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Telekom-Prozess Aktionäre sollen entschädigt werden

Stand: 23.11.2021 14:34 Uhr

Im Rechtsstreit um den Börsengang der Deutschen Telekom wird den rund 16.000 Klägern ein Vergleich angeboten. Das Frankfurter Oberlandesgericht stimmte heute einem entsprechenden Vorschlag zu.

Nach fast 20 Jahren nähert sich die Deutsche Telekom im Rechtsstreit um ihren dritten Börsengang einer Lösung mit den Klägern. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main stimmte heute dem Vorschlag für einen Vergleich zu. Auf den DAX-Konzern könnten damit Ausgaben in dreistelliger Millionenhöhe zukommen.

Sollten die Kläger den Vergleich annehmen, erhalten sie den im Jahr 2000 geleisteten Kaufpreis zurück, abzüglich der seither ausgezahlten Dividenden und dem ungefähren heutigen Kurswert. Aufgeschlagen werden hingegen 70 Prozent der üblichen Prozesszinsen. Die Aktien bleiben dann im Besitz der Anleger. Die Kläger sollen das Angebot bis Ende Juli kommenden Jahres erhalten und können dann über die Annahme entscheiden.

Absturz der "Volksaktie"

Die Deutsche Telekom war 1996 an die Börse gegangen. Wegen der großen Nachfrage führte das Telekommunikationsunternehmen 1999 eine zweite und 2000 eine dritte Aktienplatzierung durch. Das Papier war im Juni 2000 zu einem Startkurs von 66,50 Euro in den Markt gekommen, das Rekordhoch von 103,50 Euro lag da schon einige Monate zurück. Nach der dritten Platzierung stürzte die T-Aktie immer weiter ab und rutschte unter die Marke von zehn Euro.

Rund 16.000 Kleinaktionäre hatten sich damals getäuscht gefühlt und seit 2001 beim Landgericht Frankfurt Klagen eingereicht; seitdem zieht sich der Rechtsstreit hin. Ihre Kursverluste summierten sich nach ihren Angaben auf rund 80 Millionen Euro.

Musterverfahren ist noch immer nicht rechtskräftig

Das zusammenfassende Musterverfahren ist bis heute nicht rechtskräftig abgeschlossen. Anfang dieses Jahres hatte der Bundesgerichtshof (BGH) den Musterentscheid des Oberlandesgerichts Frankfurt erneut in Teilen aufgehoben und zur Neuverhandlung zurückverwiesen. Allerdings stellte der BGH einen schwerwiegenden Fehler im Verkaufsprospekt für die Aktie fest. Der Vorsitzende Richter in Frankfurt, Bernhard Seyderhelm, rief die Kläger auf, den Vergleich anzunehmen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. November 2021 um 13:38 Uhr.