Wassertropfen auf einem Lotusblatt | picture alliance / dpa

Nachhaltige Geldanlage EU plant sichere Green Bonds

Stand: 07.09.2021 17:03 Uhr

Grün investieren und Geld verdienen: Das ist für viele Anleger ein attraktives Modell. Hier will jetzt auch die EU mitmischen und plant die Ausgabe sogenannter Green Bonds.

Von Jakob Mayr, ARD-Studio Brüssel

Die Europäische Union will zum weltgrößten Emittenten von nachhaltigen Anleihen werden und Anlegern dafür einen verlässlichen Rahmen bieten. Der soll ihnen die Gewissheit geben, dass die mobilisierten Mittel auch wirklich für grüne Projekte verwendet werden. "Schon heute haben elf EU-Staaten grüne Anleihen ausgegeben, weitere vier haben angekündigt, das auch tun zu wollen", sagt EU-Haushaltskommissar Johannes Hahn. Er sieht Europa in diesem Bereich bereits jetzt weit vorne. "Wir Europäer sind wieder mal die Speerspitze dieser Bewegung, und ich bin tief überzeugt, dass das weltweite Auswirkungen hat."

Jakob Mayr ARD-Studio Brüssel

Im Herbst kommen die Green Bonds

Rund ein Drittel des Corona-Wiederaufbaus in der EU soll über die sogenannten Green Bonds finanziert werden - bis zu 250 Milliarden Euro. Im kommenden Monat will die EU-Kommission mit der Ausgabe grüner Anleihen beginnen. Nach den Worten von Hahn wird das dafür entwickelte EU-Regelwerk Investitionen und Innovationen fördern und die strategische Unabhängigkeit von Europas Wirtschaft voranbringen. "Es macht die EU zum weltgrößten Ausgeber von grünen Anleihen und zum Weltmarktführer in nachhaltigen Finanzen, wodurch sich die Anzahl grüner Anleihen auf dem Weltmarkt mindestens verdoppeln wird", erklärt der EU-Kommissar.

Das europäische Green-Bonds-Regelwerk basiert auf internationalen Marktstandards und wurde gemäß den Regeln der International Capital Market Association für grüne Anleihen entwickelt und von einer Ratingagentur geprüft. Insgesamt wendet die EU rund 800 Milliarden Euro auf für den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Pandemie. Die EU-Kommission nimmt das Geld an den Finanzmärkten auf und gibt es als Zuschüsse und Kredite an die Mitgliedsstaaten weiter. Die müssen ein gutes Drittel der Mittel in klimafreundliche Maßnahmen stecken und nach Brüssel rückmelden, dass sie das Geld für nachhaltige Zwecke eingesetzt haben - etwa für Wärmedämmung, erneuerbare Energien oder umweltfreundlichen Verkehr. Die Kommission will dann Investoren darüber informieren, wie Erlöse aus den grünen Anleihen zur Finanzierung des grünen Wandels beigetragen haben.

Ein Zankapfel bleibt

"Investoren zeigen großes Interesse für mehr grüne Anleihen", sagt Hahn. "Als Folge davon ist der Markt dafür in den vergangenen Jahren beträchtlich gewachsen. Das Green-Bonds-Regelwerk erlaubt uns, dieses Wachstum noch zu befördern." Mit den grünen Anleihen zum Corona-Wiederaufbau könnten Investoren ihre Portfolios erweitern, und Firmen bekämen Kapital für grüne Technologien und Innovationen, ist der Haushaltskommissar überzeugt.

Damit verfügt die EU zwar künftig über ein Regelwerk für grüne Anleihen - einige wichtige Grundsatzfragen hat sie aber noch nicht geklärt: Mitgliedsstaaten und Kommission können sich bisher nicht auf eine Richtlinie für grüne Finanzinvestments einigen, weil sie darüber streiten, ob auch Atomkraft als nachhaltige Energieform eingestuft werden soll.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 07. September 2021 um 16:07 Uhr.