Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Vor der Berichtssaison US-Anleger tief verunsichert

Stand: 12.10.2021 22:25 Uhr

Was bringt die morgen beginnende Berichtssaison der Unternehmen in den USA? Die Zahlenflut wird von den erfolgsverwöhnten Anlegern mit gemischten Gefühlen erwartet. Die Märkte gaben leicht nach.

An der New Yorker Aktienbörse haben die führenden Aktienindizes im Vorfeld der morgen beginnenden Berichtssaison der Unternehmen lange Zeit keine klare Richtung gefunden, ehe sie im späten Geschäft noch leicht nachgaben. Die führenden Aktienindizes bewegten sich dabei fast den ganzen Tag um ihre Schlusskurse. Der Leitindex Dow Jones schloss am Ende 0,34 Prozent leichter bei 34.378 Punkten.

Auch an der Technologiebörse Nasdaq tat sich nicht viel, der Composite-Index ging bei 14.465 Zählern um 0,14 Prozent niedriger aus dem Handel. Der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor mit 0,35 Prozent auf 14.662 Punkte etwas mehr und der marktbreite S&P-500-Index beendete den Tag bei 4350 Punkten um 0,24 Prozent schwächer.

So mancher Anleger geht in Anbetracht steigender Inflationsrisken wegen der explodierenden Energiepreise sowie dem gleichzeitig drohenden Wechsel des Zinsregimes der Notenbank Federal Reserve (Fed) wohl mit einem mulmigen Gefühl in die kommenden Handelstage.

"Angesichts aller Schwierigkeiten, mit denen Unternehmen zu kämpfen haben, besteht in diesem Quartal die Chance für mehr negative Überraschungen als in den Vorquartalen", sagte Tom Martin, Senior Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Globalt Investments. Analysten erwarten zwar, dass die Unternehmensgewinne der S&P 500 Unternehmen im Schnitt um fast ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigen. Mit Spannung werden dieses Quartal aber Aussagen zu Prognosen für das Gesamtjahr und darüber hinaus erwartet.

In dieser Woche legen in den USA die Banken JPMorgan, Bank of America, Morgan Stanley, Citigroup und Goldman Sachs ihre Bilanzen vor und läuten damit die Saison ein. Banken gehören allerdings in einem Umfeld steigender Zinsen sogar zu den Gewinnern, denn höhere Raten erhöhen ihre Zinsmargen. Die Ausblicke könnten also je nach Branche differenziert ausfallen. Zuletzt hatten die Kunden nach dem Abflauen der Corona-Ängste jedenfalls wieder verstärkt konsumiert - das könnte sich idealerweise schon in den Kreditbüchern der Banken niedergeschlagen haben.

Fed-Protokolle und neue Inflationsdaten auf der Agenda

Morgen werden in den USA mit Spannung auch die Verbraucherpreise aus dem September erwartet. Weiter deutlich anziehende Raten könnten die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) dazu zwingen, die Leitzinsen zwecks Inflationsbekämpfung anzuziehen. Die Währungshüter zögern aber noch mit einer restriktiveren Gangart, denn der wichtige Arbeitsmarkt erholt sich in den USA eher schleppend und hat das Vor-Corona-Niveau noch nicht wieder erreicht.

Immer mehr US-Notenbanker forderten zuletzt trotzdem ein Ende der ultralockeren Geldpolitik, insbesondere der milliardenschweren Anleihekäufe der Fed. Auch am Markt wird mehrheitlich damit gerechnet, allerdings ist der Zeitpunkt noch unklar. Das Fed-Protokoll der letzten FOMC-Sitzung, im Fachjargon "Minutes" genannt, könnte hier für mehr Klarheit über den Diskussionsstand im maßgeblichen Zinsgremium sorgen. Es wird morgen ab 20:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit veröffentlicht.

Derzeit wird die hohe Inflation von der Fed zumindest toleriert und nur als temporäres Phänomen gesehen. Auch die EZB, im Zinszyklus weit zurück, hängt dieser offiziellen Lesart für die Eurozone an. Die Märkte ziehen diese These aber zunehmend in Zweifel, was die Nervosität der Anleger immer wieder befeuert. "Die Märkte hatten die Botschaft, dass die Inflation vorübergehend sei, geglaubt und stellen sie nun infrage", sagte Sarah Hewin, Ökonomin bei Standard Chartered.

Der DAX ist heute mit moderaten Verlusten aus dem Handel gegangen. Zwar holte der Index größere Abschläge im Verlauf wieder auf, es fehlen aber derzeit die Impulse, um darüber hinaus weiter anzusteigen. Am Ende des Tages schloss der deutsche Leitindex bei 15.146 Punkten um 0,34 Prozent etwas leichter. Das Tagestief lag am Vormittag bei 15.012 Punkten, das Tageshoch bei 15.174 Punkten.

"Die steigende Inflation, anziehende Renditen an den Anleihemärkten und die zunehmende Angst vor einer Konjunkturabkühlung setzen den weltweiten Aktienmärkten gehörig zu", kommentiert Christian Henke, Marktbeobachter bei IG Markets. Zudem hielten sich die Anleger in Anbetracht der ab morgen beginnenden US-Berichtssaison zurück, auch werden in den USA am Mittwoch neue Inflationsdaten erwartet.

Unter den Einzeltiteln im DAX gingen Gewinne und Verluste heute quer durch alle Branchen. Gefragt waren Siemens Energy, die allerdings zuvor schlecht gelaufen waren. Ganz im Gegensatz zum Papier des Darmstädter Pharma-, Chemie und Life-Science-Konzerns Merck KGaA, das schon länger zu den Börsenlieblingen gehört und auch heute wieder zulegte. Am Ende stand der Triebwerksbauer MTU Aero, auch die schwer gewichtete T-Aktie verlor zwei Prozent. Die meisten der 40 Indexaktien gaben nach.

Besonders im Blick der Investoren weltweit bleiben die auf hohem Niveau stehenden Ölpreise. Die steigenden Rohstoff- und Energiepreise gelten derzeit als der Haupttreiber für die anziehenden Inflationsraten.

Der Preis für die Sorte Brent ermäßigte sich heute zwar leicht, bleibt aber nahe 84 Dollar je Barrel und damit in Sichtweite zu einem Drei-Jahres-Hoch. Die US-Sorte WTI gab ebenfalls leicht nach, steht aber bei Niveaus um 80 Dollar ebenfalls nahe mehrjähriger Höchststände.

Getrieben werden die Rohölpreise durch die derzeitige Energieknappheit. Diese lässt vor allem die Preise von Gas und Kohle steigen. Die Preise von Erdöl als mögliche Ersatzenergiequelle werden dadurch mit nach oben gezogen. Zudem macht das Ölkartell Opec+ keine Anstalten, das Angebot auszuweiten, was bei hoher Nachfrage zu einer Knappheit auf der Angebotsseite führt.

Großhandelspreise ziehen stark an

Apropos Inflation: Neue Konjunkturdaten nähren heute die Inflationssorgen. Im September kletterten die Großhandelspreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 13,2 Prozent. Das war der stärkste Anstieg seit der ersten Ölkrise im Jahr 1974. Im August 2021 hatte der Anstieg 12,3 Prozent und im Juli 11,3 Prozent betragen. Diese Daten signalisieren eine weitere Beschleunigung des hohen Preisauftriebs in Deutschland.

Auch der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen der Börsianer enttäuschte. Börsenprofis haben ihre Erwartungen an den Konjunkturaufschwung in Deutschland im Oktober den fünften Monat in Folge heruntergeschraubt. "Der konjunkturelle Ausblick für die deutsche Wirtschaft hat sich spürbar eingetrübt", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach.

Die ZEW-Daten hatten zunächst keinen größeren Einfluss auf den Devisenmarkt. Der Euro ist aber trotzdem im Verlauf zurückgefallen und notierte zwischenzeitlich bei 1,1525 auf einem neuen 15-Monats-Tief. Am Abend handelte der Euro im US-Handel bei 1,1532 Dollar nur knapp darüber. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1555 (Montag: 1,1574) US-Dollar fest. Am Nachmittag gab es aus den USA keine marktbewegenden Konjunkturdaten

Fed-Banker machen Druck

Äußerungen von US-Notenbanker Raphael Bostic halfen dem Dollar. Denn Bostic, wie zuletzt auch einige seiner Kollegen, sieht die Zeit gekommen für eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik. Das hat auch Auswirkungen auf den Devisenmarkt.

Am Jobmarkt seien genügend Zuwächse erzielt worden, um es den Währungshütern zu ermöglichen, den monatlichen Ankauf von Anleihen zu reduzieren, sagte der Chef des Fed-Ablegers in Atlanta der "Financial Times" am Dienstag. Eine solche sukzessive Reduzierung wird in Fachkreisen auch Tapering genannt, ein Begriff, der schon länger drohend über den Märkten schwebt. Die Federal Reserve (Fed) kauft derzeit monatlich Anleihen im Volumen von 120 Milliarden Dollar am Markt, um die Wirtschaft nach der Corona-Krise zu stützen.

Fed-Vize Richard Clarida, dem unlautere Handelsgeschäfte vorgeworfen werden, äußerte sich ähnlich. Das von Fed-Chef Jerome Powell im September in Aussicht gestellte mögliche Tapering könne bald gerechtfertigt sein und werde wahrscheinlich bis Mitte des nächsten Jahres beendet sein können, sagte Clarida laut Redetext bei einer Veranstaltung des Institute of International Finance. Die von Powell gewünschten substanziellen Fortschritte im Hinblick auf Preisstabilität und Arbeitsmarktdaten sei erfüllt.

IWF bleibt zuversichtlich

Trotz akuter Engpässen bei wichtigen Produkten wie Halbleitern rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) weiter mit einer kräftigen Erholung der Weltwirtschaft von der Corona-Krise. Das globale Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr um 5,9 Prozent wachsen, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Ausblick, mit dem die IWF-Herbsttagung eingeläutet wurde. Im Juli waren die IWF-Ökonomen mit 6,0 Prozent noch einen Tick optimistischer. Für 2022 rechnen sie weiter mit einem Wachstum von 4,9 Prozent.

Für Deutschland gehen die Experten von Zuwächsen von 3,1 und 4,6 Prozent aus. Damit wurde die Prognose für dieses Jahr um 0,5 Punkte gesenkt, für 2022 aber um diese Größenordnung erhöht. Die Erholung verschiebt sich also stärker in das nächste Jahr

Aus China kommen derweil weitere Nachrichten, die den Aktienmarkt beunruhigen: Der wankende Immobilienriese China Evergrande ist seinen Anleihegläubigern erneut fällige Zinszahlungen schuldig geblieben. Damit verstärkte der Krisenkonzern erneut die Sorge vor einem Flächenbrand am Immobiliensektor, da in nächster Zeit eine Reihe von Zahlungsverpflichtungen fällig werden.

Im Zuge der Liquiditätsengpässe in dem Sektor sind in der Volksrepublik bereits weitere Immobilienfirmen in Schwierigkeiten geraten. Zuletzt bemühten sich die kleineren Bauträger Modern Land und Sinic Holdings darum, Fristen für Zinszahlungen verschieben zu können. Auch der Rivale Fantasia Holdings ließ bereits eine Frist für Zinszahlungen verstreichen.

Der chinesische Automarkt hat auch im September einen herben Dämpfer erlitten. Die Auslieferungen von Pkw an die Kunden sackten gegenüber dem Vorjahresmonat um 17,3 Prozent auf 1,61 Millionen Fahrzeuge ab, wie der Branchenverband PCA (China Passenger Car Association) mitteilte. Seit einigen Monaten hakt es nach der Erholung von der Corona-Pandemie im wichtigsten Automarkt der Welt wieder, weil es unter anderem wegen Lockdowns in einigen asiatischen Ländern an Elektronikchips fehlt.

Bei Autos mit alternativen Antrieben legten die Verkäufe derweil im September mit 334.000 Wagen auf das Dreifache zu. China ist für die deutschen Autokonzerne Volkswagen, Daimler und BMW der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt. Volkswagen ist als Marktführer im Massenmarkt des Landes besonders von dem Produktionseinbruch betroffen, zuletzt ließen aber auch Daimler und BMW im Premiumsegment Federn.

Versicherer wie die Allianz halten sich bei Cyber-Policen angesichts rasant steigender Angriffe auf die Netzwerke von Unternehmen immer stärker zurück. Die Zahl der Schadenfälle bei der Allianz-Großkunden-Tochter AGCS habe sich innerhalb von vier Jahren auf 1114 vervierzehnfacht, erklärten die Münchener heute.

Die Allianz, die sich immer noch als Marktführer sieht, habe die Kapazitäten entsprechend heruntergefahren, die Preise seit 2019 im Durchschnitt um 30 Prozent erhöht und tue sich oft mit anderen Versicherern zusammen. Cyber-Versicherungen, die seit zehn Jahren auf dem Markt sind, galten lange als großes Wachstumsfeld für die Assekuranz. Doch sind sie bisher für viele Anbieter ein schlechtes Geschäft. Für einzelne Schadenfälle gebe die Allianz inzwischen bis zu 80 Millionen Euro aus, sagte Jens Krickhahn, der für das Cyber-Geschäft in Zentral- und Osteuropa zuständig ist.

Der Baustoffkonzern HeidelbergCement will wegen des Kostenanstiegs aufgrund des Preissprungs beim Strom die Verkaufspreise erhöhen. "Eine derartige Kostenexplosion ist einmalig. Wir sind gezwungen, kurzfristig die Preise deutlich anzuheben", sagte ein Sprecher von HeidelCement am Dienstag. Normalerweise werden die Preise für die energieintensiven Baustoffe nur in größeren Zeitabständen angepasst. Eingeschränkt werde die Produktion deshalb nicht, denn trotz der schon länger steigenden Materialpreise sei die Baukonjunktur weiterhin robust, auch dank öffentlicher Infrastrukturprogramme, ergänzte der Sprecher des DAX-Konzerns.

Auch DAX-Mitglied Eon zieht die Reißleine wegen der Preisexplosion beim Gas und stoppt vorerst das Neukundengeschäft für Privatkunden. "Leider können wir Ihnen derzeit keine Erdgas-Produkte anbieten", teilte der Versorger auf seiner Internetseite am Dienstag mit. Bestandskunden seien nicht betroffen, erklärte der Konzern auf Nachfrage.

Die Großhandels-Gaspreise sind in den vergangenen Monaten auf Rekordstände geklettert. Die Gaskosten für einen Haushalt in Deutschland mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden liegen nach Angaben des Vergleichportals verivox.de im Oktober 2021 bei durchschnittlich 1.402 Euro pro Jahr - ein Plus von rund 28 Prozent binnen eines Jahres.

Der Flugzeugbauer Airbus hat im September 40 Maschinen an seine Kunden übergeben und damit genauso viele wie im August. Nach den ersten neun Monaten des Jahres summieren sich die Auslieferungen damit auf 424 Verkehrsflugzeuge, wie der DAX-Konzern am Montagabend in Toulouse mitteilte. Für das Gesamtjahr hat sich Airbus-Chef Guillaume Faury etwa 600 Stück zum Ziel gesetzt. Um das Ziel punktgenau zu erreichen, muss der Hersteller im vierten Quartal noch 176 Flugzeuge ausliefern.

Eine anhaltend hohe Nachfrage nach Produkten wie Glasampullen, Spritzen und pharmazeutischen Kunststoffverpackungen sorgt beim Spezialverpackungshersteller Gerresheimer weiterhin für Rückenwind. Hohe Kosten belasten indes die Gewinnmargen. Der Umsatz stieg im dritten Geschäftsquartal im Jahresvergleich um 9,4 Prozent auf 382 Millionen Euro.

Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) ging um 0,2 Prozent auf 74,8 Millionen Euro zurück. Als Grund nannte das Management gestiegene Kosten für Rohstoffe wie Kunststoffgranulat, Strom und Gas.

Die Lufthansa hat nach ihrer Kapitalerhöhung wie geplant einen Teil der milliardenschweren Staatshilfen Deutschlands zurückgezahlt. Dies betreffe den beanspruchten Teil der ersten Stillen Einlage des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Bis Jahresende will die Lufthansa auch die zweite Stille Einlage über eine Milliarde Euro zurückzahlen und den nicht genutzten Teil der ersten Einlage kündigen.

Der IT-Dienstleister Cancom will gut neun Prozent seiner Aktien vom Markt zurückkaufen. Geplant sei der Erwerb von bis zu gut 3,5 Millionen Papieren, teilte das im MDAX gelistete Unternehmen mit. Dies entspreche bis zu 9,1 Prozent des derzeitigen Grundkapitals. Der Rückkauf soll spätestens am 19. Oktober 2022 abgeschlossen ein.

Gemessen am Xetra-Schlusskurs vom Montag in Höhe von 49,57 Euro hätten die Papiere einen Gesamtwert von mehr als 170 Millionen Euro. Cancom kann die zurückgekauften Aktien den Angaben zufolge einziehen oder zu anderen Zwecken verwenden.

Die stark gestiegenen Strompreise machen nun auch der energieintensiven Stahlbranche zu schaffen. Beim zweitgrößten deutschen Stahlkonzern Salzgitter seien am Standort Peine Auswirkungen auf die Produktion denkbar, sagte ein Sprecher am Dienstag auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters. Der Standort Peine ist besonders stromintensiv, da dort Stahlschrott mittels Elektrolichtbogenöfen eingeschmolzen und damit recycelt wird.

Die Stahlindustrie schlägt wegen der stark gestiegenen Energiepreise insgesamt Alarm. "Wir blicken mit großer Sorge auf die steigenden Energiekosten, mit denen auch die Stahlindustrie in Deutschland konfrontiert ist", sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. Die Stahlbranche spürt seit Jahren den Druck von Konkurrenten aus Fernost, die geringere Umweltauflagen erfüllen müssen. Zudem steht die Schwerindustrie in Europa vor dem größten Umbau ihrer Geschichte, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen.

Die Biotech-Firma CureVac zieht bei ihrem ersten Corona-Impfstoff die Reißleine und will die Entwicklung eines neuen Vakzins auf Basis der mRNA-Technologie vorantreiben. Der Covid-19-Impfstoffkandidat der ersten Generation, CVnCoV, werde aus dem laufenden Zulassungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zurückgezogen, erklärte das Tübinger Unternehmen am Dienstag. CureVac werde sich nun auf einen Impfstoff der zweiten Generation konzentrieren, der zusammen mit dem britischen Konzern GlaxoSmithKline entwickelt werde.

CVnCoV hatte in der entscheidenden klinischen Studie nur eine Wirksamkeit von insgesamt 48 Prozent gezeigt - weitaus weniger als die inzwischen zugelassenen Mittel von Biontech/Pfizer oder Moderna. Das verbesserte Vakzin der zweiten Generation entwickelt CureVac anders als das ursprüngliche nicht alleine, sondern gemeinsam mit GlaxoSmithKline. In einer präklinischen Studie habe dieses Vakzin eine verbesserte Immunantwort und eine höhere Schutzwirkung gezeigt. Die CureVac-Aktie Aktie gab deutlich nach.

Der französische Luxusgüterkonzern LVMH hat sich im Sommer weiter von den Einschlägen der Corona-Krise erholt. Auf vergleichbarer Basis und bereinigt um Währungskurse lag der Umsatz im dritten Quartal mit 15,5 Milliarden Euro rund elf Prozent höher als vor der Pandemie zwei Jahre zuvor, wie das Unternehmen mit Marken wie Moët Hennessy und Louis Vuitton am Dienstagabend in Paris mitteilte. Im Vergleich zum pandemiegeprägten Sommer 2020 belief sich der Zuwachs auf 20 Prozent. Besonders stark legten die Einnahmen des EuroStoxx-50-Schwergewichts LVMH im Geschäft mit Mode und Lederwaren zu. Das Management rechnet nun mit einer Fortsetzung des jüngsten Wachstumstrends.

Givaudan im Aufwind

Auch der Schweizer Duft- und Aromenhersteller Givaudan hat den Umsatz in den ersten neun Monaten um 5,8 Prozent auf 5,07 Milliarden Franken gesteigert. Auf vergleichbarer Basis, also währungs- und akquisitionsbereinigt, betrug das Plus 7,7 Prozent. Profitiert hat der Weltmarktführer unter anderem von der Erholung im Bereich Luxusparfüms, das Segment wuchs um 28,6 Prozent. Am Ziel eines jährlichen Umsatzwachstums von vier bis fünf Prozent auf vergleichbarer Basis hält Givaudan fest. Gewinnzahlen veröffentlicht der Symrise-Rivale nur zum Halbjahr und am Ende des Jahres.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Oktober 2021 um 09:00 Uhr.