Greensill Bank AG in Bremen | dpa

Finanzaufsicht handelt BaFin macht Greensill Bank dicht

Stand: 03.03.2021 17:12 Uhr

Die BaFin schließt die Greensill Bank AG. Turbulenzen bei der britisch-australischen Mutter-Gesellschaft haben die Bremer Tochter in Schieflage gebracht. Was heißt das für Sparer?

Die Finanzaufsicht BaFin macht die in Turbulenzen geratene Bremer Greensill Bank AG dicht. Die Tochter des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill werde mit sofortiger Wirkung für den Kundenverkehr geschlossen, teilte die Behörde mit. Durch das Moratorium sollen Vermögenswerte gesichert werden. Wegen drohender Überschuldung wurde ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot erlassen.

Zugleich erstattete die Aufsicht Strafanzeige gegen das Institut, wie ein Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft auf Anfrage sagte. Details nannten weder er noch die BaFin. Die Greensill Bank AG hat laut der Aufsichtsbehörde keine systemische Relevanz. Ihre Notlage stelle daher keine Bedrohung für die Finanzstabilität dar.

"Oase" für deutsche Sparer

Die Greensill Bank galt vielen deutschen Sparern als "letzte Oase". In ihrer Verzweiflung über die andauernde Niedrigzinsphase suchten sie im Internet auf Webseiten wie "Weltsparen" oder "Zinspilot" - in der Hoffnung, wenigstens noch ein paar Prozentchen Zinsen für ihr Geld zu bekommen.

Mit außergewöhnlich hoch verzinsten Tages- und Festgeldangeboten lockte das Institut mit Sitz in Bremen die Kunden. Und sie folgten in Scharen, wie ein Blick in den Jahresabschluss 2019 zeigt: Demnach beliefen sich die Kundenverbindlichkeiten Ende 2019 auf stolze 3,3 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme hatte sich allein zwischen 2017 und 2019 auf 3,8 Milliarden Euro verzehnfacht.

Großkunden zogen die Reißleine

Seit mehreren Tagen wurden die Geschäfte des Geldhauses von den Turbulenzen beim Mutterkonzern Greensill Capital überschattet. Medienberichten zufolge steuert die auf Lieferketten-Finanzierung spezialisierte britisch-australische Finanzgesellschaft auf einen Notverkauf zu. Laut "Bloomberg" befindet sich Greensill Capital derzeit in exklusiven Verhandlungen mit dem Finanzinvestor Apollo über einen Verkauf großer Teile des operativen Geschäfts.

Zuvor hatten mehrere Partner wie etwa die Schweizer Großbank Credit Suisse und das Schweizer Fondshaus GAM ihre Geschäftsbeziehungen zu Greensill Capital gekappt. Wichtige Finanzierungsquellen versiegten damit schlagartig.

BaFin Frankfurt |

Die Turbulenzen bei Greensill haben auch die BaFin auf den Plan gerufen.

"Spareinlagen sind geschützt"

Das Bremer Institut versuchte am Mittwoch, seine Kunden zu beruhigen: "Die Spareinlagen der Kunden sind durch den Einlagensicherungsfonds der deutschen Privatbanken geschützt", sagte ein Greensill-Sprecher.

Durch den Schritt der BaFin sind nun keine Aus- und Einzahlungen bei der Greensill Bank mehr möglich. Dadurch will die Aufsicht sicher stellen, dass die Gläubiger bei einem Entschädigungsfall in gleichem Maße mit der gleichen Geschwindigkeit bedient werden.

Nun greift die deutsche gesetzliche Einlagensicherung. Diese garantiert den Schutz von Einlagen bis zu 100.000 Euro. Der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken zufolge steht das Geld im Schadensfall innerhalb von sieben Tagen bereit.

Bis zu 75 Millionen Euro pro Kunde

Für Summen, die darüber hinaus gehen, ist die Einlagensicherung der privaten deutschen Banken zuständig. Laut einer Anfrage von tagesschau.de beim Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken beläuft sich die Sicherungsgrenze bei der Greensill Bank derzeit pro Einleger auf 15 Prozent der Eigenmittel der Bank zum Zeitpunkt des letzten veröffentlichten Jahresabschlusses. Das macht rund 75 Millionen Euro pro Kunde.

In den Genuss kommen allerdings nur "natürliche Personen", also Privatanleger und rechtsfähige Stiftungen. Die Einlagen von Kreditinstituten, Finanzinstituten, Wertpapierfirmen und Gebietskörperschaften sind seit dem 1. Oktober 2017 nicht mehr grundsätzlich vom deutschen Einlagensicherungsfonds geschützt.

Die Absicherung der Greensill-Kundengelder über die deutsche Einlagensicherung ist ein Unterschied zum Kaupthing-Debakel, das einigen Sparern noch in düsterer Erinnerung sein dürfte. In der Finanzkrise ließen sich Tausende Sparer aus Deutschland von der isländischen Kaupthing-Bank mit immens hohen Tagesgeldzinsen locken - und mussten nach Pleite der Bank im Oktober 2008 monatelang um ihr Geld bangen.

Mit Informationen von Angela Göpfert, tagesschau.de

Über dieses Thema berichtete BR24 am 03. März 2021 um 17:33 Uhr.