Händlerin an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Kräftige Kursgewinne Mit Optimismus ins Wochenende

Stand: 15.10.2021 22:36 Uhr

Kommt jetzt doch noch ein goldener Oktober an den Börsen? Die Wall Street hat in der abgelaufenen Handelswoche kräftig zugelegt. Der DAX schaffte gar das größte Wochenplus seit März.

Die Anleger haben ihren Optimismus wieder gefunden und Störfaktoren wie die hohen Energiepreise, den Inflationsdruck und die Lieferkettenprobleme verdrängt. Milliardengewinne der US-Banken haben Hoffnungen auf eine starke US-Berichtssaison geschürt. Zudem vertrieb ein überraschendes Umsatzplus der US-Einzelhändler die jüngsten Konjunktursorgen.

Dow nähert sich wieder alten Rekorden

Die Aussicht auf steigende Firmengewinne trieb die Wall Street am Freitag weiter an. Der Dow Jones sprang um über ein Prozent auf fast 35.300 Punkte und näherte sich seinem Mitte August erreichten Rekordhoch von 35.631 Zählern. Auf Wochensicht erzielte der US-Standardwerteindex ein Plus von 1,6 Prozent. Der breiter gefasste S&P 500 stieg am Freitag um 0,75 Prozent. Die Techbörse Nasdaq legte um 0,6 Prozent zu.

Goldman Sachs scheffelt Milliardengewinne

Besonders Bankaktien waren gefragt. Die Titel von Goldman Sachs zogen um 3,8 Prozent an und führten den Dow an. "Das Bankensystem ist in hervorragender Verfassung, und es ist eine großartige Stütze für die Wirtschaft", sagte Josh Wein, Portfoliomanager bei Hennessy Mittel. Glänzende Geschäfte rund um Wertpapierhandel und Fusionen haben der US-Investmentbank Goldman Sachs im Sommer einen überraschend hohen Milliardengewinn beschert. Im dritten Quartal verdiente Goldman Sachs fast 5,4 Milliarden US-Dollar und damit 60 Prozent mehr als im Pandemie-Sommer ein Jahr zuvor.

Jetzt steuert die Bank auf ein Rekordjahr zu. Dank eines florierenden Handels mit Aktien und anderen Wertpapieren steht nach den ersten neun Monaten unter dem Strich bereits ein Gewinn von 17,7 Milliarden Dollar zu Buche. Das Geldhaus hat jetzt schon mehr eingenommen als in einem gesamten Jahr.

Hoffnung auf eine erfreuliche Berichtssaison

Der erfreuliche Start der US-Berichtssaison macht den Anlegern Hoffnung auf steigende Firmengewinne. Die Bilanzen der großen US-Banken und weiterer Unternehmen deuten darauf hin, dass die großen Konzerne trotz steigender Kosten weiterhin Gewinnwachstum erzielen könnten, sagte Marktstratege Neil Wilson von Markets.Com.

Positive Konjunktursignale vom US-Einzelhandel

Zur guten Stimmung trug auch bei, dass die US-Einzelhändler ihren Umsatz im September trotz Engpässen steigerten. Er wuchs um 0,7 Prozent zum Vormonat. Ökonomen hatten dagegen mit einem Rückgang von 0,2 Prozent gerechnet. Die Verbraucherstimmung lag vorläufigen Daten zufolge im Oktober hingegen leicht unter den Erwartungen. "Weihnachten wird der wirkliche Test für die Lieferkette sein", sagte Fondsmanager Josef Wein.

DAX steigt den dritten Tag in Folge

Im Sog der freundlichen Wall Street kletterte der DAX weiter nach oben. Der deutsche Leitindex schloss den dritten Tag hintereinander im Plus und lag nur noch knapp unter 15.600 Punkten. Händler sprachen von einer entspannten Stimmung am Markt. Auf Wochensicht schaffte der deutsche Leitindex ein Plus von 2,5 Prozent. Das ist die beste Börsenwoche seit sieben Monaten.

Ampel-Pläne geben Auftrieb

Für Erleichterung sorgte die Einigung in Deutschland für den Start von Verhandlungen zur Bildung einer Ampel-Koalition. Ökonomen und Analysten sehen in dem Sondierungspapier von SPD, Grünen und FDP gute Ansätze für Wirtschaftsreformen in Europas größter Volkswirtschaft. "Dass die Schuldenbremse bleibt, Steuererhöhungen ausgeschlossen und dennoch Investitionen für eine moderne, digitale und klimafreundliche Wirtschaft angestoßen werden, ist ein positives Signal der drei Parteien für Deutschlands Zukunft", meinte Marktbeobachter Jochen Stanzl von CMC Markets.

Bitcoin über 60.000 Dollar

Der Bitcoin knackte auf der Handelsplattform Bitstamp das erste Mal seit Mitte April wieder die Marke von 60.000 Dollar. Das Allzeithoch liegt bei knapp 65.000 Dollar. "Anleger sehen im digitalen Gold womöglich eine bessere Inflationsabsicherung als im physischen Gold", schreiben die Analysten der LBBW in einem Kommentar. Allein in diesem Monat hat Bitcoin rund 37 Prozent an Wert zugelegt. Gold kommt im selben Zeitraum auf ein Plus von bis zu 2,5 Prozent.

Derzeit sorgen vor allem Energiepreise, aber auch coronabedingte Nachholeffekte für anhaltenden Inflationsdruck. Treiber der jüngsten Bitcoin-Rally sind laut Analyst Timo Emden von Emden Research aber auch Spekulationen auf die Zulassung des ersten börsengehandelten Fonds auf Grundlage von Futures-Kontrakten in den USA. Die US-Börsenaufsicht SEC ist laut Bloomberg bereit, den Handel mit dem ersten US-Bitcoin-Futures-ETFs ab nächster Woche zu erlauben.

Ölpreis steigt und steigt

Die Ölpreise sind am Freitag weiter gestiegen. Heute kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent erstmals seit Oktober 2018 mehr 85 Dollar. Ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete über 82 Dollar.

Aufgrund der stark steigenden Preise für Gas und Kohle ist vorerst auch am Erdölmarkt keine Entspannung in Sicht. Da Erdöl begrenzt als Ersatz für andere Energieträger verwendet werden kann, greift die Energieknappheit zunehmend auf den Ölmarkt über. Gründe für die Preisrally sind Experten zufolge sowohl Engpässe auf der Angebotsseite als auch die konjunkturell bedingt steigende Nachfrage.

China: Milliardengeschäft mit US-Flüssigerdgas?

US-Gasexporteure könnten von der globalen Energiekrise profitieren: Große chinesische Unternehmen befinden sich Insidern zufolge in fortgeschrittenen Gesprächen mit US-Exporteuren über einen milliardenschweren Vertrag zur Lieferung von Flüssigerdgas (LNG). Mindestens fünf Konzerne verhandelten darüber, darunter die staatliche Sinopec und die China National Offshore Oil Company (CNOOC), sagten mehrere mit dem Sachverhalt vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Das Geschäft könnte sich auf einen Wert von Dutzenden Milliarden Dollar belaufen.

"Wir erwarten, dass noch vor Jahresende Verträge unterzeichnet werden", sagte einer der Beteiligten aus Peking. "US-Lieferungen sind jetzt attraktiv." Auf US-Seite werde hauptsächlich mit Cheniere Energy und Venture Global verhandelt. Sinopec allein könnte etwa Lieferungen über vier Millionen Tonnen jährlich ins Auge fassen, sagte einer der Insider. Die Unternehmen wollten sich auf Nachfrage zunächst nicht äußern.

EU-Neuwagenabsatz knickt ein

Die Chip-Krise lastet weiter auf dem Automarkt in Europa. Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen sei im September um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 718.598 Stück gesunken, teilte der europäische Herstellerverband ACEA mit. Das sei der niedrigste September-Wert seit 1995. Ursache sei vor allem der Mangel an Halbleitern.

Die größten Automärkte in der EU, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, verzeichneten allesamt im September prozentual zweistellige Rückgänge. Von Januar bis September zählte ACEA ein Plus von 6,6 Prozent auf 7,5 Millionen Fahrzeuge gegenüber dem von der Corona-Pandemie belasteten Vorjahreszeitraum.

Toyota kürzt Produktion

Der japanische Autoriese Toyota wird wegen des Chipmangels weiterhin weniger produzieren als ursprünglich geplant. Der Konzern geht nun für November von der Herstellung von 850.000 bis 900.000 Autos weltweit aus. Eigentlich hatten die Japaner für den Monat eine Produktion von einer Million Fahrzeugen eingeplant, auch um den Rückstand aus den vom Chipmangel belasteten Monaten September und Oktober etwas aufzuholen. An seinem derzeitigen Produktionsziel für das Geschäftsjahr 2021/22 (bis Ende März) mit neun Millionen Fahrzeugen will Toyota festhalten.

Hugo Boss hebt Prognose an

Der Modekonzern Hugo Boss blickt optimistischer auf das Gesamtjahr. Der Umsatz dürfte 2021 währungsbereinigt um 40 Prozent höher liegen als im Vorjahr. Zuvor war Hugo Boss von einem Anstieg um 30 bis 35 Prozent ausgegangen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll nun bei 175 bis 200 Millionen Euro liegen. 2020 hatte Hugo Boss 1,9 Milliarden Euro erlöst und beim Ebit ein Minus von 236 Millionen Euro erwirtschaftet. Im dritten Quartal erhöhte sich der Umsatz währungsbereinigt um 42 Prozent auf 755 Millionen Euro. Die Boss-Aktien stiegen um 1,1 Prozent.

Virgin verschiebt Start eines Raumfahrtdiensts

Die Aktien von Virgin Galactic brachen derweil um bis zu 20 Prozent ein. Das Weltraumflug-Unternehmen hat den für Mitte 2022 geplanten kommerziellen Start eines eigenen Raumfahrtdienstes um einen Monat verschoben. Das Unternehmen des Milliardärs Richard Branson verlor damit an der Börse rund ein Fünftel seiner Marktkapitalisierung.

Boeing hat schon wiederProbleme mit dem Dreamliner

Die Problemserie bei Boeings Pannenjet 787 "Dreamliner" reißt nicht ab. Ein Zulieferer habe mitgeteilt, dass einige 787-Bauteile nicht korrekt hergestellt worden seien, gab der Flugzeugbauer bekannt. Boeing räumte Mängel an Titan-Bauteilen des Jets ein, die Leonardo von MPS bezogen hat. Zugleich betonte Boeing, dass es nach bisherigen Erkenntnissen keine Sicherheitsbedenken bei den aktuell fliegenden Maschinen gebe. Man werde mögliche Nachbesserungen bei der 787-Flotte mit der US-Luftverkehrsaufsicht FAA abstimmen.

Der europäische Rivale Airbus gab für seine Maschinen Entwarnung. Zwar habe Airbus wie sein US-Konkurrent Produkte von dem italienischen Hersteller MPS bezogen, teilte ein Sprecher mit. Dabei handle es sich aber lediglich um Oberflächentechnik für Aluminium-Teile und nicht um Titan-Teile wie bei Boeing.

Probleme bei Rio Tinto

Die Anteilseigner von Rio Tinto mussten heute mit Kursverlusten leben, da der Bergbaukonzern bei mehreren Rohstoffen nun mit geringeren Fördermengen rechnet als bisher. Der Grund ist die verzögerte Inbetriebnahme von neuen Minen wegen Arbeitskräftemangel in Westaustralien. Schon Mitte Juli hatte Rio Tinto bestimmte zuvor prognostizierte Förder- und Auslieferungsmengen in Gefahr gesehen.

Über dieses Thema berichteten am 15. Oktober 2021 tagesschau24 um 09:00 Uhr und BR24 Börse um 22:13 Uhr.