Händler an der New Yorker Börse
Marktbericht

Verluste an der Wall Street Die Gewinnserie ist gerissen

Stand: 09.11.2021 22:13 Uhr

Im Vorfeld neuer Preisdaten haben sich die US-Anleger heute aus dem Markt zurückgezogen und Gewinne mitgenommen. Damit ist die Rekordserie an der New Yorker Börse erst einmal beendet.

Nach einer noch überwiegend freundlichen Eröffnung drehten die US-Börsen im Verlauf ins Minus und beendeten damit ihren jüngsten Rekordlauf. Alle großen Indizes gaben nach. Der Leitindex Dow Jones verlor am Ende 0,31 Prozent auf 36.319 Punkte, der marktbreite S&P-500-Index ging um 0,35 Prozent schwächer aus dem Handel bei 4685 Punkten. Auch die Technologiebörse Nasdaq gab um 0,6 Prozent auf 15.886 Zähler nach. Der Auswahlindex Nasdaq 100 fiel ebenfalls um 0,71 Prozent auf 16.219 Punkte.

Vor den zur Wochenmitte anstehenden US-Verbraucherpreisdaten nähmen die Anleger nun offenbar erst einmal Gewinne mit, erläuterte Analyst Michael Hewson von CMC Markets UK. Die Inflation ist schon seit längerer Zeit eines der Hauptthemen am Aktienmarkt, es wurde jedoch zuletzt von der erfreulich gelaufenen Berichtssaison in den Hintergrund gedrängt. Ungewöhnlich hoch fielen schon heute die Erzeugerpreise aus, die als Frühindikator für die Inflationsentwicklung gelten.

US-Erzeugerpreise deutlich höher

Konkret stiegen die Erzeugerpreise im Oktober in den USA um 8,6 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Arbeitsministerium heute mitteilte. Einen kräftigeren Zuwachs hat es seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2010 noch nicht gegeben. Vor allem Energiepreise, Engpässe bei Lieferketten und Corona-bedingte Nachholeffekte sorgen derzeit für anhaltenden Preisdruck.

"Die meisten Investoren realisieren inzwischen, dass die Inflation anzieht", sagte Robert Pavlik, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Dakota Wealth. "Sie steigt zwar nicht so stark wie ursprünglich befürchtet, aber sie steigt."

General Electric spaltet sich auf

Gegen den Trend zog die Aktie des Siemens-Rivalen General Electric um gut 2,6 Prozent an. Der Konzern will sein Medizintechnik-, Luftfahrt- und Energie-Geschäft in drei eigene Firmen aufspalten. Alle drei Firmen sollen demnach an der Börse gelistet sein. Der hoch verschuldete Konzern unternimmt damit eine neue Restrukturierung.

Euro meist unter 1,16 Dollar

Europas Gemeinschaftswährung hat heute mit der Marke von 1,16 Dollar gerungen. Im US-Handel wird er bei 1,1595 knapp darunter gestellt. Der Euro tendierte damit auch heute volatil und hat dabei im europäischen Handel des Öfteren das Vorzeichen gewechselt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1577 (Montag: 1,1579) US-Dollar fest.

DAX kann Rekordhoch nicht halten

Den zweiten Tag in Folge hat der deutsche Leitindex DAX heute ein Rekordhoch markiert. Bis auf 16.104 Punkte ist es in der Spitze bergauf gegangen, ehe dann im Gefolge einer abbröckelnden Wall Street Gewinnmitnahmen einsetzten. Am Ende schloss der Index bei 16.040 Punkten nahezu unverändert.

Auch der MDAX, der gestern gut gelaufen war, setzte seinen Anstieg zunächst fort, um dann zurückzufallen und ebenfalls nahezu unverändert abzuschließen. Insgesamt, so hat der heutige Tag gezeigt, bleiben Aktien bei den Anlegern gefragt, auch wenn die Dynamik etwas nachlässt. Was aber nach einer Rally von fast 1300 DAX-Punkten binnen Monatsfrist nichts Ungewöhnliches ist.

"Die bisherige Aktienrally ist beeindruckend", sagte Ankit Gheedia, Chef-Anlagestratege für Europa bei der Bank BNP Paribas. Die Hausse werde so lange anhalten, wie die Firmen ihre Gewinnmargen hoch halten können. Mittelfristig sei hier kein Rückgang in Sicht.

Schwache Exporte, starke Stimmung

Bei aller Euphorie sind fundamentale Bedenken aber nicht vom Tisch. Denn anhaltende Materialengpässe haben im September den zweiten Monat in Folge zu einem Rückgang der deutschen Exporte geführt, die um 0,7 Prozent zum Vormonat sanken. Ökonomen hatten mit einer Stagnation gerechnet.

Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen stieg dagegen überraschend an: Börsenprofis blicken im November überraschend wieder etwas optimistischer auf den Aufschwung in Deutschland. Das Barometer für die Einschätzung der Marktteilnehmer mit Blick auf die nächsten sechs Monate stieg nach fünf Rückgängen in Folge um 9,4 auf 31,7 Punkte.

Infineon-Chef: Nach der Knappheit kommt die Chip-Blase

Infineon-Chef Reinhard Ploss rechnet mit Entspannung in der Chipkrise ab der zweiten Jahreshälfte 2022. "Wir sind gut dran, wenn im dritten Quartal Autoproduktion und Chiplieferung in Balance kommen", sagte Ploss beim "Handelsblatt"-Autogipfel. Derzeit würden Kapazitäten in der Branche aufgebaut, das werde zu Überkapazitäten führen: "Wir werden eine Bubble haben, die wird verschwinden, und dann ist alles gut."

Zugleich zeigte er sich aber zuversichtlich, dass die höhere Nachfrage aus der Autobranche nachhaltig sei. Moderne Autos benötigten deutlich mehr Halbleiter als früher. Infineon erwirtschaftet etwa 40 Prozent seines Umsatzes mit Halbleitern für die Autobranche.

Bayer steigert Umsatz und Ergebnis

Der Bayer-Konzern hat sein Ergebnis im dritten Quartal überraschend deutlich gesteigert. Das Betriebsergebnis (Ebitda) vor Sondereinflüssen kletterte um mehr als 16 Prozent auf 2,089 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 9,78 Milliarden Euro, währungsbereinigt stand ein Plus von 14,3 Prozent zu Buche. Für 2021 erwartet Bayer unverändert einen Umsatz von etwa 43 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen bei einem Umsatz von 41,4 Milliarden Euro ein bereinigtes Ergebnis von 11,46 Milliarden Euro erzielt.

Greenpeace klagt gegen Volkswagen

Die beiden Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland haben gemeinsam mit einer Klima-Aktivistin Klage gegen Volkswagen wegen mangelnden Klimaschutzes beim Landgericht Braunschweig eingereicht. Die Kläger führen an, dass die gigantischen CO2-Emissionen des Wolfsburger Autokonzerns erheblich zur Klimakrise und deren Folgen beitrügen. Das Geschäftsmodell von VW sei nicht mit dem Ziel zu vereinbaren, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Gazprom füllt angeblich Speicher auf

Der russische Gaskonzern Gazprom füllt nach eigenen Angaben einige Gasspeicher in Europa auf. Zu insgesamt fünf unterirdischen Speichern werde Gas für November gepumpt, teilte Gazprom in Sozialen Medien mit. Die Mengen und Routen für den Transport stünden fest. Gas ist derzeit in Europa knapp und heiß begehrt. Die Preise sind im Zuge der Konjunkturerholung nach dem Höhepunkt der Coronakrise in die Höhe geschossen.

Vor rund zwei Wochen hatte Russlands Präsident Wladimir Putin unter dem Druck steigender Preise und schlecht gefüllter Speicher den staatlichen Gasriesen Gazprom angewiesen, die Reserven in Deutschland und Österreich aufzufüllen.

Milliardengewinn für Biontech

Der Corona-Impfstoffhersteller Biontech hat im dritten Quartal einen Nettogewinn von rund 3,2 Milliarden Euro erwirtschaftet. Damit stieg der Gewinn in den ersten neun Monaten auf gut 7,1 Milliarden Euro, wie das Mainzer Unternehmen heute mitteilte. Vor einem Jahr waren noch Verluste von rund 210 Millionen beziehungsweise 352 Millionen Euro angefallen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. November 2021 um 09:00 Uhr.