Jerome Powell gilt als heißer Kandidat für die Nachfolge von Fed-Chefin Janet Yellen. | REUTERS

US-Geldpolitik Zinserhöhung rückt immer näher

Stand: 23.09.2021 10:15 Uhr

Zwar hat die US-Notenbank zur Zinserhöhung und Drosselung der Anleihekäufe noch nichts beschlossen. Aber die Signale der Federal Reserve sind eindeutig: Eine geldpolitische Straffung ist nur eine Frage der Zeit.

Die US-Notenbank Federal Reserve bereitet die Finanzmärkte immer deutlicher auf die Straffung der Geldpolitik vor. Die Fed beließ den Leitzins auf ihrer gestrigen Zinssitzung zwar noch in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Allerdings signalisierten die Währungshüter in ihrem Ausblick, dass es nächstes Jahr eine Erhöhung geben könnte: Im Juni hatten sich noch sieben von 18 Mitgliedern des geldpolitischen Ausschusses für einen ersten Zinsschritt im Jahr 2022 ausgesprochen, jetzt sind es bereits neun.

Sollte dieser Fall eintreffen, würden die Zinsen immerhin ein Jahr früher als bislang angepeilt erhöht. Derzeit plädieren 17 von 18 Notenbankern für mindestens einen Zinsschritt bis Ende 2023.

Konturen einer Exit-Strategie  

Außerdem steht die Drosselung der Anleihekäufe, das sogenannte "Tapering", fast unmittelbar bevor. Aktuell stützen die Notenbanker den Anleihemarkt im Umfang von monatlich 120 Milliarden Dollar. Womöglich werde der Startschuss dafür im November fallen, so Fed-Chef Jerome Powell. Die Anleihenkäufe seien noch sinnvoll, doch es sei an der Zeit, sie herunterzufahren, sagte er. Mitte nächsten Jahres könnte demnach der Prozess bereits abgeschlossen sein. Voraussetzung bleibt, dass sich die Erholung auf dem Arbeitsmarkt und das Anziehen der Konjunktur fortsetzt.

Auch die hohe Inflation bleibt ein Argument für eine straffere Geldpolitik:  Die Notenbank geht in ihrer neuen Prognose davon aus, dass die Inflation dieses Jahr auf einen Wert von 4,2 Prozent steigen wird - das wäre mehr als doppelt so hoch wie von der Fed angestrebt. "Für die Fed zeichnet sich jetzt die Exit-Strategie in ersten Konturen ab", resümierte ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann die Zinssitzung. Powell wies aber darauf hin, dass die Messlatte für Zinserhöhungen deutlich höher liege als für das "Tapering".

"Feuerwerk falkenhafter Aspekte"

Die Finanzmärkte schenken den Äußerungen der US-Notenbanker größte Beachtung, weil die künftige Zinspolitik für die Handelsstrategien der Investoren von erheblicher Bedeutung ist. Berechenbarkeit ist dabei ein wesentlicher Faktor: Um Überraschungen und damit notwendig zusammenhängende heftige Marktreaktionen zu vermeiden, bereiten die Währungshüter etwaige Änderungen der Geldpolitik möglichst langfristig vor.  

Als Fazit der aktuellen Sitzung wird deutlich, dass die Befürworter einer strafferen Geldpolitik, die sogenannten Falken, in der Fed das Ruder übernehmen. Commerzbank-Experte Ulrich Leuchtmann spricht von einem "Feuerwerk falkenhafter Aspekte": Die "Tapering"-Ankündigung, die Powell in Jackson Hole noch "durch die Blume" formuliert habe, sei nun im Statement des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) offiziell geworden. Außerdem habe Powell angedeutet, dass die "Tapering"-Geschwindigkeit recht hoch sein dürfte, so Leuchtmann.

Indes führt der Beginn einer Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik, die jahrelang Aktienkurse und Vermögenspreise in die Höhe getrieben hat, bei vielen Marktakteuren auch zu Bedenken: Mit diesem Schritt riskiere die Notenbank einen Rückschlag bei der Konjunkturentwicklung, so Emily Roland, Co-Chief-Investment-Stratege bei John Hancock Investment Management.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. September 2021 um 09:00 Uhr.