Händlerin an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Nasdaq holt Verluste auf US-Börsen bleiben auf Rekordkurs

Stand: 29.10.2021 22:27 Uhr

Die Wall Street hat zum Wochenschluss den ersten Schreck nach den schwach aufgenommenen Apple und Amazon-Zahlen gut verkraftet. Der Blick geht jetzt schon in die kommende Woche.

Schwach aufgenommene Apple- und Amazon-Zahlen vom Vorabend lasteten zur Eröffnung in New York primär auf der Technologiebörse Nasdaq. Diese litt zunächst unter Gewinnmitnahmen, nachdem sie zuletzt gut gelaufen war. Im Verlauf drehten die Tech-Indizes aber ins Plus, der Auswahlindex Nasdaq 100 markierte bei 15.856 Zählern sogar einen weiteren Rekordstand und schloss am Ende bei 15.850 Punkten um 0,46 Prozent höher. Der Composite-Index ging bei 15498 Punkten aus dem Handel, ein Tagesgewinn von 0,33 Prozent.

"Die Kauflust an Aktien ist gerade im Technologieindex Nasdaq 100 ungebrochen - und das trotz einer ersten negativen Reaktion auf die Quartalsbilanzen von Amazon und Apple", sagte Marktbeobachter Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets.

Der Leitindex Dow Jones entwickelte sich von Anfang an recht stabil und endete bei 35.819 Punkten um 0,25 Prozent höher. Der Index konnte aber keine Bestmarke aufstellen. Damit erreichte der US-Leitindex ein moderates Wochenplus, den Oktober beendete er aber fast sechs Prozent höher.

Der marktbreite S&P-500-Index, in dem sowohl Technologie- als auch Standardwerte enthalten sind, ließ sich ebenfalls nicht von seinem Rekordkurs abbringen. Er markierte seine Bestmarke bei 4608 Punkten und schloss bei 4605 Punkten um 0,19 Prozent leicht höher. Vor allem im späten Geschäft griffen die Anleger noch stärker zu, so dass die Indizes nahe ihrer Höchststände aus dem Handel gingen.

Blick auf die Federal Reserve

Die Anleger blicken derweil auf den kommenden Mittwoch, wenn die Notenbank Federal Reserve (Fed) über den weiteren Zinskurs entscheidet. Es gilt als ausgemachte Sache, dass die Fed den Weg für eine Drosselung der milliardenschweren Anleihekäufe freimacht. Vielmehr werden die Anleger darauf blicken, was Fed-Chef Jerome Powell im weiteren Ausblick ausführen wird. Powell hat bisher klar gemacht, dass die Fed einen behutsamen Wechsel ihrer Geldpolitik anstrebt, um die Märkte nicht zu schocken. Diese sind mit dieser Strategie gut gefahren, es gab keine größeren Verwerfungen bisher.

Ölfirmen im Gewinnrausch

Gestützt wurde der Markt heute von Kursgewinnen bei Ölaktien. Die beiden Platzhirsche Exxon Mobil und Chevron haben im dritten Quartal die Erwartungen übertroffen. Exxon verdiente dabei 6,8 Milliarden Dollar und damit so viel, wie seit sieben Jahren nicht mehr. Bei Chevron waren es 6,1 Milliarden Dollar, so viel wie seit 2013 nicht mehr.

DAX zeigt Stärke

Am Ende des heutigen Tages bleibt den heimischen Investoren die Erkenntnis, dass auch die Allergrößten auf dem Kurszettel gegen Rückschläge nicht gefeit sind. Konkret lasteten schwach aufgenommene Quartalszahlen der beiden US-Technologie-Großkonzerne Apple und Amazon vom Vorabend auf der Börse und sorgten zunächst auch hierzulande für schlechte Stimmung.

Der DAX tat sich lange schwer und fiel im Tagestief bis auf 15.495 Punkte zurück, ehe er sich ab dem frühen Nachmittag dann stetig erholte. Am Ende ging der deutsche Leitindex bei 15.688 Punkten aus dem Handel, ein nur noch moderater Tagesverlust von 0,05 Prozent. Damit lag der Schlussstand ganz nahe am Tageshoch bei 15.689 Zählern, was vor allem technische Analysten als Stärkesignal interpretieren. Im Wochenvergleich ergab sich damit ein leichter Gewinn von rund 0,9 Prozent.

Erster Rückschlag in der Berichtssaison

Mit den gestern nach US-Börsenschluss veröffentlichten Quartalszahlen der beiden Technologie-Schwergewichte Apple und Amazon hat die derzeit so erfolgreich verlaufende Berichtssaison der Unternehmen in den USA aber ihren ersten größeren Dämpfer hinnehmen müssen.

Die bisher überwiegend und überraschend gut ausgefallenen Zahlen der meisten Unternehmen hatten auch den deutschen Markt gestützt. Dies war heute anders. Denn Lieferengpässe, die schon lange den Aufschwung beeinträchtigen, machen sich nun auch bei den beiden US-Großkonzernen bemerkbar.

Apple sorgt sich um das lukrative Weihnachtsgeschäft, denn es kann die hohe Nachfrage nicht bedienen. "Mit diesen Nachrichten hat die bislang überzeugende Berichtssaison einen kräftigen Dämpfer erhalten", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

"Generell lässt sich allerdings sagen, dass die Quartalsberichte der Unternehmen überwiegend positiv ausfielen", gab Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets zu bedenken. "Der heutige Dämpfer könnte also schon in der kommenden Woche wieder Geschichte sein - auch weil die Europäische Zentralbank trotz der steigenden Preise momentan noch keinen Handlungsbedarf weder beim Leitzins noch bei den Anleihekäufen sieht."

Der Markt misstraut der EZB

Apropos EZB: So einfach, wie sich das die EZB-Führung mit der weiteren Entwicklung der Verbraucherpreise denkt, scheint es derzeit nicht zu sein. Denn so mancher Marktteilnehmer will der EZB bei dieser Prognose nicht folgen. "Der Markt glaubt schlicht und ergreifend nicht an den sich deutlich abschwächenden Inflationstrend, welchen die EZB prognostiziert", erklärte Commerzbank-Expertin Thu Lan Nguyen. Ähnlich äußerte sich auch Arne Petimezas vom Finanzdienstleister AFS.

Allerdings ist die EZB in ihrem Zinszyklus weit hinter der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zurück, die ihrerseits vor einem Wechsel des Zinsregimes steht. Eine Reduzierung der Anleihekäufe, im Fachjargon Tapering genannt, ist ausgemachte Sache und an den Märkten bereits eingepreist.

Euro wieder unter 1,16 Dollar

Der Euro ist nach den heute veröffentlichten Daten zum deutschen Bruttoinlandsprodukt sowie zur Inflation und dem BIP in der Eurozone zurückgefallen. Am Nachmittag baute die Gemeinschaftswährung ihre Verluste aus und wird im US-Handel bei 1,1555 Dollar über ein Prozent leichter gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1645 (Donnerstag: 1,1593) US-Dollar fest.

Der Euro gab damit sein leicht erhöhtes Niveau seit der gestrigen Ratssitzung der Europäischen Zentralbank wieder komplett ab, nachdem er sich zuletzt mit der Marke von 1,16 Dollar schwer getan hatte. Da es Notenbankpräsidentin Christine Lagarde nach der Zinssitzung nicht gelungen war, den Inflations- und Zinserwartungen an den Finanzmärkten überzeugend entgegenzutreten, lag zunächst ein gewisser Aufwertungsdruck auf dem Euro, was der deutschen Exportwirtschaft kaum gefallen kann. Der Druck war aber bur von kurzer Dauer, wie die deutliche Reaktion heute zeigte.

Stabile Makro-Daten aus den USA

Fundamental gestützt wurde der Greenback am Nachmittag zudem von stabilen Konjunkturdaten. So stieg der Geschäftsklimaindex für den Großraum Chicago im Oktober um 3,7 Punkte auf 68,4 Zähler, wie die regionale Einkaufsmanagervereinigung heute in Chicago mitteilte. Analysten hatten im Schnitt einen Rückgang auf 63,7 Punkte erwartet.

Auch der an der Börse vielbeachtete Konsumklimaindex der Uni-Michigan legte im Oktober in einer zweiten Schätzung auf 71,7 Punkte zu, Experten hatten mit 71,4 Punkten etwas weniger prognostiziert. Allerdings sank der Index gegenüber Vormonat damit um 1,1 Punkte. Richard Curtin, zuständig für die Verbraucherbefragung, führte die Stimmungseintrübung vor allem auf die erhöhte Inflation zurück.

Die Ausgaben der US-Verbraucher sind derweil im September erneut gestiegen. Die Konsumausgaben erhöhten sich gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent, wie das Handelsministerium heute in Washington mitteilte. Analysten hatten mit der Entwicklung gerechnet. Die privaten Einnahmen sanken hingegen um 1,0 Prozent.

Kryptowährung Ethereum auf Rekordhoch

Im Windschatten der jüngsten Kursrekorde beim Bitcoin decken sich Investoren auch mit Ethereum ein. Die zweitwichtigste Cyber-Devise steigt heute zwischenzeitlich auf ein Rekordhoch von 4456 Dollar. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs fast versechsfacht. Damit übertrifft Ethereum sogar die Bitcoin-Entwicklung deutlich: Die älteste Cyberdevise kommt nur auf ein Plus von gut 100 Prozent. Sie steigt heute ebenfalls und steht etwas über 62.000 Dollar.

Ölpreise beruhigen sich - Gaspreise sinken deutlich

Die Ölpreise gaben stärkere Anfangsgewinne zwischenzeitlich wieder ab, erholten sich danach aber im Gefolge der steigenden Risikobereitschaft der Anleger an den Aktienmärkten wieder. Mehr Bewegung gab es heute bei den Gaspreisen. Nach der Anweisung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Erhöhung der Gaslieferungen nach Europa ist der Preis am Gasmarkt TTF in den Niederlanden stark gefallen. Zwischen Mittwochabend und Freitag fiel der Preis um rund ein Fünftel auf unter 70 Euro pro Megawattstunde.

Ein Drittel des in Europa verbrauchten Erdgases kommt aus Russland. Putin hatte Gazprom insbesondere angewiesen, die Gasspeicher in Deutschland und Österreich zu füllen. Die Gasspeicher in Deutschland sind aktuell nur zu 70 Prozent gefüllt, wie die Analysten betonten. Im EU-Durchschnitt seien die Speicher zu 77 Prozent voll. Normalerweise seien die Speicher zu dieser Jahreszeit - vor der Heizperiode im Winter - zu 90 Prozent gefüllt. 

Daimler trotzt Chipkrise

Der DAX-Konzern Daimler hat trotz des Absatzeinbruchs durch die Chip-Krise im dritten Quartal seinen Gewinn gesteigert. Der auf die Aktionäre entfallende Nettogewinn stieg um 21 Prozent auf 2,47 Milliarden Euro. Der Umsatz lag mit 40,1 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. "Wir bleiben auf Kurs, um unsere Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen", erklärte Finanzchef Harald Wilhelm. Das Daimler-Papier gehörte heute zu den größten Gewinnern im DAX.

MTU wieder mit mehr Schub

Beim Münchner Triebwerksbauer MTU schreitet die Erholung von der Corona-Krise voran. An den Wartungsstandorten des Konzerns stünden die Flugzeuge schon wieder Schlange, berichtete Vorstandschef Reiner Winkler am Freitag bei der Vorlage der Zahlen des dritten Quartals. Doch ganz glatt läuft es noch nicht, und so kappte der Manager seine Umsatzprognose für 2021 leicht. Dafür soll ein eher größerer Teil des Erlöses bei dem DAX-Konzern als Gewinn hängen bleiben. An der Börse kamen die Nachrichten gut an, die MTU-Aktie war Tagessieger im DAX.

Fuchs Petrolub bleibt auf Kurs

Eine hohe Nachfrage der Autoindustrie in China hat dem Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub in den ersten neun Monaten Auftrieb gegeben. Die Erlöse legten um 22 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro zu. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 198 Millionen Euro, ein Plus von 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Ziele für das Gesamtjahr bestätigte der im MDAX notierte Konzern.

Salzgitter mit Ergebnissprung

Im SDAX ist die Salzgitter-Aktie der größte Kursgewinner. Die anhaltend florierenden Geschäfte in den Bereichen Flachstahl und Handel haben in den ersten neun Monaten bei dem Stahlkonzern für einen Sprung des Vorsteuerergebnisses auf 604,5 Millionen Euro gesorgt. Trotz Lieferengpässen hält die Firma an ihren zuletzt nochmals im September angehobenen Prognosen fest.

BNP Paribas verdient deutlich mehr

Die französische Großbank BNP Paribas, eine der größten in der Eurozone, hat im dritten Quartal von einem starken Aktienhandel sowie dem heimischen Privat- und Firmenkundengeschäft profitiert. Damit konnte das Institut eine überraschende Schwäche in der Anleihen-Sparte ausgleichen. Zudem ging die Belastung durch Kreditausfälle wie schon im zweiten Quartal deutlich zurück. Unter dem Strich führte das zu einem Gewinn von 2,5 Milliarden Euro und damit rund einem Drittel mehr als vor einem Jahr, wie die Bank am Freitag in Paris mitteilte.

BBVA mit hohem Gewinn

Auch die spanische Großbank BBVA hat im dritten Quartal dank einer deutlichen Erholung des Heimatgeschäfts und guten Ergebnissen in Mexiko so viel verdient wie selten. Der Überschuss sei in den Monaten Juli bis September im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro gestiegen, teilte die Bank am Freitag in Madrid mit. Dies sei einer der höchsten Quartalsgewinne in der Geschichte des Finanzkonzerns.

Mit dem Ergebnis übertraf die Bank die Erwartungen der Experten. Die seit September wieder im EuroStoxx 50 notierte Aktie legte mehr als fünf Prozent zu.

FDA gibt Biontech-Impfstoff für Kinder frei

Eine großangelegte Impfkampagne für fünf- bis elfjährige Kinder in den USA rückt immer näher: Die US-Arzneimittelbehörde FDA erteilte dem Impfstoff von Biontech/Pfizer am Freitag eine Notfallzulassung für diese Altersgruppe. die geschäftsführende FDA-Chefin Janet Woodcock betonte, das Vakzin des Mainzer Impfstoffentwicklers Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer erfülle die "hohen Ansprüche" der FDA. Die Arzneimittelbehörde erklärte unter anderem, der Impfstoff sei auch bei Kindern unter zwölf Jahren wirksam und sicher.

Der beratende Impfausschuss der FDA hatte am Dienstag eine Notfallzulassung für das Biontech/Pfizer-Vakzin für diese Altersgruppe empfohlen. Diese Notfallzulassung wurde nun offiziell erteilt.  Nun muss noch die Gesundheitsbehörde CDC eine entsprechende Impfempfehlung aussprechen. Ein dort angesiedeltes Expertengremium wird die Frage kommende Woche am Dienstag und Mittwoch prüfen.

Facebook heißt jetzt Meta

Der Facebook-Konzern will sich umbenennen und künftig "Meta" heißen. Es gehe darum, das nächste Kapitel zu schreiben, sagte Firmengründer Mark Zuckerberg. Der Social-Media-Konzern steht unter Druck: Regulierer und Politiker weltweit wollen seine Marktmacht eindämmen und Falschinformationen und Hassrede einen Riegel vorschieben.

Starbucks-Geschäfte florieren - nur nicht in China

Wieder ansteigende Corona-Neuinfektionen in China haben der Kaffeehauskette Starbucks die Bilanz verhagelt. Da in mehreren großen Städten Chinas Starbucks-Läden wieder schließen mussten, fiel dort der Umsatz im abgelaufenen Quartal um sieben Prozent. Insgesamt stieg der Konzern-Umsatz jedoch um 31 Prozent auf ein Rekordhoch von 8,1 Milliarden Dollar. Die Aktie verliert aktuell an der Nasdaq deutlich rund sieben Prozent.

Über dieses Thema berichtete BR24 Börse am 29. Oktober 2021 um 17:41 Uhr und um 18:12 Uhr.