Händler an der Frankfurter Börse

Ukraine- und Zinssorgen Warum die Aktienkurse jetzt einbrechen

Stand: 24.01.2022 22:17 Uhr

Die Aktienkurse in Deutschland sind innerhalb eines Tages um 3,8 Prozent eingebrochen. Auslöser waren keine Corona-Sorgen, sondern die jüngste Zuspitzung des Ukraine-Konflikts und das Tempo der Zinserhöhungen in den USA.

Schon seit Wochen lasten die Themen Zinswende und Ukraine-Krise auf den Börsen. Seit Anfang Januar bröckeln die Aktienkurse. Die jüngsten Entwicklungen führten am ersten Handelstag der Woche jedoch zu einem regelrechten Ausverkauf: Der deutsche Leitindex DAX fiel um 3,8 Prozent und rutschte zeitweise unter die Marke von 15.000 Punkten. Das ist der höchste Tagesverlust seit Ende November, als das Auftreten der Omikron-Variante des Coronavirus die Märkte verunsichert hatte, und einer der verlustreichsten Tage seit Beginn der Pandemie.

Auch an der Wall Street setzte sich der jüngste Ausverkauf zunächst fort. Der Leitindex Dow Jones lag zeitweise über drei Prozent im Minus, konnte seine Verluste dann aber eindämmen und schaffte in den letzten Handelsminuten sogar ein Plus von 0,3 Prozent. Der Technologieindex Nasdaq-100 kam nach einer noch stärkeren Aufholjagd auf ein Plus von 0,5 Prozent. Dabei half offenbar die Nachricht vom Abend, dass am Mittwoch weitere Gespräche zwischen Russland und der Ukraine geplant sind.

Aversion gegen Risiken

Warum kam es zu dem heutigen Kursrutsch? Besonders Aktien von Technologieunternehmen und Corona-Gewinnern wurden verkauft. Das ist ein Anzeichen dafür, dass Marktteilnehmer zunehmend Risiken meiden wollen. "Der Risiko-Mix aus geopolitischen Spannungen, einem steigenden Ölpreis und damit der Aussicht auf weiter hohe Inflationsraten und höhere Zinsen sorgt dafür, dass Anleger gerade einen weiten Bogen um Aktien machen", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Zuspitzung in Ukraine-Konflikt beunruhigt

Nachdem das Thema Ukraine an den Börsen angesichts der intensiven diplomatischen Bemühungen zuletzt eine eher untergeordnete Rolle gespielt hatte, wurden die Investoren von der jüngsten Zuspitzung aufgeschreckt. So machte die geplante Truppenaufstockung der NATO in Osteuropa die Risiken der Konfrontation deutlich.

Aus Furcht vor westlichen Sanktionen trennten sich Anleger zudem verstärkt von russischen Aktien. Der Moskauer Leitindex schloss knapp sechs Prozent tiefer.

Sorgen um raschere Zinswende

Zudem wird auch das Thema steigender Zinsen in dieser Woche verstärkt diskutiert, weil die amerikanische Notenbank Fed am Dienstag und Mittwoch tagt. Auf der Pressekonferenz am Mittwoch wird Fed-Chef Jerome Powell weitere Signale für das Tempo der Leitzinserhöhungen geben, die nach der jahrelangen Niedrigzinsphase bereits im Grundsatz angekündigt worden waren. Zuletzt hatten sich die Sorgen gemehrt, dass die Fed mit ihren Zinserhöhungen schneller vorangehen könnte als gedacht. Mittlerweile rechnen die Marktteilnehmer fest mit einer ersten Leitzinserhöhung am 16. März, zudem erwarten manche bereits fünf Zinerserhöhungsschritte der US-Notenbank in diesem Jahr.

Sicher ist, dass die "beste aller Welten" für den Aktienmarkt, also ein extrem niedriges oder sogar negatives Zinsniveau, in diesem Jahr ein Ende finden wird. Das macht zinstragende Anlagen, insbesondere Anleihen, als Alternative zu Aktien tendenziell attraktiver.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Januar 2022 um 17:00 Uhr.