Boris Vujcic redet bei einer Konferenz 2019 in Dubrovnikc | picture alliance / PIXSELL

Europäische Zentralbank Der Neue im EZB-Rat

Stand: 25.01.2023 08:56 Uhr

Er ist der Neue am Tisch der geldpolitischen Macht: Boris Vujcic, Chef der kroatischen Zentralbank. Mit dem Eintritt seines Landes in die Eurozone bekommt er nun einen Platz im EZB-Rat.

Bei der ersten Ratssitzung der EZB in diesem Jahr sitzt heute ein neues Mitglied mit am Tisch: Boris Vujcic, der Chef der kroatischen Notenbank. Bereits kurz nach Einführung des Euro zu Jahresbeginn hatte er medienwirksam 50 Euro von einem Geldautomaten in Zagreb abgehoben und die drei Scheine stolz präsentiert.

Der 58-Jährige ist das 27. Mitglied im EZB-Rat, dem obersten Beschlussorgan der Europäischen Zentralbank. Dem EZB-Rat gehören neben den Präsidenten der staatlichen Notenbanken auch sechs Mitglieder des Direktoriums an. Derzeit besteht die Eurozone aus 20 Mitgliedsstaaten. Ihre Notenbankchefs entscheiden gemeinsam mit dem EZB-Rat über den geldpolitischen Kurs der Eurozone.

Euro-Geldscheine und -Münzen | AFP
Die Eurozone

Die Eurozone beschreibt die Gruppe von Staaten, die als gemeinsame Währung den Euro haben. Die Währungsunion hat mittlerweile 20 Mitglieder: Seit der Gründung 1999 mit elf Staaten - Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien - traten Griechenland (2001), Slowenien (2007), Malta und Zypern (2008), der Slowakei (2009), Estland (2011), Lettland (2014) und Litauen (2015).

Damit haben nicht alle Mitgliedsländer der EU auch den Euro als Währung. Mit Ausnahme von Dänemark, für das eine Sonderregelung gilt, sind sie grundsätzlich verpflichtet, der Währungsunion beizutreten, sobald sie die im EG-Vertrag festgelegten Konvergenzkriterien erfüllen. Diese Kriterien sind Preisstabilität, Höhe der langfristigen Zinsen, Haushaltsdisziplin und Wechselkursstabilität.

Seit 2000 bei der Notenbank

Vujcic sagte dem US-Nachrichtensender CNN, er wolle als ein "vernünftiger Zentralbanker" agieren und dazu beitragen, dass die Inflationsrate in Richtung des Ziels von zwei Prozent gedrückt werde. Denn Inflation sei sowohl für das Wachstum als auch für den Lebensstandard schädlich. Irgendwann könne die EZB dann ihren Straffungskurs beenden. "Aber wir sollten nicht früher aufhören als notwendig, um die Inflation herunterzubewegen auf unser mittelfristiges Ziel von zwei Prozent," warnte er.

Der 1964 in Zagreb geborene Vujcic begann seine berufliche Laufbahn 1989 als Assistent an der Zagreber Wirtschaftsfakultät. 1996 wurde er zum Leiter der Forschungsabteilung der Kroatischen Nationalbank ernannt. Ein Jahr später bekam er eine Position als Dozent an der Zagreber Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, 2003 erhielt er eine außerordentliche Professur.

Zur kroatischen Notenbank kam er bereits im Jahr 2000. Damals wurde er Vizegouverneur, bevor er 2012 die Leitung der Zentralbank übernahm. Bereits zu Beginn seiner Amtszeit sprach sich Vujcic dafür aus, dass Kroatien der Eurozone beitreten sollte.

Der richtige Schritt für Kroatien

Die Kuna war vom 30. Mai 1994 bis zum 31. Dezember 2022 die Währung der Republik Kroatien. Das Balkanland hatte den Wechselkurs der Kuna zunächst an die D-Mark und dann an den Euro gekoppelt. Das bedeutet, dass der Kurs der kroatischen Kuna im Gegensatz zu dem anderer Währungen nicht durch den internationalen Finanzmarkt gebildet wurde. Stattdessen legt ihn die kroatische Nationalbank fest. Darum galt die Kuna als stabile Währung.

Für sein Land sei eine Mitgliedschaft in der Eurozone nun ein sinnvoller Schritt, sagte Vujcic dem US-Sender CNN. Gleichzeitig widersprach er den Befürchtungen, dass Kroatien das neue Sorgenkind der Währungsunion werden könnte. Er erwarte ein moderates Wachstum von 1,4 Prozent im laufenden Jahr. Zudem habe die kroatische Regierung die Staatsverschuldung kräftig verringert: Von einer Staatsverschuldungsquote über 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts habe sich der Wert im vergangenen Jahr unter 70 Prozent gesenkt.

Geringe Ausfallwahrscheinlichkeit

Analysten der DZ-Bank gaben ein positives Fazit ab: Die Ausfallwahrscheinlichkeit kroatischer Staatsanleihen in den kommenden drei Jahren sei beim derzeitigen Ranking von BBB+ gering.

"Mit Ausnahme des Corona-Krisenjahres liegt Kroatiens Wirtschaftsleistung seit Jahren bereits deutlich über dem EWU-Durchschnitt, die Wirtschaftsleistung pro Kopf ist aber eher gering," schrieb DZ-Bank-Analyst Sebastian Fellechner. Das Land mit seinen rund vier Millionen Einwohnern könne durch den Beitritt zur Währungsunion künftig auf potenzielle Unterstützung seitens der EWU-Institutionen setzen.

"Eine fröhliche Familie"

"Willkommen in der Familie", sagte EZB-Chefin Christine Lagarde bei einer virtuellen Grußbotschaft zum Euro-Beitritt Kroatiens. Es sei eine fröhliche Familie, so die EZB-Präsidentin. Allerdings stimmte sie das künftige Mitglied auch schon auf harte Diskussionen ein, denn nicht immer sei man im EZB-Rat einer Meinung und ringe miteinander.

Mit Informationen von Lilli-Marie Hiltscher