Deutsche Börse in Frankfurt | picture alliance/imageBroker
Marktbericht

Verlustserie gestoppt Versöhnlicher Wochenschluss

Stand: 19.02.2021 22:17 Uhr

Nach drei Handelstagen mit Verlusten schaffte der DAX am Freitag wieder klare Zugewinne. Der Leitindex schloss mit knapp einem Prozent im Plus und kam zeitweise sogar wieder über die Marke von 14.000 Punkten.

Damit konnte der DAX sein Wochenminus auf rund ein halbes Prozent verringern. An der Wall Street schloss der Dow-Jones-Index am Abend bei 31.494 Punkten und damit auf seinem Vortagesstand. Zum Handelsstart hatte der Dow mit 31.647 Punkten sogar einen neuen Rekordstand erreicht. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor dagegen knapp ein halbes Prozent.

Am Freitag nutzten Investoren gute Bilanzberichte von Unternehmen, aber auch ermutigende Konjunkturdaten zu neuen Käufen am Aktienmarkt. Dabei ist die Entwicklung bei der Bekämpfung der Pandemie für viele Anleger weiterhin ermutigend. Die Fallraten gingen messbar zurück, und dabei spiele die Impfoffensive in den USA eine große Rolle, so Analyst Geoff Meacham von der Bank of America.

US-Notenbank warnt vor Firmenpleiten

An langfristigen Problemen infolge der Corona-Pandemie mangelt es aber weiterhin nicht: Die US-Notenbank Fed sieht trotz guter Aussichten für einen Aufschwung im laufenden Jahr eine erhöhte Gefahr von Firmenpleiten. Dies geht aus dem am Freitag veröffentlichten halbjährlichen Bericht für den Kongress hervor, den Fed-Chef Jerome Powell den Parlamentarier nächste Woche in Anhörungen im Senat und im Repräsentantenhaus erläutern wird. Darin heißt, es bestünden "beträchtliche Risiken" für Firmenpleiten, auch wenn sich die Wirtschaft aus den Fängen der Pandemie-Krise löse. Die Kreditaufnahme der Unternehmen sei "nahe historischen Höchstständen".

Gute Stimmung in der EU-Industrie

Mut machte Investoren der Optimismus in den Unternehmen. Die Stimmungsbarometer der deutschen und der europäischen Firmen stiegen dank eines Aufschwungs in der Industrie überraschend stark. Die Aussichten im Dienstleistungssektor blieben wegen der Pandemie-Beschränkungen zwar trübe, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Die Industrie werde aber wohl weite Teile der dortigen Verluste kompensieren können. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für Dienstleister und Industrie kletterte überraschend um 0,5 auf 51,3 Punkte.

Bitcoin immer höher

Die Kryptowährung hat auf ihrer Rekordjagd eine Schallmauer durchbrochen: Zum ersten Mal waren am Freitag laut Datenanbieter CoinMarketCap alle im Umlauf befindlichen Bitcoin zusammen mehr als eine Billion Dollar wert. Der Bitcoin-Kurs stieg bis zum Freitagabend zeitweise sogar über die Marke von 55.000 Dollar. Die neuerliche Rally hatte sich in den vergangenen Tagen beschleunigt, als Tesla bekannt gab, 1,5 Milliarden in Bitcoin investiert zu haben. Der Chef des E-Auto-Bauers, Elon Musk, gilt als Fan von Kryptowährungen.

Euro reagiert auf EU-Daten

Der Euro hat am Freitag nach positiv aufgenommenen Konjunkturdaten leicht zugelegt. Am Abend notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,2115 Dollar. Der Goldpreis hat sich im Tagesverlauf mit 1780 Dollar leicht nach den jüngsten Preisrückgängen erholt. Am Donnerstag hatte das Edelmetall bei 1760 Dollar den tiefsten Stand seit sieben Monaten markiert. Die Ölpreise standen am Freitag leicht unter Druck, der Höhenflug der vergangenen Handelstage scheint vorerst beendet. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete am Abend 58,90 Dollar.

DAX-Gewinner Infineon

Die Aktie des Chip-Herstellers schloss knapp vier Prozent im Plus. Sie profitierte wie der gesamte Halbleiter-Sektor von einem positiven Ausblick des Chipzulieferers Applied Materials. Das Unternehmen rechnet für das laufende zweite Quartal mit einem Umsatz über den Analystenschätzungen. Die Aktien klettern im US-Handel um rund sechs Prozent.

Conti zahlt keine Dividende

Der Autozulieferer will nach einem Konzernverlust im Krisenjahr 2020 keine Dividende zahlen. Der Vorstand habe "angesichts eines negativen Konzernergebnisses" beschlossen, der Hauptversammlung am 29. April 2021 den Verzicht auf eine Dividende vorzuschlagen. An seiner mittelfristigen Dividendenpolitik, die die Ausschüttung von 15 bis 30 Prozent des Konzerngewinns vorsehe, halte das Unternehmen fest. Einzelheiten zum Ergebnis nannte Conti nicht, die Zahlen sollen am 9. März veröffentlicht werden.

Siemens Healthineers plant US-Übernahme

EU-Wettbewerbshüter haben die geplante Übernahme des US-Krebsspezialisten Varian durch den Medizintechnik-Konzern Siemens Healthineers unter Auflagen genehmigt. Wenn sich Siemens und Varian an die Bedingungen hielten, bestünde durch den Zusammenschluss keine Gefahr für den Wettbewerb, teilte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager am Freitag mit. So müssen sich die Unternehmen etwa dazu verpflichten, dass ihre Systeme kompatibel mit denen anderer Hersteller sind. Damit ist das Vorhaben aber noch nicht komplett abgeschlossen. Es stehen noch weitere Genehmigungen aus, beispielsweise in China.

Allianz-Zahlen überzeugen

Der Münchner Versicherungsriese hat mit einem Endspurt 2020 die Erwartungen der Analysten übertroffen und will im neuen Jahr an die Ergebnisse vor der Corona-Pandemie anknüpfen. Unterm Strich schrumpfte der Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr um 14 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro. Die Folgen der Pandemie haben den Versicherer nach eigenen Angaben insgesamt 1,3 Milliarden Euro gekostet. Die US-Investmentbank Bank of America empfiehlt die Aktie weiterhin zum Kauf. Der Versicherer habe stark abgeschnitten und mit dem operativen Ergebnis positiv überrascht, so die Experten.

BMW ruft 3er zurück

Wegen eines Problems am Gebläseregler ruft BMW in Deutschland 430.000 Fahrzeuge des Typs 3er in die Werkstätten zurück. Dort muss eine Steckverbindung überprüft und gegebenenfalls repariert oder Teile ausgetauscht werden, wie das Unternehmen am Freitag erklärte. Zuvor hatte das Fachmagazin "kfz-betrieb" darüber berichtet. Der Rückruf läuft laut BMW bereits seit Mitte Januar. Einer Datenbank des Kraftfahrt-Bundesamts zufolge kann der Defekt zu "einer Überhitzung, zu einem Kurzschluss oder zum Schmelzen am Steckkontakt bis hin zum Fahrzeugbrand führen". Betroffen sind demnach Fahrzeuge aus den Baujahren 2004 bis 2011.

Conti und Bosch investieren in Autonomes Fahren

Mit einer Beteiligung im Silicon Valley wollen Continental und Bosch die Entwicklung von Technologien zum autonomen Fahren beschleunigen. Die Firma Recogni aus San José (Kalifornien) entwirft Hochleistungs-Chips, die auch mit Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) arbeiten. Es geht um die Erkennung von Objekten rund um das Fahrzeug und schnellere Verarbeitung der Daten aus den zugehörigen Sensoren. Wer die Hardware herstellt, ist derzeit noch offen.

BioNTech-Impfstoff braucht keine Extrem-Kühlung

Der Corona-Impfstoff des deutschen Unternehmens BioNTtech und seines US-Partners Pfizer kann neuen Herstellerinformationen zufolge doch auch bei höheren Temperaturen gelagert werden. Der Impfstoff bleibe neuen Untersuchungen zufolge auch zwei Wochen lang bei minus 25 bis minus 15 Grad Celsius stabil, teilten die Unternehmen am Freitag mit. Die neuen Daten seien bereits bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingereicht worden, um die Notfallzulassung entsprechend anzupassen. Bislang musste der Impfstoff den Vorgaben der Hersteller zufolge bei minus 80 bis minus 60 Grad gelagert werden, was die Logistik für das Impfen erschwert hatte.

Leonardo-Aktie schießen nach oben

Aktien des Rüstungskonzerns Leonardo legen in Mailand mehr als neun Prozent zu, nachdem die Zeitung "Il Messaggero" von Vorbereitungen für einen US-Börsengang der Tochter DRS berichtet. Die US-Sparte werde insgesamt mit rund 3,5 Milliarden Euro bewertet. Das widerum würde die Sorgen der Anleger um die freie Liquidität des staatlich kontrollierten Konzerns lindern, fasste der Broker Equita zusammen. Dem Bericht zufolge will die Konzernspitze Mitte kommender Woche über einen IPO entscheiden.

Über dieses Thema berichtete am 19. Februar 2021 B5 aktuell um 15:43 Uhr, die tagesschau um 17:00 Uhr und Deutschlandfunk um 22:00 Uhr in den Nachrichten.