US-Dollar und Euro Scheine | dpa

Devisenmarkt Wie tief kann der Euro noch sinken?

Stand: 13.06.2022 12:18 Uhr

Spekulationen um kräftige Zinserhöhungen der US-Notenbank treiben den Dollar an. Selbst eine Parität zwischen Euro und US-Währung ist nicht ausgeschlossen. Was bedeutet das für die Wirtschaft der Eurozone?

Die Weltleitwährung Dollar verteuert sich immer weiter, während der Euro mit zeitweise 1,0474 Dollar auf den niedrigsten Stand seit knapp einem Monat gefallen ist. Vor rund einem Jahr hatte die Gemeinschaftswährung noch bei mehr als 1,20 Dollar notiert.

Hintergrund für die aktuelle Euro-Schwäche sind die aktuellen US-Inflationszahlen: Die Teuerungsrate für Waren und Dienstleistungen stieg dort im Mai auf 8,6 von 8,3 Prozent. Deshalb rechnen Experten jetzt damit, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zur Bekämpfung der Inflation die Geldpolitik mit großem Tempo straffen wird.

"Die Inflation hat ihren Höhepunkt nicht erreicht, sie stagniert nicht einmal. Sie beschleunigt sich immer noch, und das wird sie wahrscheinlich auch im Juni tun", so die Finanzmarkt-Expertin Aneta Markowska von der Investmentbank Jefferies. "Die Inflationsdaten sind ein Wendepunkt, der die Fed dazu zwingt, einen höheren Gang einzulegen und die Straffung der Geldpolitik voranzutreiben."

Unterschiedliche Geschwindigkeiten bei der Zinswende

Die EZB hatte zuletzt zwar die Zinswende eingeleitet, allerdings geht die Fed entschiedener gegen die Teuerung vor. Die US-Notenbank hat den Leitzins auch bereits deutlich früher angehoben. Als Folge der höheren Zinsen wird der Dollar an den Devisenmärkten besonders nachgefragt und der Kurs steigt. Hinzu kommt, dass der Greenback in Krisenzeiten von den Investoren als sogenannter sicherer Hafen betrachtet wird: Anleger, die Risiken minimieren möchten, legen ihr Geld in Dollar an.  

Wie tief kann der Euro noch fallen? Vincent Mortier, Chefstratege bei Europas größtem Vermögensverwalter Amundi, äußerte vor einigen Wochen in der "Financial Times" (FT) die Einschätzung, er erwarte eine Dollar-Euro-Parität in diesem Jahr.

Andere Fachleute sind weniger pessimistisch für die Gemeinschaftswährung. So sagte Sam Zief, Devisenhandelsexperte bei der US-Bank JPMorgan Private Bank, kürzlich dem US-Sender CNBC, er halte eine Parität zwar für möglich, das Basisszenario sei sie aber für ihn nicht.

Die Folgen eines schwachen Euros  

Ein günstiger Euro ist Experten zufolge insbesondere für die am Export hängende deutsche Wirtschaft vorteilhaft, weil die Produkte im Ausland billiger werden. Importe aus Ländern außerhalb der Eurozone werden dagegen teurer. Infolgedessen sollte die Nachfrage nach einheimischen Waren steigen, was stimulierend auf die europäische Wirtschaft wirken könnte.

Dem stehen gleichzeitig gravierende Nachteile entgegen. Sie werden gerade in der aktuellen Situation hoher Energie- und Rohstoffpreise spürbar: Am Rohstoffmarkt, insbesondere am Ölmarkt, wird in der Regel mit Dollar bezahlt. Zu den derzeit ohnehin steigenden Preisen kommt also noch der Effekt hinzu, dass der schwache Euro zusätzlich belastend wirkt. Das wiederum könnte die Inflation weiter verschärfen.

          

Für den Euro könnte es demnächst weiter abwärts gehen: Es werde erwartet, dass die US-Notenbank bei ihrer Zinsentscheidung am kommenden Mittwoch die Zinsen um einen halben Prozentpunkt anhebt, meint IG-Analyst Salah-Eddine Bouhmidi. "Aber nach den US-Inflationsdaten vom Freitag ist eine Anhebung um 75 Basispunkte nicht mehr ausgeschlossen."  Sollte die Fed diesen Schritt gehen, dürfte der Euro weiter darunter leiden.