Kran mit Evergrande Logo auf einer Baustelle in Hangzhou | picture alliance / Long Wei / Co

Angespannte Finanzlage So will Evergrande jetzt Zeit gewinnen

Stand: 05.01.2022 11:20 Uhr

Der negative Nachrichtenfluss zu China Evergrande reißt nicht ab. Der in finanzielle Schwierigkeiten geratene Baukonzern möchte den Zahlungstermin für demnächst fällige Auszahlungen verschieben.

Das neue Jahr verläuft für Evergrande so gar nicht nach Plan. Am Montag wurde der Handel der Aktie in Hongkong ausgesetzt. Zudem wurde bekannt, dass der zweitgrößte chinesische Baukonzern auf der Insel Hainan im Süden Chinas 39 Gebäude abreißen muss. Gestern berichtete Evergrande über einen Umsatzeinbruch im Jahr 2021.

Zur Wochenmitte tröpfelte nun die nächste Hiobsbotschaft herein: China Evergrande will den Rückzahlungstermin für demnächst fällige Anleihezinsen um ein halbes Jahr vom 8. Januar auf den 8. Juli verschieben. Die vorgeschlagene Änderung sei auf die Finanzlage zurückzuführen, teilte der Konzern ohne nähere Angaben mit.

Anleihehandel ab morgen ausgesetzt

Evergrande lädt dazu seine Gläubiger vom 7. bis 10. Januar zu einer Online-Besprechung und anschließender Abstimmung ein. Im Vorfeld der Verhandlungen wird der Anleihehandel ab dem 6. Januar ausgesetzt, erklärte die Hengda Real Estate Group, das Flaggschiff der Evergrande-Immobiliensparte.

Bei den betroffenen Papieren handelt es sich um die 6,98 Prozent Anleihezinsen der Hengda Real Estate Group in Höhe von 4,5 Milliarden Yuan (156,92 Millionen Dollar), die eigentlich dieses Wochenende fällig werden.

Die in Hongkong notierten Evergrande-Aktien fallen daraufhin um über ein Prozent. Im vergangenen Jahr ist der Aktienkurs des chinesischen Konzerns um nahezu 90 Prozent eingebrochen. Im Evergrande-Sog gerieten auch weitere chinesische Immobilienunternehmen wie der deutlich kleinere Rivale Kaisa in Schieflage.

Die Ratingagentur Fitch hatte Evergrande und Kaisa im Dezember weiter heruntergestuft und offiziell den vorläufigen Zahlungsausfall ("restricted default") erklärt. Diese Bewertung liegt nur eine Stufe über einem kompletten Ausfall. Auch Standard & Poor's (S&P) sieht Evergrande nur eine Stufe vor dem kompletten Zahlungsausfall.

Kein Lehman-Moment für die Finanzmärkte

Der zweitgrößte Immobilienentwickler Chinas sitzt auf einem gigantischen Schuldenberg von mehr als 300 Milliarden Dollar. Die chinesische Regierung hat signalisiert, dass sie keine staatliche Rettungsaktion plant. An den Finanzmärkten hatten die Ängste vor einem kompletten Zahlungsausfalls Evergrandes zuletzt allerdings deutlich abgenommen.

Parallelen zur Pleite der US-Investmentbank Lehman, die 2008 die internationale Finanzkrise auslöste, werden von Marktbeobachtern nicht mehr gezogen. Im Gegensatz zu Lehman gibt es bei Evergrande Experten zufolge nämlich kaum systemische Risiken für Chinas Bankensystem, die internationalen Verflechtungen halten sich arg in Grenzen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. Oktober 2021 um 21:00 Uhr.