Euro Münze und Dollar Schein | picture alliance / agrarmotive

Devisenhandel Euro sackt wieder unter Dollar-Parität

Stand: 22.08.2022 14:06 Uhr

Der Euro war heute zwischenzeitlich wieder weniger wert als ein Dollar. Investoren fürchten eine weitere Straffung der US-Geldpolitik. Auch die Gaskrise trägt zur Flucht aus der Gemeinschaftswährung bei.

Der Euro ist erstmals seit Mitte Juli wieder unter die Dollarparität gefallen. Unter Parität versteht man ein Tauschverhältnis von eins zu eins zwischen zwei Währungen. Mit 0,9988 hat die Gemeinschaftswährung zeitweise um bis 0,5 Prozent nachgegeben und erreichte den niedrigsten Stand seit fünf Wochen.  

Grund für das neuerliche Schwächesignal des Euro ist wieder einmal die Zinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Viele Anleger rechnen derzeit damit, dass die Fed den Leitzins am 21. September erneut um 75 Basispunkte anheben wird.

"Warum Zinserhöhungen hinauszögern?"  

Zuletzt hatten relativ starke Konjunkturdaten aus den USA darauf hingedeutet, dass sich die US-Wirtschaft weiterhin robust zeigen wird. Dadurch erweitert sich der Spielraum der Fed für kräftige Zinserhöhungen. Generell werden in den USA stärkere Zinserhöhungen im Kampf gegen die hohe Inflation erwartet als in der Eurozone, was dem Dollar Vorteile beim Handel mit dem Euro verschafft.

So hatte sich der Chef der Fed-Filiale von St. Louis, James Bullard, im "Wall Street Journal" für eine Erhöhung der Leitzinsen um 0,75 Prozentpunkte bei der nächsten Sitzung ausgesprochen. Die Federal Reserve (Fed) sollte sich weiterhin zügig auf ein Zinsniveau bewegen, das die Inflation deutlich nach unten bringe, sagte Bullard: "Ich verstehe nicht, warum man Zinsanhebungen ins nächste Jahr hinauszögern sollte."

Die Fachleute der Helaba wiesen darauf hin, dass sich zahlreiche Vertreter der US-Notenbank zuletzt einhellig für weitere Leitzinserhöhungen ausgesprochen hätten - selbst wenn eine Rezession ausgelöst würde.

Europäischer Gaspreis steigt weiter

Neben der Geldpolitik der Fed spielt auch die europäische Energiekrise eine wichtige Rolle bei der Schwäche der Gemeinschaftswährung: Die Furcht vor Engpässen treibt den Gaspreis weiter an. Der europäische Future stieg um mehr als zehn Prozent auf 282,50 Euro je Megawattstunde. Der russische Exporteur Gazprom hat am Freitag angekündigt, zum Monatsende erneut vorübergehend den Betrieb der Pipeline Nord Stream 1 wegen Wartungsarbeiten zu unterbrechen.

Die steigenden Energiepreise befeuern Sorgen, dass es zu einem schwerwiegenderen konjunkturellen Abschwung kommen könnte: Es ist die Angst vor einer Rezession in Europa, die - durch die Energiekrise ausgelöst - Anleger vor Investments in den Euro zurückschrecken lässt. Und je heftiger der wirtschaftliche Rückschlag ist, desto geringer sind die Möglichkeiten der EZB, die Zinsen scharf anzuheben.  

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. August 2022 um 09:00 Uhr.