Gamestop-Geschäft in New York

Mögliche Korruption Gamestop-Fall erreicht die Justiz

Stand: 30.01.2021 14:49 Uhr

Im Streit zwischen Hobby-Anlegern und Hedgefonds um die Spekulationen mit Gamestop-Aktien schaltet sich nun die Justiz ein. Gerichte wollen prüfen, ob die Handelsbeschränkung der Broker korrekt war.

Kam es im "Zocker-Krieg" um die Gamestop-Aktie zu illegalen Absprachen zwischen Brokern und Hedgefonds? Dieser Frage gehen in den USA nun auch die ersten Justizbehörden nach. Der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton teilte am Freitag (Ortszeit) mit, Informationen von Robinhood und einer Reihe weiterer Online-Broker angefordert zu haben, um herauszufinden, ob bei den Beschränkungen des Handels mit Papieren von Gamestop und einigen anderen Firmen alles mit rechten Dingen zugegangen sei.

Es gebe anscheinend Absprachen von Hedgefonds mit Handelsplattformen und Web-Servern zur Abwehr von Bedrohungen ihrer Marktdominanz. Die Unternehmen der Wall Street dürften nicht zu ihrem eigenen Vorteil den öffentlichen Zugang zum freien Markt beschränken, teilte der Staatsanwalt mit. "Es stinkt nach Korruption."

In Online-Foren organisierte Hobby-Zocker hatten in den vergangenen Tagen den Kurs der Gamestop-Aktie dramatisch nach oben getrieben - bis die Handelsrestriktionen von Brokern wie Robinhood die Gewinnstrecke stoppten. Hedgefonds, die auf den Verfall angeschlagener Firmen setzen, machten extrem hohe Verluste. Daher gibt es den Verdacht, dass die Handelsplattformen ihnen den Rücken freihalten und Kleinanleger gegenüber Wall-Street-Großinvestoren benachteiligen.

Auch die US-Politik reagiert empört

Robinhood und Co., die sich großer Popularität bei jungen Kleinanlegern erfreuen, streiten dies ab. Firmenchef Vlad Tenev hatte via CNBC mitgeteilt, Beschränkungen dienten dem Schutz des eigenen Unternehmens und seiner Kunden. Doch die Empörung ist nicht nur bei der Anleger-Community groß, sondern auch in der Politik. New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James will ebenfalls ermitteln.

Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren sagte dem US-Sender CNBC, der Aktienmarkt sei ein Casino geworden. Manipulateure würden den Markt nach oben oder unten treiben, um Gewinne zu machen: "Milliardäre und einige Hedgefonds beklagen sich jetzt lautstark, weil sie nicht die einzigen sind, die Geld machen, wenn die Manipulation funktioniert."

Hedgefonds agieren als sogenannte Short-Seller, indem sie die Aktie leerverkaufen: Sie leihen sich den Titel und verkaufen ihn in der Hoffnung, sie später zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen zu können.

"Super-Gau"

Auch in Deutschland regt sich schwere Kritik an den Brokern. Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: "Dass Neobroker nun den Handel mit der Aktie aussetzen, ist der Super-Gau. In einer solch intensiven Situation entziehen sie den Anlegern die Grundlage, frei agieren zu können."

Es stelle sich die Frage nach der Grundlage, betonte Tüngler. Sei die Möglichkeit für Robinhoods Schritt in den AGB festgehalten, entstehe für den Broker ein Reputationsschaden. "Ist es nicht festgehalten, haben wir ein ernstes rechtliches Problem."

Sammelklage und massenhaft Beschwerden

Ein Risiko auch für die Börsen in der EU sieht der Grünen-EU-Politiker Sven Giegold. "Wir sollten nicht abwarten, bis es ähnliche Probleme auch in der EU gibt", warnte er gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Große Leerverkaufspositionen gebe es derzeit auch auf europäische Unternehmen wie Varta oder Evotec. "Für mich deutet dies darauf hin, dass die Regeln für Leerverkäufe, die nach der großen Finanzkrise eingeführt wurden, die Marktintegrität nicht wirksam gewährleisten."

Am Freitag hatten die Papiere von Gamestop mit 68 Prozent im Plus geschlossen, die der ebenfalls stark im Fokus der Spekulationen stehenden Kinokette AMC legten um 54 Prozent zu. Am Donnerstag waren die Handelsbeschränkungen zumindest etwas gelockert worden. Doch der Frust der Anleger über Robinhood ist inzwischen so groß, dass sich weit mehr als 20.000 von ihnen über eine spezielle App bereits einer Sammelklage anschlossen.

Die US-Börsenaufsicht SEC hatte vor Handelsstart erneut bekräftigt, die Vorgänge rund um den Gamestop-Hype zu untersuchen. Die SEC versprach, Kleinanleger zu schützen, wenn die Faktenlage auf manipulative Handelsaktivitäten hinweise. Die Aufsicht werde für "faire, ordentliche und effiziente Märkte" sorgen.

Angesichts der großen Aufregung richtete die Behörde extra ein Online-Formular ein und forderte betroffene Anleger zudem auf, sich per E-Mail oder Telefon-Hotline an die SEC zu wenden. Dem Finanzsender CNBC zufolge waren am Freitagnachmittag bereits 4000 Beschwerden eingegangen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Januar 2021 um 15:00 Uhr.

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Moderation 30.01.2021 • 23:08 Uhr

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