Händler an der Frankfurter Börse
Marktbericht

September endet tiefrot Schlechtester Börsenmonat des Jahres

Stand: 30.09.2021 22:20 Uhr

Kein goldener "Börsenherbst": Im September sackten die Wall Street und der DAX so stark ab wie lange nicht. Zum Monatsende vergraulten Inflationsdaten die Anleger. Ein Hoffnungsschimmer kam aus den USA.

Der US-Senat hat mit der Billigung eines Haushaltsgesetzes einen drohenden Teil-Stillstand der Regierungsgeschäfte voraussichtlich abgewendet. Mit Zustimmung über die Parteigrenzen hinweg votierten die Abgeordneten am Abend mitteleuropäischer Zeit für einen Übergangshaushalt bis zum 3. Dezember. Das Repräsentantenhaus stimmte anschließend ebenfalls zu. Das neue Haushaltsjahr beginnt in den USA an diesem Freitag. Ohne eine neue Haushaltsregelung wäre es zu einem "Shutdown" von Teilen des Staatsapparates gekommen.

Noch keine Einigung bei Schuldenobergrenze in den USA

Damit ist aber nur eine Krise vorerst abgewendet. Das weitaus größere Problem der Schuldenobergrenze bleibt vorerst bestehen. Ohne eine Anhebung oder Aussetzung dieser Grenze durch den Kongress droht der US-Regierung laut Finanzministerin Janet Yellen Mitte Oktober der Zahlungsausfall.

Dow Jones schließt deutlich tiefer

Der Haushaltspoker in den USA sorgte für Nervosität an der Wall Street. Nach anfänglichen Gewinnen drehte der Dow Jones deutlich ins Minus. Er verzeichnete am Ende einen Verlust von 1,6 Prozent. Der breiter gefasste S&P 500 verlor rund 1,2 Prozent und die Nasdaq 0,4 Prozent.

Schlechtester September seit Jahren

Damit geht ein katastrophaler Börsenmonat zu Ende. Der Dow Jones büßte im Monatsverlauf fast vier Prozent ein. Das ist der größte Verlust in einem September seit zehn Jahren.

Ähnlich düster fällt die Monatsbilanz im DAX aus. Der deutsche Leitindex sackte um über 600 Punkte oder 3,6 Prozent ab. Damit blieb der September seinem Ruf als einer der schlechtesten Börsenmonate des Jahres treu. Und auch die Quartalsbilanz war negativ. In den Monaten Juli bis September büßte der deutsche Leitindex 1,7 Prozent ein. Es ist das erste schwache Quartal seit dem Corona-Crash im März 2020.

DAX rutscht auf unter 15.300 Punkte

Am Donnerstag ging es für das deutsche Börsenbarometer um knapp 0,7 Prozent nach oben. Nachdem der DAX am Morgen noch zugelegt hatte, drehte er im Tagesverlauf ins Minus. Neue erschreckende Inflationsdaten setzten ihm zu.

Der nächste Inflationsschock

Im September stiegen die Verbraucherpreise um 4,1 Prozent. Eine Vier vor dem Komma gab es zuletzt 1993. So langsam fragen sich Börsianer, ob die hohe Teuerungsrate wirklich nur von vorübergehender Natur ist. "Mit den nicht enden wollenden Lieferengpässen bei Vorprodukten und Rohstoffen muss man das Thema Preisaufschläge ernster als bislang nehmen“, warnt Marktbeobachter Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Sorgen um eine anziehende Inflation bei gleichzeitig nachlassendem Konjunkturaufschwung treiben die Investoren schon seit Tagen um.

Straffen die Notenbanken ihre Geldpolitik früher?

Die wieder aufgeflammten Inflationsängste setzen die Notenbanken unter Druck. "Es wird klarer, dass die Zentralbanken ihre Geldpolitik rascher straffen müssen als bislang erwartet", sagte Anlagestrategin Althea Spinozzi von der Saxo Bank. Bisher sieht die Europäische Zentralbank (EZB) die hohen Teuerungsraten nur als vorübergehendes Phänomen und erkennt keinen Handlungsbedarf. EZB-Chefin Christine Lagarde hatte gestern betont, es gebe keinen Grund anzunehmen, dass der Inflationsschub nicht vorübergehe.

Euro unter 1,16 Dollar

Die Spekulationen um eine baldige Straffung der Geldpolitik in den USA gaben indes dem Dollar Auftrieb. Der Euro rutschte am Donnerstag unter 1,16 US-Dollar auf den tiefsten Stand seit 14 Monaten. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,1576 Dollar. Es ist vor allem eine Dollarstärke, die auf dem Euro und anderen Währungen lastet. Wenn die Zinsen in den USA steigen würden, wäre die Anlage in Dollar attraktiver.

Die Ölpreise legen wieder zu. Am Dienstag war der Brent-Preis mit mehr als 80 Dollar auf einen dreijährigen Höchststand gestiegen.   

BMW hebt Prognose an

Gute Nachrichten kamen am Abend von BMW: Höhere Preise für Neu- und Gebrauchtwagen sowie aufgelöste Rückstellungen lassen den Münchner Autobauer zuversichtlicher auf das Gesamtjahr blicken. Das Unternehmen hob am Donnerstag nach Börsenschluss seine Prognose zum zweiten Mal in diesem Jahr an. Die operative Gewinnspanne soll nun bei 9,5 bis 10,5 Prozent liegen und damit am oberen Rand des Langfristziels von acht bis zehn Prozent. Bislang hatten sich die Münchner nur sieben bis neun Prozent zugetraut.

Traton-Chef muss gehen

Die Volkswagen-Nutzfahrzeugtochter Traton setzt ihren Vorstandsvorsitzenden und ihren Finanzchef vor die Tür. Matthias Gründler, der Mitte 2020 den Posten des damaligen Traton-Chefs Andreas Renschler übernommen hatte, werde das Unternehmen Ende September verlassen, teilte Traton nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Sein Nachfolger wird Scania-Chef Christian Levin. Dieser solle ab Oktober beide VW-Töchter gleichzeitig führen.

Im Sommer 2020 hatte sich Traton von Renschler getrennt, der 2019 das Unternehmen an die Börse geführt hatte. Traton holte damals Gründler zurück, der bis 2018 dort Finanzchef gewesen war. Traton-Finanzchef Christian Schulz geht ebenfalls zum 30. September, wie Traton mitteilte. Schulz hatte den Börsengang maßgeblich organisiert.

Hornbach auf Rekordhoch

Die Hornbach Holding hat ihre Zielmarke für das laufende Geschäftsjahr präzisiert. So soll das Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr im oberen Drittel der Prognose von ein bis fünf Prozent liegen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) für das laufende Geschäftsjahr soll ebenfalls im oberen Drittel des Korridors von 290 bis 326 Millionen Euro liegen. Damit wäre der Wert unter dem Rekordniveau des Vorjahres. Die Nachricht treibt die Aktie auf ein Rekordhoch bei 117 Euro.

Knaus Tabbert kassiert Prognose

Der Teilemangel verdirbt dem Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert das Geschäft. Das Unternehmen hat seine bisherigen Vorhersagen für Umsatzwachstum und Marge zurückgezogen und dies mit "zunehmender Materialknappheit entlang der Lieferkette" begründet. Bisher war das Unternehmen von einem starken Umsatzwachstum "im unteren Bereich von 20 bis 22 Prozent" ausgegangen. Eine neue Prognose für das laufende Geschäftsjahr gab Knaus Tabbert noch nicht.

H&M will Dividende zahlen

Die schwedische Bekleidungskette H&M will erstmals seit Beginn der Corona-Krise wieder eine Dividende ausschütten. Im November solle eine Dividende von 6,50 schwedischen Kronen (0,64 Euro) je Anteil ausgezahlt werden, teilte der Konzern mit. Der Vorschlag sei wegen einer deutlich gestiegenen Profitabilität, guten Marktbedingungen und einem positiven Ausblick möglich, hieß es zur Begründung. Seit dem Frühjahr 2019 hatte der Konzern nach eigenen Angaben keine Dividende mehr ausgeschüttet.

Eigene Cloud-Plattform für GM

Der US-Autokonzern General Motors setzt auf eine eigene Cloud-Plattform im Cockpit, um den Vorstoß von Google und Apple im Automarkt zu stoppen. Damit sollen unter anderem neue Funktionen per Software-Updates hinzugefügt werden, kündigte GM an. Erste Wagen mit der neuen Plattform namens Ultifi sollen 2023 auf den Markt kommen, sowohl mit Elektroantrieben als auch mit Verbrennungsmotoren.

Zu den späteren Funktionen könne das Starten des Autos per Gesichtserkennung gehören, erklärte GM. Oder die Möglichkeiten, in einigen Situationen die Fahrzeugeinstellungen für junge Fahrer anzupassen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. September 2021 um 09:00 Uhr.