Das Bankenviertel in der Frankfurter Innenstadt | picture alliance / Geisler-Fotop

Verbandspräsident Schleweis Vorerst keine Fusion von Landesbanken

Stand: 08.09.2021 12:26 Uhr

Seit Jahren plädiert Sparkassenpräsident Helmut Schleweis für eine engere Zusammenarbeit mit den Landesbanken. Die Rede ist von Fusionen und einem gemeinsamen Zentralinstitut. Doch das Projekt stockt.

Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), wirbt weiter für die Gründung eines Zentralinstituts gemeinsam mit den Landesbanken. Dabei hat es seit seinem Amtsantritt 2018, bei dem er das erste Mal für eine engere Zusammenarbeit im öffentlich-rechtlichen Bankensektor geworben hat, kaum Fortschritte gegeben. Auch die Anfang vorigen Jahres in Gang gesetzte Fusion zwischen der Hessischen Landesbank (Helaba) und der zentralen Fondsgesellschaft der Sparkassen, Deka, wurde rasch auf Eis gelegt. Dabei sollte der Zusammenschluss den Nukleus eines Sparkassen-Zentralinstituts bilden, dem sich später auch andere Landesbanken hätten anschließen können. Wegen der Pandemie wurden die Verhandlungen ausgesetzt - und dürften es auf absehbare Zeit auch bleiben.

Äußerungen aus Bayern und Baden-Württemberg, die zu den größten Anteilseignern der Deka gehören, war zuletzt zu entnehmen, dass es auch grundsätzliche Bedenken und Vorbehalte gegen einen Zusammenschluss mit der Helaba gibt. Die Hamburger Sparkasse, die nach Bilanzsumme größte in Deutschland, stimmte ebenfalls gegen das Vorhaben. Enthaltung kam aus Ostdeutschland. Die Anteilseigner warnen davor, das funktionierende Geschäftsmodell des Fondsanbieters Deka leichtfertig aufzugeben. Darüber hinaus verweisen einige Beteiligte darauf, dass eine Fusion extrem komplex wäre.

Wiederaufnahme der Gespräche unwahrscheinlich

So müsse geklärt werden, welche Rolle das Land Hessen künftig bei einem fusionierten Institut spielen sollte. Hintergrund dieser Debatte ist, dass die Landesbanken im Besitz der Länder sind, keines der großen Flächenländer aber die Hoheit über "sein" Institut abgeben möchte. Neben der Helaba gibt es noch drei größere Landesbanken: die LBBW in Stuttgart, die BayernLB in München sowie die NordLB in Hannover.

Somit erscheint es auch Sparkassenpräsident Schleweis unwahrscheinlich, dass die Gespräche zwischen der Helaba und der Deka wieder aufgenommen werden. "Erfolgreiche Gespräche kann man nur führen, wenn es dafür den notwendigen Willen aller Eigner gibt, die zustimmen müssen", sagte er dem "Handelsblatt". Da es diesen nicht gebe, sei es aktuell nicht sinnvoll, sich weiter mit einem Zusammenschluss zu beschäftigen. "Ich verschwende keine Managementkapazitäten auf etwas, was notwendige Teile der Eigner ausdrücklich nicht wollen", so der DSGV-Präsident.

Vorbild Helaba und LBBW?

Ganz aufgeben solle man das Ziel einer Konsolidierung der Landesbanken trotzdem nicht. "Meine Auffassung ist, dass es die Landesbanken zusammen im Wettbewerb leichter hätten als jeweils allein", sagte Schleweis weiter. Auch das Ziel, die Effizienz in der Sparkassen-Finanzgruppe zu erhöhen, sei mit einem Zentralinstitut leichter zu erreichen. In vielen Geschäftsfeldern brauche man eine gewisse Expertise und Skaleneffekte, um sie effektiv betreiben zu können. Und natürlich gehe es bei Konsolidierung immer auch darum, Kosten zu senken. "Deshalb rate ich dazu, das Thema nicht auf die lange Bank zu schieben."

Tatsächlich bieten die Landesbanken zum Teil identische Dienstleistungen an. Dass es dabei auch um Größe und die Bündelung von Kompetenzen geht, haben einige Landesbanken sehr wohl erkannt. So haben Anfang August die Helaba und die LBBW eine engere Zusammenarbeit im Sparkassengeschäft beschlossen. Vorgesehen ist, das Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement mit Sparkassen und deren Kunden in der LBBW zusammenzuführen. Umgekehrt soll die Helaba auch den Auslandszahlungsverkehr für die Sparkassen der LBBW abwickeln. Zudem soll die Helaba das Devisen- und Edelmetallgeschäft der LBBW übernehmen.

Verbandspräsident Schleweis begrüßt das Vorhaben, weil es die Effizienz der Banken erhöhe. "Viele Einzelmaßnahmen sind ja bereits auf dem Weg. Ich bin davon überzeugt: Am Ende wird es ein Zentralinstitut geben", so der DGV-Präsident im "Handelsblatt".

Auch Deutsche Bank für Konsolidierung

Auch Deutsche Bank-Chef Christian Sewing trommelt für Fusionen. "Wir müssen endlich die Größenvorteile Europas nutzen", sagte er auf einer Bankentagung des "Handelsblatts". Es könne nicht im Sinne der hiesigen Banken sein, dass alle globalen Institute ihren Sitz außerhalb Europas hätten. Die Bedeutung von Größe in der Finanzwelt steige exponentiell an. Dringend notwendig sei daher eine gemeinsame Kapitalmarktunion, forderte Sewing, der seit diesem Sommer auch Präsident des privaten Bankenverbands BdB ist.

Für sein eigenes Haus sucht er aber nicht konkret nach einer Partnerbank. "Wir bereiten uns darauf vor, auf Augenhöhe einmal in eine Fusion zu gehen", sagte Sewing. Das größte deutsche Geldhaus scharre aber nicht mit den Hufen, sondern wolle erst fit werden und sich auf die eigene Strategie fokussieren. "Die beste Vorbereitung ist selbst fit zu sein." Die Deutsche Bank sei durch den vor rund zwei Jahren gestarteten Umbau auf einem guten Weg und werde von Quartal zu Quartal fitter. Sewing hatte ganze Abteilungen dicht gemacht und riskante Geschäfte im Investmentbanking abgebaut. Weltweit fallen 18.000 Jobs weg. Bis Ende 2022 soll der Umbau fertig sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. August 2021 um 17:22 Uhr.