Wall Street New York
Marktbericht

Trotz hoher Inflation Keine Panik an der Wall Street

Stand: 10.12.2021 22:21 Uhr

Business as usual - mit moderaten Gewinnen sind die US-Aktienmärkte ins Wochenende gegangen. Selbst historisch hohe Inflationsdaten schockten nicht - sie waren so erwartet worden.

Die US-Börsen haben zum Wochenausklang moderat höher geschlossen. Die mit Spannung erwarteten Inflationsdaten wurden positiv aufgenommen, obwohl sie nach Einschätzung von Experten den Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erhöhen, bei ihrer Sitzung in der kommenden Woche einen beschleunigten Ausstieg aus ihren Anleihekäufen zu beschließen.

Nach den Gewinnmitnahmen vom Vortag legte der Leitindex Dow Jones um 0,6 Prozent zu auf 35.970 Punkte. Die Technologiebörse Nasdaq stieg um 0,73 Prozent auf 15.630 Zähler. Der Auswahlindex Nasdaq 100 rückte etwas stärker vor um 1,13 Prozent, ebenso wie der marktbreite S&P-500-Index. Dieser ging bei 4712 Zählern um aus dem Handel, ein Tagesgewinn von 0,95 Prozent. Im Wochenverlauf rückte der Dow um 4,0 Prozent vor und beendete damit eine sehr erfolgreiche Handelswoche.

Inflation auf historisch hohem Niveau

Wie befürchtet, ist die Teuerung in den USA im November weiter um hohe 6,8 Prozent im Jahresvergleich gestiegen, nachdem schon im Vormonat eine Rate von 6,2 Prozent ermittelt worden war. Es sind Daten, wie sie wohl nur noch Börsenveteranen kennen, die Inflation lag auf dem höchsten Niveau seit 1982. Doch am Markt war wohl noch Schlimmeres befürchtet worden.

"Die Börsen steigen aber, weil die Zahlen ziemlich den Erwartungen entsprachen und nicht wie befürchtet dramatisch übertroffen wurden", sagte Thomas Hayes, geschäftsführendes Mitglied beim Vermögensverwalter Great Hill Capital in New York. Die Anleger hätten die Tatsache, dass die US-Notenbank Fed das Tempo bei der Drosselung der Anleihekäufe beschleunigen werde, "ziemlich gut akzeptiert".

DAX am Ende kaum verändert

Der DAX hat zum Wochenschluss zwar Anfangsverluste aufgeholt, zu mehr reichte es aber nicht mehr. Der deutsche Leitindex beendete den Tag bei 15.623 Punkten um 0,1 Prozent etwas leichter. Mit dem Wochenverlauf können die Anleger gleichwohl zufrieden sein, denn unter dem Strich blieb ein DAX-Zuwachs von rund 3,0 Prozent. Thema des Tages waren die hohen Inflationsdaten aus den USA, die allerdings von den Anlegern gelassen aufgenommen wurden. Im November lag die US-Teuerung im Jahresvergleich bei 6,8 Prozent und damit weit über der Zielmarke der Fed von 2,0 Prozent.

US-Inflationsdaten in schwindelerregender Höhe

Experten verwiesen darauf, dass auch andere Einflussfaktoren außer den galoppierenden Energiepreisen wie etwas Liefer- und Güterengpässe zur dynamischen Preisentwicklung beitragen. Unisono ist die Konsequenz klar:

"Wenn es noch eines Arguments bedurft hatte, um die US-Notenbank von der Notwendigkeit eines zügigeren Ausstiegs aus der ultra-lockeren Geldpolitik zu überzeugen, dann wurde dieses durch die heutigen Inflationsdaten geliefert. Der Preisanstieg wird immer schwindelerregender. Man muss bis in die Hochinflationsphase der frühen 1980er Jahre zurückgehen, um noch stärkere Preissprünge zu finden", kommentierte Elmar Vöker von der LBBW.

Daimler Truck an der Börse gestartet

Unter den Einzelwerten in Frankfurt war der Daimler-Konzern im Fokus. Denn der Lkw- und Bushersteller Daimler Truck hat an der Frankfurter Wertpapierbörse sein Debüt als eigenständiges Unternehmen hingelegt. Die Erstnotiz lag bei 28 Euro – das entspricht einer Börsenbewertung von insgesamt rund 23 Milliarden Euro. Das Unternehmen bezeichnete den Gang aufs Parkett als "Meilenstein" und Beginn einer neuen Ära.

Daimler-Aktionären wurde für zwei Aktien eine Neue Aktie der Daimler Truck AG eingebucht. Im Gegenzug verlor das Daimler-Papier 13,84 Prozent oder 11,93 Euro. Die Aktie schwankte zwischen 69,50 und 75,28 Euro. Die neue Daimler Truck Holding-Aktie lag zwischen 27,90 und 30,66 Euro und notierte am bei 29,77 Euro. Für alle Beteiligten hat sich der erste Handelstag damit gelohnt.

Ölpreise mit leichten Gewinnen

Die Ölpreise haben am Freitag etwas zugelegt. Die deutlichen Wochengewinne wurden damit etwas ausgeweitet, nachdem die Erholung am Vortag ins Stocken geraten war. Ausschlaggebend für die Gewinne sind positiv aufgenommene Nachrichten zu der neuen Corona-Variante Omikron. Dagegen waren die Rohölpreise nach dem Auftauchen der als besonders ansteckend geltenden Mutante Ende November erheblich unter Druck geraten. Bisher konnte nur etwa die Hälfte dieser Verluste wieder aufgeholt werden.

Die Luft für einen weiteren Anstieg werde dünner, kommentierte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Die Risiken wegen der neuen Variante sollten noch nicht ausgepreist werden. "Angesichts steigender Neuinfektionszahlen und der schnelleren Übertragbarkeit der neuen Virusvariante beschließen mehr und mehr Länder neue Beschränkungen, die nicht vollkommen spurlos an der Ölnachfrage vorübergehen dürften", schreibt Fritsch.

Die Feinunze Gold kostete 1782 Dollar. Das waren 0,3 Prozent mehr als am Vortag. Der Euro notiert im US-Handel etwas höher bei bei 1,1316 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1273 (Donnerstag: 1,1311) Dollar fest.

BioNTech weiter im Fokus

Die anhaltenden Unsicherheiten bezüglich der Omikron-Variante bleiben weiterhin ein großes Thema an der Börse und sorgen für Zurückhaltung unter den Anlegern. Im Wochenverlauf hatte die Meldung von Pfizer und BioNTech, wonach drei Dosen ihres Coronavirus-Impfstoffs einen effektiven Schutz gegen die neu entdeckte Omikron-Variante bieten, noch für Erleichterung an den Börsen gesorgt.

Die beiden mRNA-Aktien BioNTech und Moderna tendieren heute aber beide deutlich schwächer, da eine Grippeimpfung auf mRNA-Basis sich nach Angaben von Moderna wenigere effizient gezeigt hat, als mit den verfügbaren klassischen Impfstoffen.

Glyphosat-Prozessgewinn gibt Bayer Auftrieb

Die Bayer-Aktie war größter DAX-Gewinner. Das Unternehmen hat in den USA einen weiteren Prozess um angebliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter gewonnen. Wichtiger als der Prozessgewinn wird aber Anfang kommender Woche die Entscheidung des obersten US-Gerichts über eine mögliche Grundsatzverhandlung im Glyphosat-Streit.

Drastischer Verkaufsrückgang bei VW

Der Volkswagen-Konzern gerät vor allem wegen des Chipmangels immer mehr unter Druck bei den Verkaufszahlen. Im November rutschten die weltweiten Auslieferungen des größten europäischen Autobauers im Vergleich zum Vorjahresmonat um 31,5 Prozent auf 616.300 Fahrzeuge ab. Damit steht nun auch auf Jahressicht ein Rückgang um 1,7 Prozent auf 8,17 Millionen Fahrzeuge zu Buche.

Carl Zeiss Meditec nach Zahlen auf Tauchstation

Ein mit Enttäuschung aufgenommener Ausblick belastete Carl Zeiss Meditec. Allerdings grenzte die Aktie ihrer Verluste im Verlauf ein. Für das laufende Geschäftsjahr 2021/22 erwartet Vorstandschef Ludwin Monz, dass Zeiss Meditec mindestens so stark wächst wie der Augenheilkunde-Markt. Die Ebit-Marge soll zwischen 19 und 21 Prozent liegen - und damit unter der Ebit-Marge des abgelaufenen Geschäftsjahres 2020/21 (22,7 Prozent).

United Internet auf dem Weg zum vierten Mobilnetz

Die Planungen für das vierte deutsche Mobilfunknetz kommen voran. Wie der Telekommunikationskonzern United Internet und der Funkturmbetreiber Vantage Towers am späten Donnerstagabend in Montabaur und Düsseldorf mitteilten, wurde ein langfristiger Mietvertrag mit der United-Internet-Tochter 1&1 abgeschlossen. United Internet erwartet zudem steigende Umsätze im kommenden Jahr.

Drastischer Kurseinbruch bei Global Fashion

Nach Senkung der Ergebnisprognose brachen Papiere der Global Fashion Group um knapp ein Viertel ein. Erstmals seit September 2020 kosten sie wieder weniger als 5 Euro. Das bescherte auch den Anteilsscheinen der Händlerkollegen wie About You und Home24 ein unruhiges Fahrwasser.

K+S siegt im Rechtsstreit mit Türingen

Das Land Thüringen hat einen Rechtsstreit mit dem Kali-Konzern K+S (Kassel) um jährliche Zahlungen in Millionenhöhe verloren. Das Thüringer Oberverwaltungsgericht fällte heute in Weimar ein Urteil, nach dem das Land die immensen Kosten für Sicherungsarbeiten in zwei stillgelegten Kali-Gruben im Wartburgkreis weiterhin tragen muss. Die Berufung des Landes gegen ein entsprechendes Urteil des Verwaltungsgerichts Meiningen wurde zurückgewiesen.

K+S-Aktien gehörten zu den größten Gewinnern im MDAX. Das Papier war bereits zuvor gut gelaufen und ist seit dem Tief im August in einem intakten Aufwärtstrend um rund 50 Prozent gestiegen.

Können Wirecard-Anleger auf Schadenersatz hoffen?

Im Wirecard-Skandal können frustrierte Anleger nach ihren immensen Kursverlusten nun doch auf Schadenersatzklagen gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hoffen. Diese hatte die falschen Bilanzen des ehemaligen DAX-Konzerns testiert. Das Münchner Oberlandesgericht machte gestern in einem vorläufigen Hinweis gravierende Zweifel an den Gerichtsentscheidungen der ersten Instanz publik.

Kritik von Qatar Airways erzürnt Airbus

Der Flugzeugbauer Airbus will die Kritik des Großkunden Qatar Airways an den Großraumjets vom Typ A350 nicht länger hinnehmen. Die Probleme an der Oberflächenbeschichtung der Maschinen seien nicht sicherheitsrelevant, sagte Airbus-Programmchef Philippe Mhun. Der Hersteller will die Angelegenheit nun von einem unabhängigen Gutachter rechtlich prüfen lassen. Es gehe darum, die Position und den Ruf von Airbus zu verteidigen.

Großes Interesse an Novartis-Sparte Sandoz

Das Interesse an der Generika-Sparte von Novartis scheint groß zu sein. So sagte Konzernchef Vas Narasimhan im Interview mit der "Wirtschaftswoche", man habe "verschiedene Anfragen nach näherer Information" erhalten. Gegenüber "Finanz und Wirtschaft" konkretisierte er, dass vor allem Private-Equity-Firmen ein "erhebliches Interesse" an Sandoz gezeigt hätten.

Orcale haussieren nach Quartalszahlen

Um bis zu 18 Prozent in der Spitze haussieren die Papiere des SAP-Konkurrenten Oracle nach denen am Vorabend nach Börsenschluss veröffentlichten Zahlen für das dritte Geschäftsquartal. Am Ende stand ein Zuwachs von 15,6 Prozent.

Konkret hob der Unternehmenssoftware-Hersteller seine Gewinn- und Umsatzprognose für das laufende Quartal an, weil Unternehmen mehr Geld für Technologieausgaben in die Hand nehmen. Wegen der Pandemie stellen mehr Firmen auf flexible Arbeitsmodelle um, was die Ausgaben für Cloud-Technologie zum Vorteil von Firmen wie Oracle steigen lässt.

Der Umsatz von Oracles größter Einheit für Cloud-Services und Lizenzsupport stieg im zweiten Quartal auf 7,55 Milliarden Dollar (Vorjahr: 7,11 Mrd. Dollar). Für das dritte Quartal werde ein Wachstum zwischen sechs und acht Prozent erwartet, so das Unternehmen. Die Zahlen und der Ausblick lagen über den Schätzungen der Analysten.

Musk deutet Rücktritt bei Tesla an

Tesla-Chef Elon Musk hat auf Twitter seinen Rücktritt als Chef des US-Elektroautobauers angedeutet. "Denke darüber nach, meine Jobs zu kündigen und Vollzeit-Influencer zu werden. Was meint ihr?", schrieb Musk am Freitag in einem offenbar scherzhaft gemeinten Tweet.

Nur wenige Stunden zuvor hatte Musk Hunderttausende Aktien seines Unternehmens verkauft. Musk, der schon mehrfach mit rätselhaften Tweets für Wirbel gesorgt hat, ist auch Gründer und Chef der Raumfahrtfirma SpaceX. Am Donnerstagabend hatte der exzentrische Multimilliardär gut 934.000 Tesla-Aktien verkauft. Laut Unterlagen, die bei der US-Börsenaufsicht eingereicht wurden, hatten sie einen Wert von rund 963 Millionen Dollar (gut 850 Millionen Euro).

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Dezember 2021 um 10:00 Uhr.