Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Wall Street uneinheitlich US-Jobdaten geben Rätsel auf

Stand: 03.09.2021 22:42 Uhr

Die New Yorker Aktienbörse war zum Wochenschluss damit beschäftigt, neue Daten vom Arbeitsmarkt zu verdauen. Diese sorgten eher für Ratlosigkeit. Im DAX-Index wurden derweil die Weichen neu gestellt.

Was zuvor für den DAX gegolten hatte, war zum Wochenschluss auch an der Wall Street zu beobachten. Wer gehofft hatte, die US-Arbeitsmarktdaten für den August würden an der Börse zu mehr Orientierung in Sachen US-Geldpolitik führen, wurde enttäuscht. Die überraschend schwach ausgefallenen Daten waren schwer zu interpretieren und sorgten für mehr Verunsicherung als Klarheit.

Die Anleger in New York sahen die jüngsten Signale vom Jobmarkt am Freitag zunächst mit gemischten Gefühlen, allerdings erholten sich Indizes im Verlauf von ihren Tiefstständen aus dem frühen Geschäft.

Da sich aus den Zahlen keine unmittelbaren Zinsängste ableiten ließen, ging vor allem die Technologiebörse wieder zur Tagesordnung über. Sie legte um 0,21 Prozent auf 15.363 Punkte zu und auch der Auswahlindex Nasdaq 100 stieg letztlich um 0,31 Prozent auf 15.652 Punkte. Schwerer tat sich der Leitindex Dow Jones, der 0,21 Prozent auf 35.369 Punkte nachgab. Der marktbreite S&P-500-Index, zuletzt zusammen mit der Nasdaq auf stetigem Rekordkurs, schloss bei 35.535 Punkten nahezu unverändert und bleibt damit auf hohem Niveau.

Unter den Einzeltiteln standen noch Ergebnisse des Server- und Netzwerkdienstleisters Hewlett Packard Enterprise sowie des Chipproduzenten Broadcom auf der Agenda. Beide Aktien legten zu.

US-Jobdaten geben Rätsel auf

Konkret wurden in den USA im August 235.000 neue Stellen geschaffen - weit weniger als erwartet. Die durchschnittlichen Prognosen lagen bei rund 750.000 neuen Jobs. Im Vormonat hatte das Plus bei 943.000 gelegen. Die Analysten, die sonst in der Regel ein recht gutes Gespür für die Entwicklungen haben, lagen damit so weit daneben wie seit Jahren nicht mehr - und wenn so etwas passiert, ist die Analyse meist nicht in zwei Sätzen beendet.

Denn gleichzeitig fiel die getrennt ermittelte Arbeitslosenquote auf niedrige 5,2 Prozent und die durchschnittlichen Stundenlöhne legten im August um 0,6 Prozent zum Vormonat zu - doppelt so stark wie von Ökonomen erwartet. Während die niedrige Anzahl neu geschaffener Stellen ganz klar gegen ein schnelles Anziehen der geldpolitischen Zügel spricht, signalisiert vor allem die Lohnentwicklung eine deutliche Inflationsgefahr.

Experten machen auch die hohe Zahl an Corona-Fallzahlen mitverantwortlich für den verlangsamten Stellenaufbau. "Die Delta-Variante ist wie ein Sandsturm in einer ansonsten sonnigen Wirtschaft", sagte Sung Won Sohn, Wirtschaftsprofessor an der Loyola Marymount University in Los Angeles. "Ohne das wäre die Beschäftigung im August höher gewesen."

"Dieser Arbeitsmarktbericht wird der Fed Kopfzerbrechen bereiten", kommentierte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners in einer ersten Reaktion.

Somit dürfte das scheinbar endlose Zinsspiel der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), das die Börsen weltweit auf Trab hält, noch eine Weile weitergehen. Die US-Arbeitsmarktdaten gelten traditionell als der wohl wichtigste Hinweisgeber auf die zukünftige Geldpolitik der Fed.

Apple wird derweil sein angekündigtes System zum Aufspüren kinderpornografischer Fotos nicht kurzfristig umsetzen, sondern sein Konzept noch einmal überdenken. Der Konzern reagiert mit der Vertagung auf massive Kritik von Sicherheitsexperten und Datenschützern, die einen Missbrauch des Systems für eine staatliche Überwachung befürchtet hatten.

Analysten sehen den Kultkonzern derweil auf dem Weg zu einer Bewertung von drei Billionen Dollar. Bei Kursen von etwa 151 Dollar wurde die 2,5-Billionen-Schwelle in weniger als einem Jahr überschritten. Bei diesem Schritttempo wäre es die logische Folge, wenn 2022 spätestens im Spätsommer die nächste Billionenmarke fällt. Das iPhone 13 und das erste eigene Auto, das sogenannte Apple Car, werden dabei als wichtige Quellen für noch mehr Kursfantasie gesehen. Die Aktie schloss am Freitag an der Nasdaq bei 154,30 Dollar um 0,42 Prozent höher.

Die Verunsicherung nach den Zahlen aus Washington war auch hierzulande offensichtlich. Denn der DAX fuhr nach deren Veröffentlichung Achterbahn und sackte zunächst bis auf 15.690 Punkte im Tagestief ab, um sich danach wieder zu erholen. Der Index blieb aber im Minus und schloss letztlich bei 15.781 Punkten, ein Tagesverlust von 0,4 Prozent.

Insgesamt setzte der Markt damit seinen Seitwärtstrend um die charttechnisch bedeutende Marke von 15.800 Punkten fort, ein Richtungsentscheid lässt weiter auf sich warten. Auf Wochensicht verlor der Index damit rund ein halbes Prozent.

Die aktuellen US-Daten waren zwar das Hauptthema des Tages, nach US-Börsenschluss (ab 22 Uhr) gab die Deutsche Börse noch die neue Zusammensetzung des DAX bekannt, der von 30 auf 40 Werte aufgestockt wird. Im Gegenzug werden im MDAX künftig nur noch 50 anstatt wie bisher 60 Werte vertreten sein. Die Änderungen treten ab dem 20. September in Kraft.

Konkret steigen unter der Führung des deutsch-französische Flugzeughersteller Airbus neun weitere Konzerne in den DAX und damit in die erste Börsenliga auf. Airbus ist dabei der nach Börsenwert mit Abstand gewichtigste Aufsteiger.

Außerdem rücken in den DAX auf: der Chemikalienhändler Brenntag, der Kochboxenlieferant Hellofresh, die Holdinggesellschaft Porsche, der Sportartikelhersteller Puma, das Biotechnologie- und Diagnostikunternehmen Qiagen, der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius, der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers, der Aromen- und Duftstoffehersteller Symrise, der Online-Modehändler Zalando.

Fünf Unternehmen aus dem Nebenwerte-Index SDAX werden in den MDAX aufsteigen. So die Vodafone-Sendemastentochter Vantage Towers, der Recycling-Spezialist Befesa, der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich, der Finanzdienstleister Hypoport und der Online-Händler für den Haustierbedarf, Zooplus.

Ihre Plätze räumen müssen dafür der Baukonzern Hochtief, der Antikörperspezialist Morphosys, der Windkraftanlagen-Hersteller Nordex, der Wind- und Solarparkbetreiber Encavis und die Shop Apotheke. Diese Aktien werden zukünftig im SDAX enthalten sein.

Gleich elf neue Unternehmen werden im Kleinwerteindex vertreten sein. Neben den fünf MDAX-Absteigern sind dies allein drei Börsenneulinge. Dies sind das Software-Unternehmen Suse, der Laborspezialist Synlab und der Internet-Modehändler About You.

Weitere drei Unternehmen, die in Kürze den SDAX kommen, sind der IT-Konzern Secunet , der im vergangenen Jahr schon einmal kurz dort vertreten war. Zudem werden der Vakuum- und Werkstofftechnik-Spezialist PVA Tepla und der Baustoffe-Hersteller Sto aufgenommen.

Aus dem SDAX ausscheiden müssen zugleich Vossloh, Borussia Dortmund, Medios, Süss Microtec, ElringKlinger und HHLA. Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes exakt nachbilden (ETF). Dort muss dann entsprechend umgeschichtet und umgewichtet werden, was Einfluss auf die Aktienkurse haben kann.

"Der Deutsche Aktienindex DAX wird noch attraktiver, denn die neuen Spieler sind jünger und bringen andere Ideen aufs Spielfeld", kommentiert Christine Bortenlänger, Geschäftsführende Vorständin des Deutschen Aktieninstituts.

Mit der Aufnahme weiterer Wachstumsunternehmen aus dem Tech-Bereich werde der DAX vielfältiger. "Andere Branchen kommen hinzu, sodass die bisherige Konzentration auf die Chemie- und der Automobilbranche sinkt", betont Bortenlänger.

Leidtragender der DAX-Reform ist der MDAX. Der Nebenwerteindex verliert enorm an Gewicht, machen die Abgänge doch 45 Prozent seiner Marktkapitalisierung aus. Dem MDAX dürfte es vor diesem Hintergrund schwerer fallen, an seine herausragende Performance der vergangenen Jahre anzuknüpfen. Heute gab der Index zum Xetra-Schluss 0,6 Prozent ab auf 35.056 Punkte.

In der Zwölf-Monats-Perspektive steht für den MDAX ein Plus von 34 Prozent zu Buche. Zum Vergleich: Der DAX konnte im gleichen Zeitraum lediglich 23 Prozent hinzugewinnen. Auch die Langzeithistorie für den MDAX ist überzeugend: Es ist quasi egal, welchen Zeitraum man wählt, der MDAX war stets der klar bessere Index. Das könnte sich nun ändern.

Die Spekulation bezüglich einer weiter anhaltend lockeren Geldpolitik der Fed spiegelt sich auch am Devisenmarkt wider, dort liegt der Dollar im Vergleich zu den wichtigsten Währungen auf einem Monatstief. Ein Euro kostet 1,1882 Dollar. In der Spitze wurden nach den US-Jobdaten schon Kurse um 1,19 Dollar erzielt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1872 (Donnerstag: 1,1846) Dollar fest.

ISM-Index sinkt

Die Stimmung im Dienstleistungssektor der USA hat sich im August verschlechtert, allerdings von hohem Niveau aus. Der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM) fiel im Vergleich zum Vormonat um 2,4 Punkte auf 61,7 Zähler, wie das Institut am Freitag in Tempe mitteilte. Im Juli hatte der Indikator ein Rekordhoch erreicht. Analysten hatten in etwa mit der Entwicklung gerechnet. Mit einem Wert von deutlich mehr als 50 Punkten signalisiert der Indikator weiterhin ein kräftiges Wirtschaftswachstum an.

Die Feinunze Gold profitiert von dem schwachen Dollar und der Hoffnung auf eine länger andauernde lockere Geldpolitik, denn das gelbe Edelmetall wirft selbst keine Zinsen ab. Die Feinunze Gold wird am frühen Abend bei bei 1829 Dollar 1,1 Prozent höher gehandelt.

Die Ölpreise haben am Freitag etwas nachgegeben. Zuvor leichte Kursgewinne gaben die Ölpreise angesichts einer überraschend schwachen Beschäftigungsentwicklung in den USA im August wieder ab. Ein schwächere wirtschaftliche Erholung würde auch die Nachfrage nach Rohöl dämpfen. Die Kursausschläge hielten sich jedoch in Grenzen. Schließlich ist die Arbeitslosenquote gefallen und die Stundenlöhne waren deutlich gestiegen.

Auf Wochensicht haben die Ölpreise hingegen merklich zugelegt. Die Notierung für US-Rohöl legte seit Montag um fast zwei Prozent zu. Gestützt wurden die Ölpreise im Verlauf der Woche durch einen unerwartet starken Rückgang der Ölreserven in den USA und durch eine Kursschwäche des US-Dollar. Wenn der Dollar an Wert verliert, wird das in Dollar gehandelte Öl auf dem Weltmarkt für viele Interessenten günstiger, was die Nachfrage erhöht.

Mit Kursverlusten von knapp zwei Prozent waren Delivery Hero größter DAX-Verlierer. Der Essenslieferant hat mit Wandelschuldverschreibungen insgesamt 1,25 Milliarden Euro brutto eingenommen. Das Geld soll unter anderem für Investitionen verwendet werden. "Das ist angesichts des verlustträchtigen Geschäfts sicher nicht die letzte Kapitalmaßnahme", sagte ein Börsianer.

Die Autokonzerne Mercedes Benz AG, Volkswagen und BMW reagieren mit Unverständnis auf die Ankündigung der Umweltverbände Greenpeace und Deutsche Umwelthilfe, demnächst Klage gegen sie einreichen zu wollen. Am Vormittag hatten die beiden Umweltorganisationen bekanntgegeben, juristische Schritte gegen die Konzerne eingeleitet zu haben, um sie dazu zu verpflichten, ihr Geschäftsmodell im Sinne des Klimaschutzes neu auszurichten.

Mit dem Unterlassungsschreiben wollen die Umweltverbände erreichen, dass die drei Autohersteller bis 2030 unter anderem den Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor stoppen. "Wenn es zu einer Klage kommt, werden wir uns dagegen mit allen juristischen Mitteln verteidigen", kündigt Mercedes Benz an. "Wir bekennen uns klar zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens und damit zur Dekarbonisierung der Automobilbranche", teilt das Unternehmen weiter mit.

BMW und Volkswagen betonten in ihrer Stellungnahme, die eingegangenen Schreiben nun prüfen zu wollen. Beide Konzerne machten außerdem deutlich, dass das Engagement für den Klimaschutz fester Bestandteil der Unternehmensausrichtung sei. Die Vorgehensweise der Umweltverbände sowie "die Ankündigung einer Klageerhebung gegen ein einzelnes Unternehmen" halte man "nicht für ein angemessenes Mittel zur Lösung wichtiger gesellschaftlicher Herausforderungen", schrieb Volkswagen.

Der Kunststoffkonzern plant laut einem Medienbericht einen umfangreichen Stellenabbau. Covestro wolle weltweit bis zu 1700 Stellen streichen, meldete die "Rheinische Post" unter Berufung auf Gewerkschaftskreise. In Deutschland drohe dabei 950 Mitarbeitern oder gut zwölf Prozent der hierzulande 7600 Beschäftigten das Aus. Die Aktie legte gegen den Trend zu.

Um sie zur Einhaltung von Klimazielen zu zwingen, wollen die Umweltorganisationen Greenpeace und Deutsche Umwelthilfe (DUH) juristisch gegen vier deutsche Großkonzerne vorgehen, darunter drei aus der Automobilbranche. Derzeit würden Klagen gegen Daimler, BMW und Volkswagen vorbereitet sowie gegen den Öl- und Erdgasproduzenten Wintershall Dea, der zur BASF gehört.

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport rechnet nach dem Reiseaufschwung im Sommer mit einer schwächeren Entwicklung in den kommenden Monaten. Angesichts der Corona-Pandemie gehe Fraport von einem "schwierigen Winter" aus, bevor das Geschäft im nächsten Jahr wieder deutlich stärker werde, sagte Vorstandschef Stefan Schulte.

Die EU-Kommission und AstraZeneca haben ihren laufenden Rechtsstreit zur Lieferung von Corona-Impfdosen beigelegt. Damit wird laut der EU-Kommission die Lieferung von 200 Millionen ausstehenden Dosen bis März 2022 garantiert. Die Behörde hatte Ende April juristische Schritte gegen die britische Pharmafirma eingeleitet. In den Monaten zuvor hatte AstraZeneca die Lieferungen an die EU immer wieder einseitig drastisch gekürzt.

Über dieses Thema berichteten am 03. September 2021 das ARD-Morgenmagazin um 08:50 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.