Börsenhändler in Frankfurt | picture alliance / Photoshot
Marktbericht

Kurse auf Achterbahnfahrt Frostige Woche an den Börsen

Stand: 04.02.2022 22:15 Uhr

Am Eröffnungstag der Olympischen Spiele präsentierte sich nur die Börse in Hongkong in Hochform. Der DAX machte erneut schlapp und beendete die Woche im Minus. Besser schlug sich die Wall Street.

Die zu Beginn der Woche noch gute Stimmung an den internationalen Aktienmärkten hat sich spürbar abgekühlt. Die Zinssorgen haben die Anleger wieder eingeholt. Die überraschend guten Arbeitsmarktdaten aus den USA haben die Wahrscheinlichkeit von noch schnelleren Zinsschritten erhöht. Und auch aus Europa kommen nun erste Signale für eine mögliche Zinswende.

Negative Wochenbilanz im DAX

Das traf den deutschen Leitindex besonders hart: Der DAX rutschte heute um 1,7 Prozent ab und konnte sich nur knapp über 15.100 Punkten halten. Auf Wochensicht gab das Börsenbarometer um 1,4 Prozent nach. Dabei hatte es noch zu Beginn der Woche sehr freundlich ausgesehen. Der DAX kletterte bis auf über 15.600 Zähler. Erschreckend schwache Zahlen von Facebook und die Aussagen der Europäischen Zentralbank (EZB) aber stoppten die Kurserholung und schickten ihn auf Talfahrt.

US-Jobdaten machen Zinserhöhungen wahrscheinlicher

Als Belastung erwiesen sich zudem die die starken Jobdaten aus den USA. Der Stellenaufbau und der Lohnzuwachs in den Vereinigten Staaten fielen höher aus als erwartet. Der Arbeitsmarkt-Bericht sei eine zusätzliche Legitimation für die US-Notenbank, die Zinsen im März zu erhöhen, meinte Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners. Zinsanhebungen sind Gift für die Börsen. Mit höheren Zinsen verliert die Aktienanlage an Attraktivität.

Insgesamt wurden im Januar 467.000 Stellen (außerhalb der Landwirtschaft) geschaffen. Experten hatten nur mit 125.000 Jobs gerechnet. "Der Beschäftigungsbericht hat die Märkte wirklich verblüfft", sagte Edward Moya, Senior Market Analyst beim Broker Oanda. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,7 Prozent. Das ist der stärkste Zuwachs seit Mitte 2020. Das "hat das Thema angeheizt, dass alles nur zu mehr Inflation führt", meint Experte Moya.

Wall Street im Zwiespalt

Die Wall-Street-Anleger zeigten sich hin- und hergerissen nach den US-Daten. Einerseits linderte der überraschend starker Stellenaufbau am Arbeitsmarkt die Konjunktursorgen, andererseits gingen die Investoren deswegen aber auch von rascheren und größeren Zinsschritten der US-Notenbank aus. Der Dow Jones trat auf der Stelle. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 0,5 Prozent vor.

Amazon beflügelt Tech-Werte

Gut erholt zeigte sich der technologielastige Nasdaq 100 nach seinem gestrigen Kursrutsch. Er legte um 1,3 Prozent zu - dank Amazon. Der weltgrößte Online-Händler beruhigte mit seiner Bilanz die Nerven der Anleger, nachdem der Schock über die Zahlen der Facebook-Mutter Meta am Donnerstag den Börsen weltweit zu schaffen gemacht hatte.

Kommt ein großer Zinsschritt?

Für die voraussichtlich Mitte März anstehende Zinswende in den USA wird nunmehr die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um einen halben Prozentpunkt auf 34 Prozent taxiert. Vor den Arbeitsmarktdaten waren es nur 18 Prozent. Da auch die Lohnentwicklung weiterhin "steil nach oben gerichtet" ist, wird es aus Sicht von LBBW-Ökonom Dirk Chlench immer wahrscheinlicher, dass es zu einem solchen Paukenschlag der Fed im März kommen wird.

Europas Zinswende rückt ebenfalls näher

Auch in Europa könnten früher als erwartet die Leitzinsen steigen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte gestern erstmals nicht mehr explizit ausgeschlossen, noch in diesem Jahr an der Zinsschraube zu drehen.

Starke Kursgewinne in Hongkong

Passend zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Peking zeigte sich der Aktienmarkt in Hongkong in Hochform. Der Hang-Seng-Index stieg nach der Feiertagspause um 3,3 Prozent.

Brent-Preis von bis zu 120 Dollar?

Die steigenden Ölpreise bleiben derweil ein Risikofaktor für die Märkte, schüren sie doch die Inflationserwartungen und damit die Zinssorgen der Anleger. Zum Wochenschluss steigt der Preis für US-Öl der Sorte WTI auf den höchsten Stand seit sieben Jahren. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete über 93 Dollar.

Ein weiterer Kurssprung auf 120 US-Dollar ist laut DZ-Bank-Analyst Gabor Vogel kurzfristig möglich, sollte sich der Russland-Ukraine-Konflikt weiter verschärfen. "Die politische Unsicherheit belastet die Fördermenge des zweitgrößten Ölproduzenten der Erde und wirkt sich so auf den Weltmarkt aus."

Euro-Höhenflug gestoppt

Die amerikanischen Jobdaten und die dadurch immer wahrscheinlicher werdende kräftige Zinserhöhung im März gaben dem US-Dollar Auftrieb: der Dollar-Index drehte ins Plus und stieg um 0,3 Prozent auf 95,623 Punkte. Daraufhin verbilligte sich der Euro auf 1,1430 Dollar. Am Donnerstag hatte er mit einem Plus von 1,2 Prozent den größten Tagesgewinn seit zwei Jahren verbucht, da Anleger in Europa ebenfalls mit steigenden Zinsen rechnen.

Amazon-Zahlen sorgen für gute Laune

Der weltgrößte Online-Händler Amazon hat dank eines Sondererlöses im Weihnachtsquartal glänzend verdient. Der Überschuss fiel mit 14,3 Milliarden Dollar fast doppelt so hoch aus wie vor einem Jahr. Anleger reagierten begeistert, Amazon-Aktien legten rund 15 Prozent zu.

Thyssenkrupp macht Hoffnung auf bessere Zeiten

Auf der Hauptversammlung von Thyssenkrupp hat Chefin Martina Merz den Eigentümern des Industrie- und Stahlkonzerns ein gewinnträchtiges Wachstum in Aussicht gestellt. Thyssenkrupp befinde sich zwar weiter im Umbau. "Aber unser Ziel, wieder ganz oben mitzuspielen, das rückt in greifbare Nähe", sagte Merz. Gleichzeitig räumte sie ein: "Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen und hinmüssen. Aber wir kommen aus der Kurve." Merz betonte, dass weiter eine Verselbstständigung des Stahlgeschäfts geprüft werde.

Talanx schafft überraschend ersten Milliardengewinn

Der Versicherungskonzern Talanx (HDI) hat ein Jahr früher als geplant seinen ersten Milliardengewinn erzielt. Der Überschuss von 2021 liege nach vorläufigen Zahlen bei 1,01 Milliarden Euro, teilte der Mehrheitseigner des Rückversicherers Hannover Rück mit. Damit übertraf der Konzern sowohl die Erwartungen von Analysten als auch sein eigenes Ziel.

Volvo Cars und Northvolt bauen Batteriefabrik in Göteborg

Der Autobauer Volvo Cars und der schwedische Batteriehersteller Northvolt wollen die Fabrik für ihr Joint Venture in Göteborg, Westschweden, errichten. Die Fabrik soll 3000 Jobs schaffen und Batteriezellen herstellen, die speziell für die nächste Generation der reinen Elektroautos von Volvo und Polestar entwickelt wurden. An Northvolt ist der Volkswagen-Konzern zu einem Fünftel beteiligt, auch BMW hält einen kleinen Anteil.

Rückschlag für Evotec

Wegen des Entwicklungsstopps für ein Medikament von Bayer brachen die Aktien von Evotec um rund 16 Prozent ein. Bayer und Evotec kooperierten bei der Entwicklung des Wirkstoffs, laut Mitteilung sieht der Partner nach der Auswertung von Studiendaten aber kein ausreichend hohes Nutzen-Risiko-Verhältnis mehr für den Medikamentenkandidaten gegen chronischen Husten. Evotec erhält nun die Rechte zurück und will "alle Optionen" in Betracht ziehen.

Aareal-Übernahme geplatzt

Die Übernahme der Aareal Bank durch die Finanzinvestoren Advent und Centerbridge ist gescheitert. Die Mindestannahmeschwelle von 60 Prozent sei nicht erreicht worden, teilte ihre Zweckgesellschaft Atlantic BidCo heute nach Xetra-Handelschluss mit. Daher sei das Angebot erloschen und werde rückabgewickelt. Im späten Handel sackte die Aktie der Aareal Bank um neun Prozent ab.

Sanofi wächst dank Neurodermitis-Mittel

Der Pharmakonzern Sanofi hat dank seines Neurodermitis-Mittels Dupixent seine Erlöse im vergangenen Jahr steigern können. Der Konzernumsatz zog um knapp fünf Prozent auf 37,8 Milliarden Euro an. Der Überschuss brach im Vergleich zum Vorjahr um fast die Hälfte auf rund 6,2 Milliarden Euro ein; allerdings hatte Sanofi im Vorjahr noch von einem milliardenschweren Anteilsverkauf profitiert.

Snapchat-Zahlen beruhigen Anleger nach Facebook-Absturz

Die Macher der Foto-App Snapchat haben mit frischen Geschäftszahlen skeptische Anleger überzeugen können. Im Sog des Facebook-Kursabsturzes war die Snap-Aktie gestern um mehr als 23 Prozent eingebrochen. Doch als Snap nach US-Börsenschluss eigene Zahlen vorlegte, drehte die Stimmung. Der Kurs sprang im nachbörslichen Handel binnen Minuten um über 47 Prozent hoch.

Macht Lockheed Martin das Kampfjet-Rennen?

Deutschland tendiert nach Angaben eines Vertreters aus Verteidigungskreisen zum Kauf des US-Kampfjets F-35 von Lockheed Martin, um den alternden Tornado-Jet zu ersetzen. Unter der Großen Koalition hatte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer noch die F-18 von Boeing als Nachfolger favorisiert.

Ford kann trotz Gewinnsprung an der Börse nicht punkten

Der US-Autobauer Ford hat 2021 durch den Börsengang des Elektroautobauers Rivian von einem milliardenschweren Buchgewinn seiner Beteiligung profitiert und einen Reingewinn von 17,9 Milliarden Dollar eingefahren. Bei den Anlegern konnte er damit dennoch nicht punkten, weil das Schlussquartal 2021 wegen Lieferengpässen schlechter als von Analysten erwartet ausgefallen war.

Über dieses Thema berichteten am 04. Februar 2022 die tagesschau um 17:00 Uhr, 12:00 Uhr und tagesschau24 um 12:00 Uhr.