Evergrande-Zentrale in Shenzhen | picture alliance / Kyodo

Immobilienkonzern Handel mit Evergrande-Aktien ausgesetzt

Stand: 03.01.2022 08:16 Uhr

Die Aktien des hoch verschuldeten chinesischen Immobilienkonzerns können am Morgen nicht mehr gehandelt werden. Eine Erklärung dafür gab es zunächst nicht.

Die Aktien des mit geschätzten 300 Milliarden Dollar verschuldeten chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande sind seit dem Morgen vom Handel an der Hongkonger Börse ausgesetzt - zum wiederholten Mal. Eine Erklärung dafür gab es weder von der Börse noch vom Unternehmen.

Allerdings hatte Evergrande am Freitag die Rückzahlungen von Anlegern in seine Vermögensverwaltungsprodukte zurückgeschraubt und erklärt, dass jeder mit einer monatlichen Kapitalzahlung von 8000 Yuan (1257 US-Dollar) für drei Monate rechnen könne, unabhängig davon, wann sie fällig werden.

Druck auf die Regierung wächst

Bereits am vergangenen Dienstag hatte Evergrande neue Kuponzahlungen für Anleihen im Wert von 255 Millionen Dollar verpasst. Zwar ist eine 30-tägige Nachfrist für diese Zahlungen noch nicht verstrichen, doch zeigt der Schritt erneut die Liquiditätsprobleme des chinesischen Branchenriesen und erhöht den Druck auf die Regierung in Peking, einen Flächenbrand im Immobiliensektor zu verhindern.

Bereits im Oktober wurde der Handel mit den Papieren des größten chinesischen Baukonzerns wegen nicht bedienter Anleihezinsen unterbrochen. Zudem haben die Evergrande-Aktien und damit auch die Anteilseigner des Unternehmens im vergangenen Jahr dramatische Kursverluste von nahezu 90 Prozent hinnehmen müssen.

Auch S&P stuft Bonität von Evergrande herunter

Wie heikel die Lage des Konzerns inzwischen ist, verdeutlicht auch die Bewertung durch die Ratingagenturen. So hat zuletzt nach Fitch auch Standard & Poor's (S&P) als zweite internationale Ratingagentur die Kreditwürdigkeit von Evergrande heruntergestuft - auf Kreditausfall in einigen Bereichen und damit eine Stufe vor dem kompletten Zahlungsausfall. Gleichzeitig gerieten auch weitere chinesische Immobilienunternehmen in Schieflage, während der lange boomende Markt einen Dämpfer erlitt.

Chinas Immobilienmarkt ist wegen sinkender Preise und weniger Neubauten unter Druck geraten. So sanken die Preise für neue Eigenheime im November im Vergleich zum Oktober um 0,3 Prozent. Das ist der größte Rückgang seit Februar 2015. Nur in neun von 70 Städten gingen die Preise im Monatsvergleich überhaupt noch nach oben. Der Umsatz beim Verkauf neuer Eigenheime schrumpfte im Vergleich zum November 2020 sogar um 16,3 Prozent. In diesem Zeitraum gingen auch Neubau und Investitionen zurück. Chinas Staatschef Xi Jinping hat deshalb angekündigt, die Branche stärker zu regulieren, um die Auswüchse der vergangenen Jahre einzudämmen.