US-Notenbankchef Jerome Powell | AFP

Reaktion auf Inflation Fed deutet schnelleren Kurswechsel an

Stand: 06.01.2022 10:22 Uhr

Im Dezember verkündete die US-Notenbank Fed den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Dieser könnte noch schneller erfolgen als allgemein erwartet, wie Protokolle der Sitzung zeigen. Die Finanzmärkte reagierten sofort auf diese Aussichten.

Die Federal Reserve (Fed) bereitet die Märkte auf einen noch schnelleren Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik vor. Die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses hätten festgestellt, dass die Inflationsentwicklung höher und hartnäckiger gewesen sei als zuvor angenommen, heißt es in dem gestern Abend veröffentlichten Protokoll (Minutes) der Sitzung der US-Notenbank vom 14. bis 15. Dezember.

Angesichts der Entwicklung der Wirtschaft, des Arbeitsmarktes und der Inflation könne eine schnellere Anhebung der Zinsen gerechtfertigt sein, als dies zuvor erwartet wurde. Zudem sollte nach Einschätzung einiger Mitglieder schon kurz nach der ersten Erhöhung mit der Verringerung der Bilanzsumme der Fed begonnen werden. Durch die umfangreichen Anleihenkäufe war diese zuletzt auf rund 8,8 Billionen Dollar angeschwollen.

Mehr als drei Zinserhöhungen in diesem Jahr?

Die Fed hatte auf der letzten Sitzung des Jahres im Dezember auf die hohe Inflation reagiert und eine zügige Abkehr vom Krisenmodus beschlossen. Im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank (EZB) will sie aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik aussteigen. Zum einen wurden die milliardenschweren Käufe von Anleihen zur Stützung der Konjunktur schneller zurückgefahren. Ab Mitte Januar soll das Tempo der Verringerung auf 30 Milliarden Dollar monatlich verdoppelt werden. Das Kaufprogramm wird damit voraussichtlich im März auslaufen.

Zum anderen wurden frühere und raschere Zinsanhebungen in Aussicht gestellt. Für 2022 werden drei Zinserhöhungen erwartet. Damit könnte der geldpolitische Schlüsselsatz am Ende des laufenden Jahres in einer Spanne von 0,75 bis 1,0 Prozent liegen. Aktuell liegt er in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Inzwischen taxiert das Fed-Watch-Tool des Börsenbetreibers CME die Wahrscheinlichkeit auf über 70 Prozent, dass die Notenbank bereits im März damit beginnt, die Leitzinsen anzuheben.

Der Ton der Protokolle lege nahe, dass die Notenbank mit der Straffung ihrer Geldpolitik schneller beginnen und diesen Kurs womöglich noch verstärken werde, kommentierte Kim Rupert, Analystin von Action Economics. "Sie sind sehr besorgt, dass ihnen die Inflation außer Kontrolle gerät." Zudem sei auf dem Treffen die Notenbank-Bilanz detaillierter diskutiert worden als sie es erwartet habe. Damit werde der Markt auf womöglich vier Zinsschritte in diesem Jahr eingestimmt. Ähnlich äußerte sich Dave Donabedian, Chef-Investmentstratege von CIBC Private Wealth. Die Fed-Protokolle hätten klar gemacht, dass 2022 mehr als drei Zinserhöhungen und eine Verkleinerung der Bilanz auf dem Tisch lägen, erklärte er.

Inflation auf höchstem Stand seit fast 40 Jahren

Die Inflation in den USA war im November auf 6,8 Prozent geklettert. Das ist der höchste Wert seit Juni 1982. Aus der Corona-Krise resultierende Lieferprobleme, Materialengpässe und geradezu explodierende Energiekosten trieben die Teuerungsrate zuletzt nach oben. Die Fed achtet bei der Inflationsentwicklung besonders auf die persönlichen Ausgaben der Verbraucher. Dabei bleiben Nahrungsmittel- und Energiekosten unberücksichtigt. Auch diese Jahresteuerungsrate (PCE-Kernrate) lag im November jedoch bei 4,7 Prozent. Das ist immer noch mehr als doppelt so hoch wie das Fed-Ziel von zwei Prozent.

Lange hatte die Zentralbank darauf gepocht, dass die steigenden Preise nur eine vorübergehende Entwicklung seien. Davon scheinen die Währungshüter jetzt endgültig abgerückt zu sein. Aus den Protokollen geht zudem hervor, dass sie die Lage auf dem Arbeitsmarkt als sehr angespannt betrachten. Dabei wurde auf fast rekordhohe Zahlen zu Kündigungen und offenen Stellen verwiesen sowie auf ein Anziehen der Löhne. Viele Fed-Mitglieder vertraten auf dem Treffen die Ansicht, dass Vollbeschäftigung schnell erreicht werde, sollte die Entwicklung anhalten.

Die Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus dürfte nach Einschätzung der Mitglieder den wirtschaftlichen Erholungspfad nicht gefährden. Allerdings könnten Lieferengpässe länger andauern. Dies werde sich möglicherweise auf den Inflationsausblick auswirken. Im Dezember war die Omikron-Variante in den USA aber noch nicht so verbreitet wie derzeit.

Aktienmärkte unter Druck

Die Details aus den Dezember-Protokollen haben gestern die Kurse an den US-Börsen ins Rutschen gebracht. Der Leitindex Dow Jones, der vor der Veröffentlichung der Minutes noch auf ein Rekordhoch knapp unter 37.000 Punkten gestiegen war, schloss 1,07 Prozent schwächer. Auch der S&P 500, der am Dienstag eine neue Bestmarke erreicht hatte, gab um 1,94 Prozent auf 4700,58 Zähler nach. Am US-Rentenmarkt zogen zugleich die Renditen an und auch der US-Dollar legte zu.

Die Furcht vor höheren Zinsen belasteten vor allem Technologiewerte. So sackte der technologielastige Nasdaq 100 um mehr als drei Prozent ab. In Phasen steigender Zinsen halten sich Unternehmen oft mit Investitionen in IT und Software zurück. Zudem hatten besonders die Aktien von als wachstumsstark geltenden Tech-Unternehmen in den vergangenen Jahren von der Notenbankpolitik des billigen Geldes profitiert. Sie gelten bei vielen Beobachtern mittlerweile als hoch bewertet und entsprechend anfällig für größere Kurskorrekturen. Die Aktien des Google-Konzerns Alphabet, der Facebook-Mutterfirma Meta und des Software-Konzerns Microsoft gaben zwischen 3,7 und 4,6 Prozent nach.

Auch an der Frankfurter Börse dämpfen die Zinssorgen die Stimmung der Anleger. Der DAX verlor am Morgen in den ersten Handelsminuten 1,2 Prozent auf 16.073 Zähler. "Die Aktien fallen kräftig, angeführt von Techs", hieß es von der Commerzbank. Das Handelshaus Oanda sprach gar von einer "Implosion von Tech-Aktien".

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Januar 2022 um 06:36 Uhr und 09:37 Uhr.

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Moderation 06.01.2022 • 19:00 Uhr

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