Eine Person geht eine Treppe hinunter vor dem Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt | picture alliance/dpa

Folgen der EZB-Politik Niedrigzinsen belasten ärmere Haushalte

Stand: 07.09.2021 08:52 Uhr

Die Nullzins-Ära, in der die Bundesbürger seit Jahren leben, hat Auswirkungen auf ihre Vermögensbildung. Eine neue Studie zeigt: Ärmere Haushalte werden dadurch eher benachteiligt, Immobilienbesitzer sind die Gewinner.

Niedrige Leitzinsen im Rahmen der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgen zwar nicht für eine grundlegende Umverteilung der Vermögen in Deutschland, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus Köln. Doch die jahrelange EZB-Politik der Minizinsen hat der Studie zufolge den Vermögensaufbau von Menschen mit geringerem Einkommen in Deutschland erschwert.

In dieser Gruppe spielen vor allem Bankguthaben und Lebensversicherungen eine wichtige Rolle bei der Vorsorge und dem Aufbau von Vermögen. Genau diese Anlagen bringen wegen der faktischen Nullzinsen aber kaum Rendite. "Ein erschwerter Vermögensaufbau belastet vor allem die jüngeren Haushalte, sofern die Niedrigzinsphase noch länger anhalten wird", so die Autoren. Die Studie untersuchte, welche Folgen die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) über verschiedene Wirkmechanismen auf die Vermögensverteilung in Deutschland hatte.

Immobilieneigentum profitiert

"Unsere Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass einige Haushalte von der expansiven Geldpolitik profitieren konnten und andere nicht", heißt es vom IW. Zu den Gewinnern der Niedrigzinspolitik der EZB gehören danach vor allem Haushalte, die in der Vorkrisenzeit Immobilien gekauft und finanziert haben. Sie konnten in der Phase sinkender Zinsen ihre Belastung durch Kreditkosten verringern. Gleichzeitig profitieren sie von steigenden Immobilienpreisen. Wer jedoch eine Immobilie in den Jahren nach dem Start der Nullzinsphase erworben habe, profitiere nun weniger, da er bereits zu hohen Preisen Immobilienvermögen aufgebaut habe.

Um ärmere Haushalte bei anhaltenden Tiefstzinsen beim Vermögensaufbau zu unterstützen, plädieren die Verfasser der Studie für eine Erhöhung der Arbeitnehmersparzulage. Zudem müsse die Aktienkultur in Deutschland konsequenter gefördert werden. Auch ein staatlicher Pensionsfonds, der auch in Aktien investiere, sei wünschenswert.

Die Studie hat aber auch positive Auswirkungen der EZB-Zinspolitik zutage gefördert. Denn eine expansive Geldpolitik während eines Abschwungs kann den Arbeitsmarkt stabilisieren. Dies sei vor allem für jene Länder des Euro-Raums relevant, deren Arbeitslosigkeit während der globalen Finanzkrise und der Banken- und Staatsschuldenkrise stark gestiegen war. In Deutschland habe sich die Arbeitslosenquote in den Krisenzeiten allerdings wegen der Kurzarbeitergeld-Programme nicht so kräftig erhöht. Daher sei dieser Effekt der Geldpolitik hierzulande auch nicht so ausgeprägt gewesen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. September 2021 um 12:27 Uhr.