Volksbank-Logo an einem Gebäude | picture alliance / dpa

Hohe Risikovorsorge Volksbanken leiden unter der Pandemie

Stand: 13.07.2021 17:32 Uhr

Während die meisten Banken und Unternehmen das Corona-Jahr 2020 längst abgehakt haben, legen die Genossenschaftsbanken erst jetzt ihr Zahlenwerk vor - und berichten über die Belastungen der Pandemie.

Die Corona-Pandemie hat in den Bilanzen der Volks- und Raiffeisenbanken tiefe Spuren hinterlassen. Grund ist eine deutlich höheren Vorsorge für faule Kredite. Sie wurde im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Milliarden Euro auf 2,3 Milliarden Euro angehoben. Das ist einer der Hauptgründe dafür, dass der konsolidierte Vorsteuergewinn auf 7,2 Milliarden Euro gesunken ist, nach rund 10,2 Milliarden Euro im Jahr 2019. Nach Steuern kam die Gruppe 2020 auf einen Jahresüberschuss von gut 5,0 Milliarden Euro (Vorjahr: 7,0).

Zu der Finanzgruppe gehören unter anderen 814 (Vorjahr: 841) Volksbanken und Raiffeisenbanken, die Fondsgesellschaft Union Investment, die R+V Versicherung, die Sparda-Banken sowie die DZ-Bank-Gruppe.

Sorge vor steigenden Insolvenzen

Zwar werde sich die Lage der Institute im Zuge der Konjunkturerholung wahrscheinlich stabilisieren, sagte Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) heute in Frankfurt. Zugleich sei aber durch die Rezession des Jahres 2020 und die für Unternehmen nun nicht mehr ausgesetzte Insolvenzantragspflicht mit steigenden Insolvenzzahlen zu rechnen, auch wenn die Wiederaufnahme der Insolvenzantragspflicht Anfang Mai bisher nicht zu einem großen Anstieg der Insolvenzzahlen geführt habe. Dennoch wollen die Genossenschaftsbanken noch keine Entwarnung geben.

Mit dem im vergangenen Jahr angelegten Puffer von 2,3 Milliarden Euro sei die Gruppe aber für dieses Jahr gut gewappnet. Allerdings leiden die Volks- und Raiffeisenbanken besonders unter der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank. Dass es ihnen dennoch gelungen ist, Zinseinnahmen von 18,4 Milliarden Euro zu erzielen, ist vor allem auf das gute Immobiliengeschäft zurückzuführen. Dank dem gestiegenen Interesse der Anleger am Kauf von Aktien und Fondsanteilen konnten die Genossenschaftsbanken auch die Provisionseinnahmen steigern.

Rückzahlung von Bankgebühren "verkraftbar"

Belastet werden die Volks- und Raiffeisenbanken durch das Urteil des Bundesgerichtshofs zur Rückzahlung von Bankgebühren. Während die privaten Banken von Ausgaben im Volumen von mehreren Hundert Millionen Euro sprechen, halten sich die Genossenschaftsbanken mit Schätzungen zurück. Die Forderungen seien aber für die Geldhäuser der Gruppe "gut verkraftbar", sagte Vorstandsmitglied Gerhard Hofmann. Es gehe in den jeweiligen Fällen in der Regel um keinen hohen Beträge.

Kein Kunde müsse ich von sich aus melden, ergänzte BVR-Präsidentin Kolak. Alle Bestandskunden seien informiert worden, es folgten Einzelgespräche. Der Bundesgerichtshof hatte im April entschieden, dass Banken bei Änderungen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Zustimmung der Kunden einholen müssen. Die Klausel, wonach Geldhäuser von einer stillschweigenden Zustimmung ausgehen können, wenn Kunden einer Änderung nicht binnen zwei Monaten widersprechen, benachteilige Verbraucher unangemessen. Viele Bankkunden können nun einen Teil zu viel gezahlter Gebühren zurückfordern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. April 2021 um 18:40 Uhr.