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Marktbericht

Anleger gehen wieder auf Rekordjagd Februar-Hoch an den Börsen

Stand: 04.02.2021 22:27 Uhr

US-Präsident Joe Biden drängt darauf, dass sein geplantes großes Corona-Hilfspaket bald durch den Kongress kommt. Das freut die Wall Street. Der Dow Jones stieg den vierten Tag in Folge - und riss den DAX mit.

Wiederholt sich die Geschichte? Vor einem Jahr gab es im Februar neue Höchststände an den Börsen, bevor die Corona-Pandemie für einen heftigen Kurseinbruch sorgte. Auch in diesem Jahr hat der Februar prächtig begonnen. Seit Monatsbeginn hat der Dow Jones über 1.000 Punkte gewonnen. Am Donnerstag kletterte er über die Marke von 31.000 Zählern und lag nur noch knapp unter dem im Januar erreichten Rekordhoch. Der breiter gefasste S& P 500 und der Nasdaq Composite schafften bereits neue Bestmarken.

Biden macht Druck bei Coronahilfen

Die Anleger setzen weiter auf ein milliardenschweres Corona-Hilfspaket, über das US-Präsident Biden mit den Republikanern derzeit verhandelt. Der Demokrat macht Tempo. Um die notwendige Zustimmung der Opposition im Kongress zu erhalten, bietet Biden an, die Bezugsgruppe für Schecks in Höhe von je 1400 Dollar einzugrenzen. Bei der Höhe der Auszahlungssumme lässt er aber nicht mit sich reden. Notfalls werde der US-Präsident die Corona-Staatshilfen ohne Zustimmung der oppositionellen Republikaner durch den Kongress bringen, hieß es.

Zahlen von ebay & Co kommen gut an

Für Kauflaune sorgten auch erfreulich ausgefallene Quartalsbilanzen - vor allem aus dem Technologiesektor. Die Papiere von Ebay und Paypal stiegen kräftig und markierten Rekordhochs. Der Boom des Online-Handels während der Pandemie bescherte beiden Firmen überraschend hohe Zuwächse. Die Ausblicke hätten ebenfalls positiv überrascht.

DAX knackt wieder die 14.000 Punkte

Beflügelt von der weiter vor Kraft strotzenden Wall Street setzte auch der DAX seinen starken Lauf fort. Er schloss erstmals seit vier Wochen wieder auf über 14.000 Punkte. Es war der vierte Gewinntag in Folge. Eine solch lange Serie gab es zuletzt vor über zwei Monaten. Mit 14.060 Punkten befindet sich der deutsche Leitindex nun wieder auf Tuchfühlung zum im Januar erreichten Rekordhoch von rund 14.131 Punkten. Die Corona-Krise und die Unsicherheit nach dem Aufstand der Kleinanleger gegen Hedgefonds in der letzten Woche scheinen vorerst abgeschüttelt.

Euro rutscht unter 1,20 Dollar

Robuste US-Konjunkturdaten und die Aussicht auf ein baldiges Hilfspaket stützen den Dollar. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg zeitweise auf ein Zwei-Monats-Hoch von 91,545 Punkten. Im Gegenzug verbilligte sich Gold um 2,4 Prozent auf 1789 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Eine Aufwertung der Weltleitwährung macht das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA unattraktiver. Der Euro rutschte auf unter 1,20 Dollar.

Die Aufträge an US-Industrieunternehmen im Dezember stiegen stärker als erwartet. Auch die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist überraschend stark gesunken. In der Woche bis zum 30. Januar seien 779.000 Anträge gestellt worden. Das sind 33.000 Anträge weniger als in der Woche zuvor.

USA kommen besser durch die Krise als Europa

Der starke Dollar ist ein Spiegelbild dieser Spekulationen - und auch der Konjunktur. "Es deutet vieles darauf hin, dass die USA besser aus der Krise kommen als die Eurozone, die im Moment mit weiteren Infektionshotspots und einer chaotischen Impfkampagne Schlagzeilen macht", betont Commerzbank-Devisen-Analystin You-Na Park-Heger. "Wer will da also im Moment auf einen steigenden Euro setzen?"

Öl wird noch teurer

Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee stieg dagegen um bis zu ein Prozent auf 59,04 Dollar je Barrel. Die Aussicht auf frischen Wind für die Weltwirtschaft und das Festhalten der Opec+ an der Förderbremse treibe die Kurse, sagten Börsianer. Denn dadurch bestehe die Aussicht, dass die hohen weltweiten Lagerbestände in den kommenden Monaten abgebaut würden.

Bayer einigt sich mit Klägern im Glyphosat-Streit

Der mögliche Durchbruch im Glyphosat-Streit trieb die Bayer-Aktie am Donnerstag um über fünf Prozent an. Der Chemie- und Pharmakonzern hat eine Einigung mit US-Klägeranwälten beim Umgang mit künftigen US-Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup erreicht. Der Kompromiss sieht eine Zusage von bis zu zwei Milliarden Dollar für künftige Glyphosat-Fälle vor. Das Geld dafür hatte Bayer schon 2020 auf die Seite gelegt. Sollte der zuständige Richter der Einigung zustimmen, dürfte Bayer bei den Rechtsstreitigkeiten günstiger davon kommen als erwartet. Das würde deutliches Kurspotenzial für die Bayer-Aktie bedeuten. Anleger hoffen, dass das Thema Glyphosat in absehbarer Zeit endlich vom Tisch kommt und sich das Management wieder komplett auf das Tagesgeschäft konzentrieren kann.

Deutsche Bank schafft ersten Jahresgewinn seit 2014

Das größte deutsche Geldinstitut hat 2020 zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Unter dem Strich stand ein Plus von 113 Millionen Euro. Das konnte dem Aktienkurs aber nicht helfen. Das Papier schloss 0,3 Prozent im Minus.

Anleger enttäuscht von Infineon

Eine leicht erhöhte Prognose von Infineon für das laufende Geschäftsjahr konnte die Anleger ebenfalls nicht zufriedenstellen. Womöglich hatten sie sich mit Blick auf die optimistischeren Analystenprognosen noch etwas mehr erhofft, wie die zunächst schwächere Kursentwicklung zeigt. Der Chiphersteller hatte nach einem guten Geschäftsjahresauftakt die Zielspannen für den Umsatz und die Segmentergebnis-Marge nach oben angehoben. Die infineon-Aktien büßten 0,6 Prozent ein.

Woowa-Zukauf kostet Delivery Hero mehr

DAX-Schlusslicht war Delivery Hero mit einem Minus von 1,6 Prozent. Der Essensauslieferer muss wahrscheinlich eine deutliche Wertminderung auf den Firmenwert des südkoreanischen Zukaufs Woowa vornehmen. Weil der DAX-Konzern die Tochter zum Teil mit eigenen Aktien bezahlt und diese stark im Wert gestiegen sind, muss Delivery Hero den Wert von Woowa nach jetzigem Stand um 1,4 Milliarden Euro nach unten korrigieren.

Autoboom in China

Positive Nachrichten für die deutschen Autokonzerne kamen aus China: Der chinesische Automarkt hat sich nach ersten Berechnungen des Herstellerverbands CAAM kräftig vom Corona-Schock erholt. Der Absatz der Hersteller von Autos und Nutzfahrzeugen an die Händler kletterte im Januar im Vergleich zum Vorjahr auf Basis vorläufiger Daten um 31,9 Prozent. Der chinesische Markt ist mit Abstand der wichtigste Einzelmarkt für Volkswagen, Daimler und BMW.

T-Mobile US wächst weiter rasant

Für die Deutsche Telekom bleibt ihre US-Tochter der große Wachstumstreiber. Gestärkt durch die Fusion mit dem kleineren Konkurrenten Sprint hat T-Mobile US im vierten Quartal einen Umsatzsprung hingelegt. Die Erlöse kletterten um fast 71 Prozent auf 20,3 Milliarden Dollar. Das Plus fiel größer aus als von Analysten erwartet. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg um mehr als das Doppelte auf 6,75 Milliarden Dollar. Offenbar hatten Anleger noch mehr erwartet. Die T-Mobile-US-Aktie gab nachbörslich mehr als zwei Prozent nach.

Commerzbank macht Weg frei für radikalen Stellenabbau

Bei der Commerzbank ist der Weg frei für den Abbau von 10.000 Stellen und Hunderten Filialen. Der Vorstand verabschiedete am Mittwoch nach einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats den Radikalumbau, der die zweitgrößte deutsche Privatbank zurück in die schwarzen Zahlen bringen soll. "Die neue Strategie schafft die Voraussetzung für eine nachhaltig profitable Commerzbank", sagte der neue Vorstandschef Manfred Knof. Nach vorläufigen Zahlen lag der Verlust im Geschäftsjahr 2020 bei knapp 2,9 Milliarden Euro.

Verbio verliert an Tempo

Im SDAX sackten die Aktien des neuen Anlegerlieblings Verbio um sieben Prozent ab. Der Biokraftstoffhersteller hat im ersten Geschäftshalbjahr mehr Umsatz und Gewinn gemacht als noch im Vorjahr. Der Umsatz kletterte um fast zehn Prozent auf 479,1 Millionen Euro, das operative Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) sprang um fast 50 Prozent auf 80,4 Millionen Euro. Die neuerlichen Corona-Beschränkungen und der gesunkene Bioethanolpreis hinterließen jedoch zuletzt ihre Spuren. Nach dem starken Jahresstart fiel das zweite Quartal schmaler aus.

Glänzendes Börsendebüt für Auto1

An der Frankfurter Börse glänzte der Berliner Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 an seinem ersten Handelstag. Die Aktien schlossen mit 53 Euro deutlich über dem Zuteilungspreis von 38 Euro. Auto1 habe seine Nische gefunden und das attraktive Geschäftsmodell könne mit dem IPO nun auch Anleger begeistern, betonte Konstantin Oldenburger, Analyst von CMC Markets. "Der Börsengang ist der nächste logische Schritt, um das Startup Auto1 als die erste Adresse für den Online-Kauf und -Verkauf von Gebrauchtwagen in Europa zu etablieren." Der Gebrauchtwagenhandel hatte der Coronakrise im Gegensatz zum Neuwagenmarkt weitgehend getrotzt.

Sensei startet mit Kurssprung an die Nasdaq

Der US-Krebsmittelfirma Sensei Biotherapeutics gelang ebenfalls ein erfolgreiches Börsendebüt - an der Nasdaq. Am heutigen Weltkrebstag startete das Unternehmen mit einem Kurs von 24,70 Dollar in den Handel an der US-Technologiebörse Nasdaq und kam damit auf einen Marktwert von rund 700 Millionen Dollar. Der Ausgabepreis hatte bei 19 Dollar gelegen. Die 1999 gegründete Firma aus Boston forscht an Therapien und Impfmöglichkeiten gegen verschiedene Krebsarten. Dabei sollen Bakteriophagen so aktiviert werden, dass sie eine Immunreaktion beim Patienten auslösen.

Roche profitiert von Corona-Tests

Die boomende Nachfrage nach Corona-Tests hat Roche 2020 vor Schlimmerem bewahrt. Zwar schrumpften die Umsätze um fünf Prozent auf rund 58,3 Milliarden Franken (53,9 Milliarden Euro), währungsbereinigt kam aber ein Plus von einem Prozent heraus. Der Verkauf von Medikamenten sank deutlich, weil viele Menschen Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte verschoben. Unter dem Strich machte Roche vergangenes Jahr über 15 Milliarden Franken Gewinn - sieben Prozent mehr als 2019. Der Schweizer Pharmariese rechnet im laufenden Jahr dank anhaltend starker Nachfrage nach seinen Corona-Tests mit mehr Umsatz und Gewinn. Die Roche-Aktien schlossen 2,2 Prozent fester in Zürich.

Merck & Co in den roten Zahlen

Dagegen enttäuschte Merck & Co. Im vierten Quartal rutschte der Konzern wegen hoher Aufwendungen für einen Medikamentenrückruf und der Übernahme des Krebsforschers VelosBio tief in die roten Zahlen. Im Gesamtjahr schrumpfte der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent auf rund 7,07 Milliarden Dollar. Mitte 2021 kommt es zum Chefwechsel. Finanzchef Robert Davis wird ab Juli neuer Vorstandschef und löst Kenneth Frazier ab.

Trotz Milliardenverlust: Shell hebt Dividende an

Der Ölkonzern Shell ist 2020 wegen der Corona-Pandemie und des deswegen stark eingebrochenen Ölpreises tief in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand im vergangenen Jahr ein Minus von knapp 22 Milliarden US-Dollar. Für Anleger gibt es aber zumindest eine gute Nachricht - so will Shell die Quartalsdividende im ersten Quartal leicht anheben.

Shell Tankwagen | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Shell Tankwagen Bild: Bildquelle: picture-alliance/dpa

Milliardenverlust von Nokia

Die Aktien von Nokia waren mit einem Minus von 2,3 Prozent auf 3,62 Euro Schlusslicht im EuroStoxx. Noch vor einer Woche hatte der Kurs allerdings mit 6,35 Euro fast doppelt so hoch gelegen, weil die Aktien von Nokia in Foren des Netzwerks Reddit ähnlich wie die Papiere von Gamestop und AMC zum Kauf empfohlen wurden. Dem Netzwerkausrüster Nokia macht eine abflauende Nachfrage zu schaffen.

Für das neue Jahr rechnet Chef Pekka Lundmark mit bestenfalls nur stabilen Erlösen, weil vor allem in Nordamerika die Nachfrage nach einer Aufrüstung der Mobilfunknetze auf den schnelleren 5G-Datenfunk nachlassen dürfte. Im vierten Quartal sank der Umsatz um fünf Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein Verlust von 2,6 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 563 Millionen Euro vor einem Jahr. Nokia schrieb steuerliche Verlustvorträge in Milliardenhöhe ab.

Nokia | picture alliance / dpa

Nokia Forschungszentrum in Ulm Bild: picture alliance / dpa

Ernüchternder Ausblick von Snapchat

Die Foto-App Snapchat hat im vergangenen Quartal 16 Millionen tägliche Nutzer hinzugewonnen. Der Umsatz erhöhte sich um 62 Prozent auf 911,3 Millionen Dollar. Der Verlust konnte mehr als halbiert werden - von 240,7 Millionen Dollar auf gut 113 Millionen Dollar. Die Aktie verlor im nachbörslichen Handel am Donnerstag zeitweise mehr als acht Prozent, da die Prognose für das laufende Quartal die Anleger enttäuschte.

Ford fährt tief in die Verlustzone

Der zweitgrößte US-Autobauer Ford ist zum Jahresende noch tiefer in die roten Zahlen geraten. Im vierten Quartal fiel unter dem Strich ein Verlust von 2,8 Milliarden Dollar an. Die konzernweiten Erlöse gingen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 36 Milliarden Dollar zurück. Im seit langem kriselnden Europageschäft gab es jedoch einen Lichtblick, das Betriebsergebnis konnte zulegen.

Musk-Tweet löst Dogecoin-Hype aus

Mit einem Tweet hat Elon Musk einen Run auf eine wenig bekannte Kryptowährung ausgelöst. Der Webseite Conmarketcap.com zufolge stieg der Preis von Dogecoin am Donnerstag um rund 50 Prozent auf 0,02610 Dollar. Zuvor hatte der Chef des Elektroauto-Bauers Tesla, der von seinen Anhängern "Papa Musk" genannt wird, auf Twitter das Wort "Doge" mit dem Bild einer Mondrakete gepostet. Anschließend schrieb er: "Dogecoin ist die Kryptowährung des Volkes." Die aktuelle Rally bei der als Scherz gestarteten Internet-Währung Dogecoin werde sich als Strohfeuer entpuppen, warnte Analyst Timo Emden von Emden Research. "Für Anleger gleicht das Marktumfeld bei Dogecoin dem Gang zum Casino."

Dogecoin | Dogecoin

Dogecoin Bild: Dogecoin

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Februar 2021 um 10:02 Uhr.