Eine Euro-Münze in den Farben Europas | dpa

Währung unter 1,20 US-Dollar Wie schwach wird der Euro noch?

Stand: 18.06.2021 14:09 Uhr

In den USA deutet sich die Zinswende an, in Europa wird der Leitzins wohl noch lange niedrig bleiben. Das belastet den Euro seit Tagen. Wie sehr wird sich die Gemeinschaftswährung noch verbilligen?

Die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA haben den Euro zuletzt belastet. Die Gemeinschaftswährung gab in den vergangenen Tagen von Kursen bei 1,22 auf unter 1,19 US-Dollar nach. Als Erklärung für diese starke Bewegung verwiesen Experten auf die Zinssitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed).

Die amerikanischen Währungshüter hatte nach einer jahrelangen Nullzinspolitik Zinserhöhungen zumindest auf ein längere Sicht in Aussicht gestellt. Bis zum Jahr 2023 sind demnach zwei Zinserhöhungen zu erwarten.

Zunächst einmal wird die Fed aller Voraussicht nach ihre Wertpapierkäufe im weiteren Jahresverlauf zurückfahren, mit denen sie in den vergangenen Jahren die langfristigen Zinsen am Anleihemarkt nach unten gedrückt hatte. Allein die Erwartung einer Konjunkturerholung mit steigenden Inflationsraten hatte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen seit Sommer vergangenen Jahres von rund 0,5 Prozent auf knapp 1,8 Prozent nach oben getrieben.

Langfristzinsen immer noch negativ

Auch am deutschen Aktienmarkt tendierten die Renditen in den vergangenen Monaten kräftig nach oben, allerdings bis heute auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Noch immer liegt die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bei rund bei minus 0,2 Prozent. Im Tief hatte die Verzinsung sogar nur rund minus 0,67 Prozent betragen.

Trotz steigender Inflationsraten in Deutschland und dem Euroraum scheint die Europäische Zentralbank in Frankfurt nicht gewillt zu sein, den Notenbankkollegen in Washington zu folgen und zumindest weniger Wertpapierkäufe in naher Zukunft zu erwägen. Im Mai lag die Teuerungsrate in der Eurozone mit 2,0 Prozent bereits leicht über dem Preisstabilitätsziel der Notenbank. In Deutschland zogen die Erzeugerpreise im Mai sogar um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr an und damit so stark wie seit fast 13 Jahren nicht mehr. Die Preise wurden dabei von den stark steigenden Preisen so genannter Vorleistungsgüter getrieben.

Bundesbank-Chef für Ende der Anleihekäufe

"Auf Dauer wird sich dies bei den Verbraucherpreisen bemerkbar machen", hieß es dazu von den Volkswirten der Commerzbank. Und weiter: "Eine Notenbank im Krisenmodus, die, wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde in ihrer letzten Pressekonferenz sagte, noch nicht einmal darüber redet, ob eine Reduzierung der Anleihekäufe notwendig sein könnte, erscheint im Vergleich deutlich hinter der Kurve." Nach Meinung der Experten haben die Währungshüter damit den Einstieg in den Ausstieg aus der Nullzinspolitik verpasst.

Eine Meinung, die auch vom Präsidenten der Bundesbank Jens Weidmann geteilt wird. Weidmann hat sich für ein baldiges Ende der billionenschweren Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) nach der Pandemie ausgesprochen. Im Blickpunkt steht dabei das "PEPP" genannte Kaufprogramm der Währungshüter. "Wenn der Notfall vorüber ist, für den das PEPP geschaffen wurde, muss es beendet werden," sagte Weidmann dem "Handelsblatt".

Doch ob sich Weidmann damit durchsetzten wird, ist unklar. Somit deutet sich für die nähere Zukunft an, dass der Dollar seinen Zinsvorteil behalten oder sogar ausbauen könnte.

Deutsche Exporteure profitieren

Für deutsche Urlauber, die ihre freie Zeit außerhalb des Euroraums verbringen wollen, wären das schlechte Nachrichten - sie müssten mehr für ausländische Devisen zahlen. Die exportorientierte deutsche Wirtschaft dagegen profitiert von dem Trend. Im vergangenen Jahr gingen gerade einmal 36 Prozent der deutschen Exporte in die Länder des Euroraums. Und selbst wenn man EU-Länder mit einer eigenen Währung wie beispielsweise Dänemark, Schweden und das mittlerweile ausgeschiedene Vereinigte Königreich mit einbezieht, lag der Anteil der Exporte im vergangenen Jahr bei nur gut der Hälfte.

Gut ein Sechstel der Exporte gingen sogar direkt in die USA. Tatsächlich dürfte der Einfluss des Dollarkurses auf die deutschen Exporte aber noch deutlich größer sein. Denn einige internationale Währungen sind direkt an den US-Dollar gebunden. Dazu gehören beispielsweise der Saudi-Riyal oder auch der Diram der Vereinigten Arabischen Emirate. Sowohl Saudi-Arabien als auch die Emirate sind Länder, die traditionell mit ihrem durch den Ölexport eingenommen Geld auch viele deutsche Produkte kaufen und importieren.

Dollar-Schwäche später im Jahr?

Gewinnt der US-Dollar an Stärke, haben deutsche Unternehmen zwei Möglichkeiten. Entweder sie streichen bei unveränderten Preisen zusätzliche Gewinne ein. Oder sie reagieren mit Preissenkungen, um Marktanteile hinzuzugewinnen - beides verlockende Aussichten für die Firmen.

Doch zum derzeitigen Zeitpunkt scheint es fraglich zu sein, wie lange der Abschwung des Euro tatsächlich anhalten wird. Denn für Herbst und Winter erwarten Experten wie die der Commerzbank wieder eine nachlassende Inflationsdynamik in den USA. Dann könne es "mit der US-Dollar-Euphorie auch wieder schnell vorbei sein".

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell Börse am 18. Juni 2021 um 13:12 Uhr.