Schwache Aktivitäten im Handel führten dazu, dass der Nettogewinn im vierten Quartal 2021 binnen Jahresfrist um 13 Prozent auf 3,81 Milliarden Dollar sank, wie die Wall-Street-Bank mitteilte.

Für das Sommerquartal hatte Goldman noch einen Gewinnsprung bekannt gegeben. Pro Aktie wurden 10,81 Dollar erwirtschaftet, was unter den Erwartungen der Analysten lag. Bei Anlegern kam dies nicht gut an: Goldman-Sachs-Aktien brachen 6,98 Prozent ein auf 354,40 Dollar.

Millardengeschäft: Microsoft will Activision Blizzard kaufen

Mega-Übernahme in der Spielebranche: Populäre Games wie "Call of Duty" und "Candy Crush" sollen künftig von Microsoft kommen. Der Software-Riese hinter der Spielekonsole Xbox will dafür den Spieleanbieter Activision Blizzard für fast 70 Milliarden US-Dollar kaufen.

"Gaming ist die dynamischste und aufregendste Kategorie in der Unterhaltungsbranche und wird künftig eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Metaverse-Plattformen spielen", sagte Microsoft-Boss Satya Nadella am Dienstag. Das "Metaverse" wird von IT-Experten als Zukunft des Internets gesehen.

Es steht für einen virtuellen 3-D-Raum, in dem alle Teilnehmer vernetzt sind, sich austauschen, miteinander agieren und über Virtual-Reality-Brillen am Smartphone oder Computer spielen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg investiert Milliarden in das Geschäft und hat seinen Konzern kürzlich in Meta Platforms umbenannt.

Die Activision-Aktie ging heute "nur" um knapp 26 Prozent auf 82,81 Dollar mit - was eine gewisse Skepsis der Anleger zeigt. Für die Microsoft-Aktie ging es hingegen um gut 2,4 Prozent abwärts.

DAX muss Federn lassen

Der DAX hat heute im Umfeld steigender Zinsen leichter geschlossen. Der deutsche Leitindex verlor 1,01 Prozent auf 15.772 Punkte und unterschritt damit auf Basis der Schlusskurse knapp die technische Unterstützungsmarke von 15.800 Punkten. Es war den ganzen Tag über ein Kampf der Bullen und Bären um diese markante Chartmarke. Der DAX schwankte im Handelsverlauf dabei zwischen 15.669 und 15.843 Punkten.

Damit bestätigte sich, was sich bereits seit einiger Zeit immer stärker andeutet. Ausgehend von der sich anbahnenden Änderung des Zinsregimes der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) steigen die Zinsen. Im Gegenzug geraten Aktienkurse unter Druck, da Zinspapiere attraktiver werden.

So nähert sich die zehnjährige Bundesrendite nach einer langen Zeit im negativen Bereich wieder der Nulllinie und steigt damit auf den höchsten Stand seit Mai 2019. Das erklärt zu einem großen Teil die Entscheidung der Anleger, sich beim Aktienkauf vorerst zurückzuhalten. In den USA steigt in einem schwachen Rentenmarktumfeld die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf derzeit 1,84 Prozent.

"Die Inflation und die jüngste Covid-Welle könnten ihren Höhepunkt fast erreicht haben", schrieb Chefinvestor Chris Iggo von AXA Investment Managers. "Erst wenn beide Wellen abklingen, dürfte sich das Vertrauen der Anleger verbessern, aber 2022 wird herausfordernd bleiben."

Was macht die EZB?

Fundamental sorgen sich die europäischen Anleger zudem über den unklaren Kurs der EZB. Diese ist bisher nicht auf den Zinserhöhungszug der Fed aufgesprungen, was am Markt zunehmend kritisch gesehen wird. Auch Europas Notenbanker haben die zuletzt höheren Teuerungsraten immer wieder als temporäres Problem gesehen, ähnlich wie ihre Kollegen in Washington. Allerdings ist die Fed mittlerweile von dieser Sichtweise abgerückt.

"Da die US-Notenbank Fed und die Bank von England (BoE) bereits im Zinserhöhungsmodus sind, ist es schwer, von der Europäische Zentralbank (EZB) nicht ebenfalls einen Kurswechsel zu erwarten", sagte Stuart Cole, Chef-Volkswirt des Brokerhauses Equiti Capital. Schließlich übten explodierende Energiepreise einen hohen Teuerungsdruck aus, der so bald wohl nicht nachlassen werde.

Gewinnwachstum könnte stützen

Unterstützen würden den DAX gewiss starke Bilanzen der US-Konzerne, denn Unternehmensgewinne bleiben ein wesentlicher Faktor für die Kursentwicklung. "Es wird interessant sein zu sehen, ob die Anleger jetzt, da die Gewinnsaison begonnen hat, wieder einsteigen", kommentiert Craig Erlam, Marktanalyst bei Oanda.

In der vergangenen Woche hatten die US-Großbanken JPMorgan und Citigroup mit ihren Geschäftszahlen allerdings anders als im Vorquartal nicht überzeugt. Das dämpft die Stimmung der Investoren, denn das Geschäft der Banken gilt als Indikator für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung.  

Dollar deutlich im Aufwind

Der Euro hat im späten US-Devisenhandel weiter unter Druck gestanden. Die Gemeinschaftswährung wurde zuletzt mit 1,1333 Dollar gehandelt, nur knapp über dem Tagestief von 1,1319 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1367 (Montag: 1,1403) Dollar festgesetzt.

Im Blick des Devisenmarktes steht neben den erwarteten US-Zinserhöhungen auch die Möglichkeit, dass die Fed ihre auf etwa 8,8 Billionen Dollar aufgeblähte Bilanz bald zurückführen könnte.

Solider ZEW-Index hilft nicht

Solide Wirtschaftsdaten aus Deutschland konnten dem Euro keinen Rückenwind verleihen. Die Konjunkturerwartungen des Mannheimer ZEW-Instituts hellten sich wesentlich deutlicher auf als erwartet.

"Der Konjunkturausblick verbessert sich mit Beginn des neuen Jahres ganz erheblich", kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach. Die konjunkturelle Schwächephase vom vierten Quartal dürfte bald überwunden sein, erwartet er. Am Nachmittag stehen in den USA nur wenige Konjunkturdaten auf dem Programm. Veröffentlicht werden Stimmungsdaten aus der Industrie und vom Immobilienmarkt. Ihre Marktrelevanz ist in der Regel eher gering.

Brent erreicht Sieben-Jahres-Hoch

Der Ölpreis setzte die jüngste Rally fort. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg dabei mit mehr als 87 Dollar je Fass auf den höchsten Stand seit 2014. Auch die amerikanische Sorte Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich weiter und kostet mittlerweile über 85 Dollar je Fass.

Die Ölpreise befinden sich seit einiger Zeit auf einem Höhenflug. So stieg der Brent-Preis alleine in den ersten Wochen in diesem Jahr um rund zwölf Prozent, nachdem der Kurs im vergangenen Jahr um rund die Hälfte angezogen hatte.

Ein Drohnen-Angriff jemenitischer Huthi-Rebellen auf Tanklaster in Abu Dhabi schüre Spekulationen auf Lieferausfälle zu einer Zeit, da das Angebot bereits knapp sei, sagte Neil Wilson vom Online-Broker Markets.com. Verschärft werde die Nervosität durch die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine.

Allianz: Cyberattacken weltweit größte Gefahr für Unternehmen

Manager und Sicherheitsfachleute sehen in Cyberangriffen die größte Gefahr für Unternehmen. Im heute veröffentlichten "Risikobarometer" des zur Allianz gehörenden Industrieversicherers AGCS liegen kriminelle Hacker mit ihren Aktivitäten auf Rang eins. Betriebsunterbrechungen, Naturkatastrophen und Pandemien folgen auf den Plätzen zwei bis vier.

VW und Bosch planen Zusammenarbeit bei Batteriezellen

Volkswagen plant mit dem weltweit größten Zulieferer Bosch eine Kooperation zur Ausstattung von Batteriezellfabriken. Beide Unternehmen kündigten heute an, integrierte Batterieproduktionssysteme zu liefern sowie Batteriezellen- und Systemhersteller bei Hochlauf und Wartung vor Ort zu unterstützen. Darüber sei eine Absichtserklärung unterzeichnet worden. Beide Partner haben das Projekthaus mit dem Ziel eingerichtet, bis Ende 2022 die Gründung eines Unternehmens vorzubereiten.

Zuvor hatte das "Manager Magazin" darüber berichtet. Dem Magazin zufolge ist ein Gemeinschaftsunternehmen geplant, das nicht nur die sechs eigenen Batteriezellenfabriken von VW ausstatten soll, sondern auch andere Auto- und Batteriehersteller in Europa beliefern soll.

Daimler Truck steigert den Absatz

Der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck hat im abgelaufenen Jahr seinen Absatz deutlich gesteigert. Das Unternehmen habe 2021 mit 455.000 Einheiten weltweit rund 20 Prozent mehr Lkws und Busse abgesetzt als im Vorjahr, wie der Hersteller heute in Stuttgart mitteilte. Dazu habe eine Erholung in den wichtigsten Märkten vor allem in der ersten Jahreshälfte beigetragen.

Hugo Boss übertrifft Jahresziele

Der Modekonzern Hugo Boss hat dank eines starken vierten Quartals seine Jahresziele übertroffen. So stieg das operative Ergebnis (Ebit) 2021 nach vorläufigen Berechnungen auf 228 Millionen Euro. Das Management hatte im besten Fall zuletzt 200 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Im Vorjahr hatte Hugo Boss noch einen Verlust von 236 Millionen Euro verbucht. Der Umsatz stieg um 43 Prozent zum Vorjahr auf rund 2,8 Milliarden Euro.

Ryanair fordert staatliche Hilfe

Die Fluggesellschaft Ryanair fordert einem Medienbericht zufolge staatliche Hilfe für die Luftfahrtbranche. "Wichtig ist, das Wachstum für die gesamte Branche zu fördern, um die Passagiere zurückzubringen, die verloren gegangen sind", sagt Andreas Gruber, Chef der Ryanair-Tochter Laudamotion und Deutschland-Sprecher, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Das beste Instrument dafür ist eine Unterstützung der Flughäfen durch die Regierung. Und die daraus resultierenden Kostenvorteile können an die Airlines weitergegeben werden."

MV-Werft-Eigner Genting vor der Insolvenz

Die Aktien der angeschlagenen MV-Werften-Mutter Genting Hongkong sind erneut vom Handel an der Hongkonger Börse ausgeschlossen worden. Zuvor hatte der Tourismuskonzern am Dienstag erklärt, einen Insolvenzantrag zu erwägen.

Am Montag hatte das Landgericht Schwerin verhindert, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern einen im Sommer vereinbarten Kredit über 78 Millionen Euro jetzt an Genting Hongkong auszahlen muss. Es wies einen Eilantrag von Genting mit der Begründung ab, dass das Unternehmen eine existenzielle Notlage nicht habe glaubhaft machen können. Ob das nun bei Genting fehlende Geld - umgerechnet 88 Millionen US-Dollar - die akute Krise ausgelöst hat, ist unklar.

Der Rechtsstreit vor Gericht währt seit dem 27. Dezember. Die Aktien von Genting Hongkong waren bereits am 7. Januar vom Handel an der Börse in Hongkong ausgeschlossen worden. Knapp eine Woche später wurde der Handel damit wieder aufgenommen. Der Aktienkurs brach stark ein. Für die MV Werften mit ihren rund 2000 Beschäftigten hatte Genting bereits am Montag vergangener Woche Insolvenz beantragt.

Studiendaten schwächen die Biontech-Aktie

Eine Studie zur Wirksamkeit einer zweiten Coronavirus-Auffrischungsimpfung gegen die Omikron-Variante schickt BioNTech auf Talfahrt. Die an der Wall Street notierten Aktien der Biotechfirma brachen um 13,6 Prozent ein. Einer israelischen Untersuchung zufolge hebt ein zweiter Booster mit dem BioNTech-Serum zwar das Antikörper-Niveau weiter, kann aber Infektionen mit Omikron nicht verhindern. Die Papiere des BioNTech-Entwicklungspartners Pfizer gaben 1,5 Prozent nach. Die Aktien der Rivalen Moderna und Novavax brachen um bis zu elf Prozent ein.

US-Mobilfunker machen Zugeständnisse

Die Chefs der größten US-Fluggesellschaften haben vor dem Einsatz der 5G-Technologie in der Nähe von Flughäfen gewarnt. Die Branchen-Chefs forderten ein "sofortiges Eingreifen" der Behörden, um "eine erhebliche betriebliche Störung für Passagiere, Fluggesellschaften, Lieferketten und die Lieferung wichtiger medizinischer Versorgungsgüter zu verhindern". 

Wegen dieser Sicherheitsbedenken der Luftfahrtbranche machen AT&T und Verizon in letzter Minute Zugeständnisse bei ihren erweiterten 5G-Services für schnelleres Internet auf Mobiltelefonen. Man habe sich freiwillig entschieden, die Einführung des neuen Mobilfunkstandards in der Nähe von Flughäfen zunächst zu begrenzen, teilte Verizon am Abend mit.

Rekordzahl bei US-Serien im Jahr 2021

Die Zahl der neuen und fortgesetzten US-Serien hat 2021 einen Höchststand erreicht. Das geht aus der jährlichen Zählung der Produktionen in Streaming-, Kabel- und Rundfunkanstalten der Vereinigten Staaten hervor, die die Fernsehforscher von FX Research im Hause Walt Disney Television vornehmen.

Danach stieg die Zahl der Serien ("Original Scripted Series") im vorigen Jahr auf 559, berichteten Branchendienste wie "Variety" und "Hollywood Reporter". Das war ein Sprung von 13 Prozent gegenüber dem ersten Corona-Jahr 2020, als es mit 493 Serien einen kleinen Einbruch gegeben hatte. Gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2019 mit 532 Serien war es ein Anstieg von fünf Prozent.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Januar 2022 um 18:00 Uhr.