Greensill Bank AG in Bremen | REUTERS

Greensill-Pleite Weitere Kommunen betroffen

Stand: 09.03.2021 17:42 Uhr

Das Greensill-Debakel zieht weitere Kreise. Knapp eine Woche nach Schließung der Bank melden sich immer mehr Städte und Gemeinden, die öffentliche Gelder bei dem Bremer Institut angelegt haben.

Nach der Pleite der Greensill Bank teilen immer mehr Kommunen mit, dort Geld angelegt zu haben. So hat die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden nach eigenen Angaben Termingelder von insgesamt 15 Millionen Euro zu Greensill gebracht. Hinzu komme eine Termingeldanlage von fünf Millionen Euro des Eigenbetriebes für Messe, Kongress und Tourismus.

Bundesweit sollen etwa 50 deutsche Kommunen Gelder bei dem Institut im Feuer haben, das die Finanzaufsicht vorerst geschlossen hat. Von den Städten am stärksten betroffen scheint nach bisherigen Informationen das nordrhein-westfälische Monheim am Rhein, das sich auf einen Verlust von bis zu 38 Millionen Euro einstellen muss. Zudem hat der Freistaat Thüringen bekanntgegeben, bei Greensill insgesamt 50 Millionen Euro an Termingeldern angelegt zu haben.

Unter anderen haben Osnabrück 14 Millionen Euro, Gießen zehn Millionen und Emmerich am Rhein sechs Millionen bei dem Institut angelegt. Die nordhessische Gemeinde Schauenburg muss um insgesamt eine Million Euro bangen.

Auch einige öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten bestätigten, Geld bei der Greensill Bank angelegt zu haben. Das sei aber durch die gesetzliche Einlagensicherung vollständig abgesichert.

Insgesamt 500 Millionen Euro in Gefahr?

"Nach interner Überprüfung kann ich nur feststellen, dass vor Abschluss der Termingeldgeschäfte alle zu erfüllenden Kriterien mit der gebotenen Sorgfalt bewertet worden sind", sagte Wiesbadens Stadtkämmerer Axel Imholz. Bei einer Insolvenz der Bank würde die Stadt ihre Forderungen geltend machen. Aktuell lasse sich nicht sagen, "ob und in welcher Höhe uns ein finanzieller Schaden droht".

Insgesamt belaufen sich die Anlagen der Gebietskörperschaften, die nicht über die private oder gesetzliche Einlagensicherung abgesichert sind, laut Insidern auf eine Höhe von etwa 500 Millionen Euro. Das Problem für den Steuerzahler: Seit dem 1. Oktober 2017 profitieren unter anderem Kommunen nicht mehr von der freiwilligen Einlagensicherung der privaten Banken, die in der Regel weit über die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro hinausgeht.

Nach Informationen aus Finanzkreisen stehen bei der Bremer Bank insgesamt rund 3,6 Milliarden Euro an Einlagen im Feuer. Bei der australischen Mutter der angeschlagenen Bank haben inzwischen Insolvenzexperten der internationalen Unternehmensberatung Grant Thornton das Ruder übernommen. In Deutschland hatte die Finanzaufsicht BaFin am 3. März die Bremer Tochter Greensill Bank AG wegen drohender Überschuldung mit sofortiger Wirkung geschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach einer Strafanzeige der BaFin.

Über dieses Thema berichtete WDR5 am 09. März 2021 um 06:38 Uhr.