Kurstafel des DAX an der Frankfurter Börse | dpa

Neues Finanzprodukt Auf Kryptowährung folgt Kryptoaktie

Stand: 06.08.2021 16:40 Uhr

Auf der Suche nach immer neuen Anlageformen haben Finanzstrategen ein weiteres Produkt erdacht: Kryptoaktien. Analog zum Kryptogeld existieren sie nur in der virtuellen Welt. Doch dabei gibt es mehrere Haken.

Von Samir Ibrahim, ARD-Börsenstudio

Eines haben die Newcomer der Blockchain-Szene mit den alten Hasen an den Finanzmärkten gemeinsam: Wenn es darum geht, neue Finanzprodukte zu entwerfen und nach Möglichkeit Schlupflöcher der Regulierungsbehörden zu nutzen, dann entwickeln sie viel Fantasie. Nun also die Kryptoaktie, auch Stock Token oder Fake-Aktie genannt.

Der Trick: Diese Aktie gibt es nicht wirklich. Sie ist ein Produkt, das im Computer generiert wird. Sie bildet aber eine real existierende Aktie nach, etwa Amazon oder Facebook. Dieses Prinzip gibt es auch schon am "echten" Finanzmarkt: Dort heißt es Derivat.

Anlagen mit virtuellem Geld

Neu ist: Die Token-Aktie wird nur über Algorithmen gebildet und gehandelt. Das sei an sich nichts Schlechtes, findet Philipp Sandner, Leiter des Blockchain-Centers an der Frankfurt School of Finance: "Sie haben jetzt seit einigen Jahren sogenannte Kryptobörsen, das sind Börsen wie die Deutsche Börse - aber eben nur für Kryptowährungen", sagt Sandner. "Wenn Sie dort Geld haben und Aktien kaufen wollen, dann soll Ihnen künftig dort die Möglichkeit geboten werden, das Geld aus Kryptowährungen zu ziehen und dafür in Aktien zu investieren, wenn Sie das wollen."

Der Handel findet lediglich zwischen Computern statt. Es gebe große Vorteile dieser neuen Form von Aktien, meint Christian W. Röhl, Privatinvestor und Sachbuchautor. Denn die übliche Depotführung entfalle dadurch - was nützlich sei zum Beispiel bei der Übertragung von Aktienpaketen: "Die Depotübertrag deutscher Aktien von einem deutschen Depot auf ein anderes deutsches Depot funktioniert in der Regel ohne Probleme", sagt Röhl. "Aber sobald da irgendwas Internationales dazukommt, haben wir unterschiedliche Clearing-Systeme. Und da muss ich sagen: Depotübertrag grenzüberscheitend oder mit ausländischen Wertpapieren - das gehört zu den letzten Abenteuern unserer Zivilisation."

Kryptoaktien sind teilbar - und damit günstiger

Und noch eines gefällt Röhl sehr gut: Stock Token kann man aufteilen - normale Aktien nicht. "Aktien sind erst einmal handelbar in einem Stück. Das ist aber bei gewissen Titeln für viele Anleger ein Problem", sagt der Experte. So seien die absoluten Preise für Aktien von Amazon, Booking oder Alphabet oftmals vier-, fünf- oder sogar sechsstellig. "Wenn es da die Möglichkeit gäbe, dass die Anteile bruchteilsmäßig gehandelt werden können, wäre das natürlich ein Fortschritt", findet er.

Auf diesem Weg wäre der Aktienmarkt für völlig neue Nutzer interessant, der Zugang noch direkter, leichter und günstiger möglich - und auch teure Aktien erschwinglich. Doch natürlich hat die Sache verschiedene Haken. Wer eine Aktie kauft, hält über sie einen Teil an einem Unternehmen. Das kann, muss aber bei Stock Token nicht so sein. Ob die Token am Ende auch mit echten Aktien abgesichert sind, dürfte der normale Kunde gar nicht immer wissen.

Trotzdem werden sie wie ein Wertpapier verkauft - was wiederum längst die Aufsichtsbehörden auf den Plan gerufen hat. Denn der Wertpapierhandel, sagt Blockchain-Experte Sandner, unterliege aus guten Gründen der Aufsicht: "Das ist auch genau der Punkt, warum sich die Finanzaufsicht BaFin nicht wirklich mit diesen Stock-Tokens anfreunden kann. Ich kann das auch nachvollziehen, ich würde das auch so sehen."

Wie lange spielen die Aufsichtsbehörden mit?

Insofern seien Stock Token eine neue Form der Aktie, mit der sich vor allem rechtliche Anforderungen besser umgehen ließen. Und genau dieses Umgehen der Aufsichtsbehörden ist in Teilen der Krypto- und Blockchain-Szene das erklärte Ziel. Dort wird von einem "alternativen Finanzmarkt" geträumt.

Ob Regierungen rund um den Globus einen solchen Markt tolerieren werden, darf man bezweifeln. Der Handel mit Stock Token jedenfalls wird genau verfolgt, auch von der deutschen Finanzaufsicht. Und dass beispielsweise die chinesische Regierung nicht zimperlich dabei ist einzugreifen, wenn es ihr zu bunt wird, konnte man bei der Einschränkung im Handel mit Bitcoin und Co. jüngst erleben.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. August 2021 um 15:41 Uhr in den Wirtschaftsmeldungen.

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KOMMENTARE

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Opa Klaus 06.08.2021 • 23:47 Uhr

Beeindruckend das neue ist..

Viel lernen ich noch muss. Überfordern mich das alles tut, weil vom Geldautomaten ich mein Geld haben möchte.. möge die Erkenntnis der Einfachheit mit mir sein..