Türkische Lira und US-Dollar | dpa

Währungskrise Türkische Notenbank stützt die Lira

Stand: 01.12.2021 13:57 Uhr

Seit Monaten stürzt die türkische Lira von einem Tief zum nächsten - geschwächt durch Plädoyers von Präsident Erdogan für Zinssenkungen. Nun hat die Notenbank versucht, die Währung zu stabilisieren.

Nachdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Abend erneut eine weitere Zinssenkung angekündigt hatte, stürzte die Lira zum wiederholten Male auf ein Rekordtief. Zeitweise wurden für einen Dollar 14 Lira gezahlt. Damit hat die Währung seit Jahresbeginn fast die Hälfte ihres Wertes verloren - mit verheerenden Folgen für die Teuerung. Das Land ächzt inzwischen unter einer Inflationsrate von 20 Prozent.

Erdogan ist dagegen der Auffassung, dass hohe Zinsen den Preisauftrieb verursachen. Bereits mehrfach legte er der Notenbank in den vergangenen Monaten nahe, die Zinsen zu senken. Derzeit liegt der Leitzins bei 15 Prozent. In einem gestrigen Gespräch mit dem staatlichen Sender TRT versprach der Präsident eine weitere Absenkung des Leitzinses bis zu den Wahlen 2023. Dadurch werde auch die Preisbeschleunigung nachlassen, so seine unorthodoxe Prognose. Von diesem wirtschaftlichen Modell werde er nicht ablassen, so Erdogan.

Erste Intervention seit sieben Jahren

Diesmal jedoch wurde es selbst der regierungstreuen Notenbank zu viel. Zum ersten Mal seit sieben Jahren hat sie eigenen Angaben zufolge Devisen verkauft, um den Kursverfall der Lira im Handel mit dem Dollar aufzuhalten. Die Intervention sei wegen einer "ungesunden Preisbildung" am Markt erfolgt, hieß es in einer am Vormittag veröffentlichten Stellungnahme - offenbar mit Erfolg.

Nach der Intervention konnte sich die Lira ein Stück weit von den jüngsten Kursverlusten erholen. Im Vormittagshandel wurde ein Dollar für 12,66 Lira gehandelt - etwa sechs Prozent mehr als zuvor. Auch gegenüber dem Euro zeigte sich die Lira etwas stärker. Die kräftige Kursbewegung war aber nicht von langer Dauer. Schon im Mittagshandel wurde ein Dollar für 13,15 Lira gehandelt, nur noch zwei Prozent höher als am frühen Morgen. Zuvor hatten Unternehmen vor wirtschaftlichen Problemen durch den Lira-Absturz gewarnt, denn der verteuert die Importe, was die Inflation weiter anheizt.

Dank der schwachen Lira erwartet Erdogan in diesem Jahr ein fulminantes Wachstum der türkischen Wirtschaft von mindestens zehn Prozent. Die Kernindikatoren für die türkische Konjunktur seien sehr stark, und das Land warte auf langfristige Investitionen aus dem Ausland.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Dezember 2021 um 17:26 Uhr.