Joachim Nagel | dpa

Neuer Bundesbankpräsident Nagel für EZB-Reaktion auf hohe Inflation

Stand: 09.02.2022 16:36 Uhr

Der neue Bundesbank-Chef Joachim Nagel macht sich für eine straffere Geldpolitik der EZB mit höheren Zinsen noch in diesem Jahr stark. Dies gelte, falls nicht bis März eine Entspannung der anhaltend hohen Inflation absehbar sei.

Der neue Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat sich für Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank noch im laufenden Jahr stark gemacht. "Die Fachleute der Bundesbank halten es aus heutiger Sicht für wahrscheinlich, dass die Inflation im Jahresdurchschnitt 2022 in Deutschland deutlich über vier Prozent liegen wird", sagte Nagel in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit". "Wenn sich das Bild bis März nicht ändern sollte, werde ich mich dafür aussprechen, die Geldpolitik zu normalisieren", fügte Nagel hinzu. "Der erste Schritt ist, die Nettoankäufe von Anleihen im Lauf des Jahres 2022 zu beenden. Dann könnten die Zinsen noch in diesem Jahr steigen."

Im vergangenen Jahr hatte die Teuerungsrate maßgeblich wegen kräftig gestiegener Energiepreise in Deutschland bei 3,1 Prozent gelegen. Im Januar lag sie nach ersten Schätzungen bei 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Nicht zu lange warten

Nagel warnte vor diesem Hintergrund davor, zu lange mit der geldpolitischen Normalisierung zu warten: "Nach meiner Einschätzung sind die ökonomischen Kosten deutlich höher, wenn wir zu spät handeln, als wenn wir frühzeitig handeln." Das zeigten auch Erfahrungen aus der Vergangenheit. "Später müssten wir nämlich kräftiger und in höherem Tempo die Zinsen anheben", führte er aus. Die Finanzmärkte reagierten dann mit mehr Volatilität. "Wenn wir zu lange warten und dann massiver handeln müssen, können die Marktschwankungen stärker ausfallen."

Einer von 21

Nagel, der im Januar die Nachfolge von Jens Weidmann als Präsident der Bundesbank angetreten hatte, ist nur eines von 21 stimmberechtigten Mitgliedern des geldpolitischen Rates der EZB. In jedem fünften Monat ist der Bundesbankchef gar nicht stimmberechtigt. Das ist insofern nicht ganz unerheblich, da die Mitglieder des Rates nicht unbedingt immer eine Linie vertreten.

Im Januar war die Inflation im Euroraum auf 5,1 Prozent hochgeschnellt und damit auf den höchsten Wert seit Beginn der Statistik 1997. Die Notenbank strebt eine jährliche Teuerungsrate von zwei Prozent im Euroraum an und ist zumindest zeitweise bereit, eine abweichende Entwicklung zu akzeptieren.

Der Euro profitiert etwas

Der Euro profitierte von den Aussagen Nagels und stieg daraufhin bis auf 1,1446 US-Dollar. Die Aussagen des Notenbankers wurden als positiv für die Gemeinschaftswährung interpretiert, da nun die Wahrscheinlichkeit etwas größer geworden ist, dass die Zinsdifferenz zwischen den USA und dem Euroraum nicht noch größer wird.

Für die USA werden inzwischen sechs Leitzinserhöhungen im laufenden Jahr erwartet - voraussichtlich beginnend im März. Das so genannte "Fed Watch Tool" der US-Terminbörse CME zeigt, dass im Dezember der Leitzins mit der größten Wahrscheinlichkeit in einer Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent liegen wird. Um diese Zinsniveau zu erreichen, wären sechs Zinsanhebungen der Fed in diesem Jahr nötig - vom derzeitigen Leitzinsniveau von 0,00 bis 0,25 Prozent gerechnet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Februar 2022 um 17:00 Uhr.