US-Notenbankchef Jerome Powell | REUTERS

Krisenhilfen der US-Notenbank Federal Reserve drosselt Anleihekäufe

Stand: 03.11.2021 19:44 Uhr

Noch in diesem Monat beginnt die US-Notenbank damit, aus ihrem Krisenmodus auszusteigen. Die milliardenschweren Anleihekäufe will die Federal Reserve schrittweise senken. Doch wann steigen die Zinsen?

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) will noch in diesem Monat damit beginnen, ihr massives Programm zum Kauf von Anleihen herunterzufahren. Derzeit kauft sie für monatlich 120 Milliarden Dollar vor allem Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere. Den Kauf von US-Staatspapieren will die Fed nun pro Monat um 10 Milliarden Dollar senken, wie der Offenmarktausschuss der Notenbank nach einer zweitägigen Sitzung mitteilte. Bei Hypothekenpapieren sollen die Käufe pro Monat um 5 Milliarden Dollar reduziert werden.

Die Drosselung der Käufe ab Mitte November bedeutet, dass das Programm im Juni 2022 komplett beendet wäre. Die Anleihekäufe sollen nach Angaben der Federal Reserve Anfang Dezember weiter abgesenkt werden. Die Zentralbank behält sich dabei Änderungen an ihrem Plan vor. In einer Mitteilung verwies die Fed auf "substanzielle weitere Fortschritte" bei ihrem Ziel, möglichst Vollbeschäftigung und eine Inflationsrate von durchschnittlich 2 Prozent zu erreichen.

Starkes Wachstum erwartet

Angesichts der fortschreitenden wirtschaftlichen Erholung in den USA nach dem Corona-Einbruch läutet die Federal Reserve damit eine Normalisierung ihrer Geldpolitik ein. Denn die Käufe haben ihre Bilanz auf den Rekordwert von 8,5 Billionen Dollar steigen lassen. Bereits im Sommer hatte Fed-Chef Jerome Powell signalisiert, dass er die wegen der Pandemie beschlossenen Maßnahmen zurückgefahren will, sobald sich die Wirtschaft von den Folgen erholt hat.

Die Vereinigten Staaten erwarten für dieses Jahr ein Wachstum von über sechs Prozent. Die Notenbank hat jedoch stets darauf geachtet, die seit Jahren an die Geldschwemme gewöhnten Wertpapiermärkte nicht zu beunruhigen und beim Ausstieg aus dem Krisenmodus behutsam vorzugehen. Denn die Wertpapierkäufe und die Nullzinspolitik haben für einen kräftigen Anstieg der Vermögenswerte gesorgt und die Aktienmärkte auf immer neue Höhen getrieben.

Erster Zinsschritt Ende 2022?

Allerdings ist die Drosselung der Anleihe-Käufe - im Fachjargon auch Tapering genannt - Branchenbeobachtern zufolge nur ein erster Schritt in Richtung einer geldpolitischen Normalisierung. Der zweite wäre die Anhebung der Leitzinsen. Mit Spannung blicken Investoren deshalb darauf, welche Signale Notenbankchef Powell zu möglichen Zinserhöhungen sendet.

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), hat eine Zinserhöhung in der Eurozone im kommenden Jahr als sehr unwahrscheinlich bezeichnet. In den USA erwartet etwa die Deutsche Bank den ersten Zinsschritt der Fed im Dezember 2022. Ökonomen anderer Geldhäuser sind vorsichtiger und prognostizieren einen solchen Schritt erst für Anfang 2023.

Als entscheidend für die Zinspolitik gilt die weitere wirtschaftliche Erholung - und die Entwicklung auf dem US-Arbeitsmarkt. Der hat sich im Oktober überraschend dynamisch entwickelt. Unter dem Strich schuf die Privatwirtschaft 571.000 neue Stellen, wie aus der neuesten Umfrage des Personaldienstleisters ADP hervorgeht.

Über dieses Thema berichtete BR24 Börsennachrichten am 03. November 2021 um 19:20 Uhr.