Goldbarren sind gestapelt | AFP

Begehrtes Edelmetall Deutsche kaufen 90 Tonnen Gold

Stand: 30.08.2021 13:04 Uhr

Die steigende Inflation macht Gold für viele Anleger in Deutschland attraktiv. Im ersten Halbjahr kauften die Bundesbürger so viel von dem Edelmetall wie seit Jahren nicht mehr. Nur in einem Land war Gold noch begehrter.

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Gold zieht die Menschen seit Jahrhunderten magisch an: Verliebte beschenken sich mit Goldringen, Super-Reiche genießen ein mit Gold ummanteltes Steak und Sportler träumen bei den Olympischen Spielen oder Paralympics von der Goldmedaille. Das Edelmetall wird zurzeit auch für private Anleger immer mehr zum begehrten Objekt: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres kauften die Bundesbürger mehr als 90 Tonnen Gold in Barren und Münzen, heißt es im neuesten Bericht des World Gold Council. Das ist die größte Menge innerhalb eines Halbjahres seit 2009. Selbst im Corona-Jahr 2020 war der Goldabsatz in den ersten sechs Monaten niedriger.

Die Deutschen sind Europameister beim Goldkauf. Knapp 60 Prozent des in Europa verkauften gelben Edelmetalls entfiel auf Deutschland. Auf Platz zwei und drei der europäischen Rangliste folgten die Schweizer und Österreicher. Nur die Chinesen orderten noch mehr Gold im ersten Halbjahr 2021 als die Deutschen.

Angst vor hoher Inflation

Der Ansturm auf das gelbe Edelmetall in Deutschland hat mit der wachsenden Inflationsangst zu tun. Im Juli kletterte die Teuerungsrate hierzulande auf 3,8 Prozent, den höchsten Stand seit fast 30 Jahren - und schon in den ersten Monaten des Jahres hatte sich die Inflationsrate schrittweise erhöht. Wegen der billionenschweren Hilfen der Notenbanken und Staaten in der Corona-Krise befürchten viele Bürger eine ausufernde Verschuldung der öffentlichen Hand und langfristig eine hohe Inflation.

Traditionell ist die Inflationsangst der Deutschen tief verankert. In den vergangenen 100 Jahren gab es drei Währungsreformen in Deutschland. Ins kollektive Gedächtnis der Deutschen hat sich die Hyperinflation von 1923 eingeprägt, als Rechnungen in Schubkarren voller Geldscheine bezahlt wurden.

Bundesbürger besitzen mehr Gold als die Bundesbank

Inzwischen haben die Deutschen einen großen Goldschatz angehäuft. Sie besitzen mehr als 9000 Tonnen Gold in Tresoren und Schließfächern und somit fast drei Mal so viel wie die Bundesbank. Das geht aus einer in diesem Jahr veröffentlichten Goldstudie der ReiseBank und der Steinbeis-Hochschule Berlin hervor. Deutsche Privathaushalte und die Bundesbank halten über sechs Prozent der weltweiten Goldvorräte.

Besonders beliebt sind Goldbarren. Mehr als die Hälfte der Anleger haben klassische Goldbarren und Tafelbarren erworben. Ein Drittel der deutschen Anleger setzt auf Goldmünzen.

Denn Goldbesitzer genießen steuerliche Prvilegien. Der Handel von Feingold ist von der Mehrwertsteuer ausgenommen. Barren und Münzen können nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei verkauft werden. Allerdings darf inzwischen Gold nur noch anonym in bar für unter 2000 Euro gekauft werden. Oberhalb dieser Schwelle müssen Händler den Kunden identifizieren.

Goldpreis auf Zwölf-Jahres-Sicht deutlich gestiegen

Langfristig hat sich die Investition in Gold ausgezahlt. Kostete das Edelmetall 2009 noch um die 1000 Dollar je Feinunze, ist es inzwischen 1800 Dollar wert. In diesem Jahr allerdings ist der Goldpreis um fünf Prozent gefallen und hat sich von seinem Rekordhoch von 2037 Dollar je Feinunze im Corona-Jahr 2020 weit entfernt.

Als Grund nennen Experten die Erholung der Weltwirtschaft und den näher rückenden Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken. 2022 könnten in den USA erstmals seit langem wieder die Leitzinsen angehoben werden. Steigende Zinsen senken die Attraktivität des Goldes. Denn das gelbe Edelmetall wirft anders als Staatsanleihen keine Zinsen ab.

Abflüsse bei Gold-ETFs

Tatsächlich haben einige Profi-Investoren Gold inzwischen wieder abgestoßen. Erstmals seit sieben Jahren haben in der ersten Jahreshälfte 2021 Investoren Geld aus Gold-Indexprodukten (ETFs) abgezogen.

"Gold ist kein perfekter Schutz gegen die Inflation", meint Mark Dowding, Chefanlagestratege von BlueBay Asset Management. Im Umfeld einer starken Weltkonjunktur kaufen die Anleger eher Aktien. Zudem schwankt der Preis für das gelbe Edelmetall stärker als manch andere Anlageklasse wie zum Beispiel Immobilien. Andererseits: Sollte die Inflation weiter über zwei Prozent bleiben, dürfte die reale Verzinsung von Anleihen weiter bei null liegen oder negativ bleiben. Folglich würde Gold gegenüber Anleihen wieder attraktiver werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. September 2021 um 09:05 Uhr