Ein Bündel Euro-Banknoten ragt aus einer Hosentasche heraus | picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

20 Jahre Euro-Banknoten Die Lust an knisternden Scheinen

Stand: 05.09.2021 07:06 Uhr

Vor 20 Jahren stellte die EZB die damals neuen Euro-Banknoten vor. Nach anfänglicher Skepsis hängen viele Bundesbürger heute an den Euro-Scheinen. Von denen sind jedes Jahr mehr im Umlauf - trotz Digitalisierung.

Von Alex Jakubowski, HR

Als Mr. Euro, der damalige EZB-Chef Wim Duisenberg, die Banknoten am 30. August 2001 der Öffentlichkeit präsentierte, gab es noch sieben Scheine, die ausgegeben werden sollten. Denn der 500-Euro-Schein war noch dabei.

Alex Jakubowski

Die lila Bankote wird inzwischen nicht mehr verteilt. Schon im Mai 2016 beschloss die Europäische Zentralbank (EZB), die Ausgabe des größten Geldscheins 2019 einzustellen. Begründung: Der Schein werde auch bei kriminellen Geschäften und zur Terrorfinanzierung genutzt. Wer den 500-Euro-Schein noch unter dem Kopfkissen hat, muss sich aber keine Sorgen machen. Der Schein behält seinen Wert und wird als Zahlungsmittel akzeptiert. Wenn er aber bei der Bundesbank oder anderen Notenbanken landet, wird er vernichtet.

Der damalige EZB-Chef Wim Duisenberg zeigt die neuen Euro-Banknoten | picture alliance / Oliver Berg/dpa

Der damalige EZB-Chef Wim Duisenberg stellte die neuen Euro-Geldscheine am 30. August 2001 vor. Bild: picture alliance / Oliver Berg/dpa

Bargeldumlauf steigt seit Jahren

Auch wenn der größte der ursprünglichen Scheine nicht mehr ausgegeben wird, steigt die Menge der im Umlauf befindlichen Banknoten seit Jahren - laut Bundesbank um etwa sechs Prozent pro Jahr. Bereits Ende 2014 wurde demnach die Grenze von einer Billion Euro überschritten, die in Form von Banknoten im Umlauf waren. Inzwischen wurde mehr als 26 Milliarden Banknoten im Gesamtwert von mehr als 1,4 Billionen Euro ausgegeben. "Über die wertmäßige Hälfte aller Banknoten im Umlauf stammt aus den Tresoren der deutschen Zentralbank", schreibt die Deutsche Bundesbank in einer aktuellen Veröffentlichung.

Immer noch sei Bargeld das beliebteste Zahlungsmittel - jedenfalls bei kleineren Geldbeträgen, gibt die Bundesbank an. Jürgen Moormann, Professor für Bank- und Prozessmanagement an der Frankfurt School of Finance & Management, meint: "Die Kontrolle über die eigenen Ausgaben ist den Menschen wichtig. Die Pain of Paying, also der Schmerz des Bezahlens, beeinflusst die Käufer. Denn man sieht ja unmittelbar, wenn ein Geldschein, die Geldbörse verlässt."

Digitales Bezahlen nimmt zu

Dennoch nehmen auch in Deutschland Kartenzahlungen und kontaktloses Bezahlen zu. Technische Innovationen vereinfachen das digitale Bezahlen - ob im Fußballstadion oder beim Bäcker. Zudem hat Corona die Entwicklung beschleunigt. Ob beim Kauf im Internet oder auch stationär: kontaktloses Bezahlen nimmt Fahrt auf.

Jeder zweite Online-Einkauf wurden von den erwachsenen Verbraucherinnen und Verbrauchern im Euroraum zuletzt mit Karte bezahlt, eine von vier Online-Transaktionen mithilfe elektronischer Zahlungslösungen. Von zehn Rechnungen wurden vier per Lastschrift und zwei per Überweisung beglichen.

"Bargeld ist sicheres Wertaufbewahrungsmittel"

Vier von zehn Befragten gaben an, seit Beginn der Pandemie weniger Bargeld benutzt zu haben, so eine Studie der Europäischen Zentralbank vom Dezember 2020. Warum aber nimmt die im Umlauf befindliche Geldmenge dann zu?

Der Grund sei einfach, meint Johannes Beermann, im Vorstand der Bundesbank unter anderem zuständig für Bargeld: "Bargeld ist nicht nur ein beliebtes Zahlungsmittel, sondern auch ein sicheres Wertaufbewahrungsmittel", sagt er. "Wenn wir den aktuellen Bargeldumlauf innerhalb Deutschlands betrachten, wird der größere Teil zur Wertaufbewahrung verwendet. Besonders in Krisenzeiten nimmt der Bargeldumlauf daher stärker zu."

Ähnlich übrigens wie zu Zeiten der Finanzkrise 2008. Aber nicht nur in Deutschland erfüllt es diese Funktion, auch in Ländern wie der Türkei oder Kroatien, ergänzt Moormann. "Nur Bares ist Wahres" - nach diesem Leitspruch dürften viele derjenigen handeln, die den Euro horten. Immerhin gilt die Währung seit längerem als krisensicher.

Die sechs aktuellen Euro-Geldscheintypen in einer Ausstellung der Europäischen Zentralbank | REUTERS

Bargeld bleibt trotz höherer Anteile von Kartenzahlungen und kontaktlosem Bezahlen bei den Bürgern sehr beliebt. Bild: REUTERS

Bargeld wird aber bleiben

Die Entwicklung geht aber eindeutig in eine andere, technische Richtung. "Es wird mehr Anwendungen auf Smartphones geben, die das digitale Bezahlen erleichtern", meint Moormann. Problematisch sei aber der Flickenteppich unterschiedlichster Anbieter - sowohl in Deutschland als auch in Europa. Der Experte von der Frankfurt School of Finance and Management hofft daher auf die European Payment Initiative (ein Projekt europäischer Banken und Zahlungsdienstleister), die die Zahlungsverfahren vereinheitlichen und neue Zahlungsmöglichkeiten kreieren will.

Moormann geht davon aus, dass sich die Nicht-Bar-Zahlungen bis 2025 verdoppeln werden. Allerdings werde das Bargeld selbstverständlich ein wichtiger Teil im Zahlungsverkehr bleiben. Das betont auch Johannes Beermann von der Deutschen Bundesbank: "Bargeld ist einfach handhabbar, ein sicheres Zahlungsmittel, kommt ohne technische Hilfsmittel aus und erleichtert die Kontrolle der Ausgaben. Und Bargeld ist für den Verbraucher die finanziell günstigste Zahlungsart."

Die Zukunft des Bargelds sieht man nicht in Gefahr. Die Scheine werden sich gegebenenfalls weiter ändern. Neue Sicherheitsmerkmale werden dazu kommen. Vielleicht wird es auch irgendwann kleinere Stückelungen geben, wie etwa in den USA. Nur eines ist klar: Eine Neuauflage des 500-Euro-Scheines wird es nicht geben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Juli 2021 um 19:05 Uhr.