Stapel von Münzen liegen auf Euro-Geldscheinen | dpa

BaFin alarmiert Aufsicht nimmt Greensill Bank unter die Lupe

Stand: 03.03.2021 11:29 Uhr

Die Turbulenzen bei der britisch-australischen Greensill-Gruppe überschatten auch die Geschäfte der deutschen Tochter Greensill Bank. Nun wird die Finanzaufsicht aktiv. Was heißt das für Sparer?

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Man findet sie auf Webseiten wie "Weltsparen" oder "Zinspilot": Sparer, die in ihrer Verzweiflung über die andauernde Niedrigzinsphase nach letzten Oasen Ausschau halten, wo sie wenigstens noch ein paar Prozentchen Zinsen für ihr Geld bekommen. Die Greensill Bank war für viele deutsche Sparer eine solche Oase.

Mit außergewöhnlich hoch verzinsten Tages- und Festgeldangeboten lockte das Institut mit Sitz in Bremen die Kunden. Und sie folgten in Scharen, wie ein Blick in den Jahresabschluss 2019 zeigt: Demnach beliefen sich die Kundenverbindlichkeiten Ende 2019 auf stolze 3,3 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme hatte sich allein zwischen 2017 und 2019 auf 3,8 Milliarden Euro verzehnfacht.

Großkunden zogen die Reißleine

Nun werden die Geschäfte des Geldhauses von den Turbulenzen beim Mutterkonzern Greensill Capital überschattet. Medienberichten zufolge steuert die auf Lieferketten-Finanzierung spezialisierte britisch-australische Finanzgesellschaft auf einen Notverkauf zu. Laut "Bloomberg" befindet sich Greensill Capital derzeit in exklusiven Verhandlungen mit dem Finanzinvestor Apollo über einen Verkauf großer Teile des operativen Geschäfts.

Zuvor hatten mehrere Partner wie etwa die Schweizer Großbank Credit Suisse und das Schweizer Fondshaus GAM ihre Geschäftsbeziehungen zu Greensill Capital gekappt. Wichtige Finanzierungsquellen versiegten damit schlagartig.

BaFin-Sonderbeauftragter vor Ort

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin ist bereits alarmiert. "Die Financial Times" berichtete, die BaFin habe einen Sonderbeauftragten in die Greensill Bank entsandt, um direkt vor Ort Kontrolle auszuüben. Oliver Struck, Leiter der BaFin-Pressestelle und Pressesprecher der Bankenaufsicht, wollte das nicht offiziell kommentieren.

Ein Insider bestätigte jedoch gegenüber tagesschau.de, die Spekulationen über einen Sonderbeauftragten der BaFin seien zutreffend. Die Finanzaufsicht werde sich dazu voraussichtlich bald offiziell äußern. Eine Sprecherin der Bundesbank erklärte derweil gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass der BaFin-Sonderbeauftragte von der Bundesbank komme.

BaFin Frankfurt | Unternehmen

Die Turbulenzen bei Greensill haben auch die BaFin auf den Plan gerufen. Bild: Unternehmen

"Spareinlagen sind geschützt"

Das Bremer Institut versuchte am Mittwoch, seine Kunden zu beruhigen: "Die Spareinlagen der Kunden sind durch den Einlagensicherungsfonds der deutschen Privatbanken geschützt", sagte ein Greensill-Sprecher.

Bei der deutschen Einlagensicherung wird eine Entscheidung über das weitere Vorgehen am heutigen Mittwoch erwartet. Nach Informationen von "Finanz-Szene.de" waren bereits am Dienstagabend Vertreter der deutschen Einlagensicherung in Berlin zu einem Krisentreffen zusammengekommen. Dabei soll es um etwaige Verpflichtungen gegangen sein, "die sich aus einer Verschärfung der Lage bei der Greensill Bank ergeben könnten".

Könnte die Greensill Bank tatsächlich nicht mehr ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden nachkommen, müsste die BaFin zunächst ein Moratorium über sie verhängen und sie zum Entschädigungsfall erklären.

Als nächster Schritt würde dann die deutsche gesetzliche Einlagensicherung aktiv werden. Diese garantiert den Schutz von Einlagen bis zu 100.000 Euro. Der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken zufolge steht das Geld im Schadensfall innerhalb von sieben Tagen bereit.

Bis zu 75 Millionen Euro pro Kunde

Für Summen, die darüber hinaus gehen, ist die Einlagensicherung der privaten deutschen Banken zuständig. Laut einer Anfrage von tagesschau.de beim Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken beläuft sich die Sicherungsgrenze bei der Greensill Bank derzeit pro Einleger auf 15 Prozent der Eigenmittel der Bank zum Zeitpunkt des letzten veröffentlichten Jahresabschlusses. Das macht rund 75 Millionen Euro pro Kunde.

In den Genuss würden allerdings nur "natürliche Personen", also Privatanleger und rechtsfähige Stiftungen kommen. Die Einlagen von Kreditinstituten, Finanzinstituten, Wertpapierfirmen und Gebietskörperschaften sind seit dem 1. Oktober 2017 nicht mehr grundsätzlich vom deutschen Einlagensicherungsfonds geschützt.

Die Absicherung der Greensill-Kundengelder über die deutsche Einlagensicherung ist ein Unterschied zum Kaupthing-Debakel, das einigen Sparern noch in düsterer Erinnerung sein dürfte. In der Finanzkrise ließen sich Tausende Sparer aus Deutschland von der isländischen Kaupthing-Bank mit immens hohen Tagesgeldzinsen locken - und mussten nach Pleite der Bank im Oktober 2008 monatelang um ihr Geld bangen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 03. März 2021 um 15:40 Uhr.