Der Deutsche Bank Tower in der Bankencity.  | picture alliance / Geisler-Fotop

Trotz Ukraine-Krieg Deutsche Bank fährt Milliardengewinn ein

Stand: 27.04.2022 08:30 Uhr

Die Deutsche Bank hat trotz gestiegener Unsicherheiten wegen des Ukraine-Kriegs den höchsten Quartalsgewinn seit neun Jahren erwirtschaftet. Auch die Commerzbank meldete einen beachtlichen Gewinnsprung.

Für die deutschen börsennotierten Banken hat das neue Geschäftsjahr unerwartet positiv begonnen. Sowohl Branchenprimus Deutsche Bank als auch Deutschlands zweitgrößte Privatbank, die Commerzbank, verzeichneten deutliche Gewinnzuwächse und übertrafen damit die Erwartungen der Analysten.

Deutsche Bank verdient überraschend viel

"Die Ergebnisse aller Geschäftsbereiche liegen im oder über dem Plan, und wir haben unseren höchsten Quartalsgewinn seit neun Jahren erzielt", bilanzierte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Unter dem Strich verdiente Deutschlands größtes Geldhaus im ersten Quartal fast 1,1 Milliarden Euro - und damit 21 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Analysten hatten im Schnitt nur rund 950 Millionen Euro erwartet. Die Deutsche Bank konnte damit bereits das siebte Gewinnquartal in Folge ausweisen. Die Konzernerträge stiegen um ein Prozent auf 7,3 Milliarden Euro. Damit waren sie so hoch wie zuletzt im ersten Quartal 2017.

Risikovorsorge wegen Ukraine-Krieg vervierfacht

Die Gewinn- und Ertragszuwächse sind vor allem vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs bemerkenswert, musste die Deutsche Bank deswegen doch ihre Risikovorsorge kräftig nach oben schrauben: Mit 292 Millionen Euro legte der DAX-Konzern viermal so viel Geld für mögliche Kreditausfälle zurück wie im ersten Vierteljahr 2021. Das Netto-Kreditengagement mit Bezug zu Russland verringerte die Bank nach eigenen Angaben um 21 Prozent auf 0,5 Milliarden Euro.

Finanzchef James von Moltke zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen: "Damit sind wir in einer guten Position, um unsere Ziele für dieses Jahr zu erreichen." Konzernchef Sewing hatte dem Frankfurter Institut im Sommer 2019 einen umfassenden Umbau verordnet, die hauseigene Investmentbank gestutzt und den Abbau Tausender Stellen eingeleitet. Ziel ist es, in diesem Jahr eine Nachsteuerrendite von acht Prozent zu erreichen. Zum Vergleich: 2021 hatte diese wichtige Kennziffer bei mageren 3,8 Prozent gelegen.

Commerzbank verdoppelt Gewinn

Bereits am Abend hatte die Commerzbank ihre Bilanz für das Auftaktquartal präsentiert und damit ebenfalls für eine positive Überraschung gesorgt. Der Überschuss habe sich im ersten Quartal mit 284 Millionen Euro binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt, teilte Deutschlands zweitgrößte Privatbank gestern nach Börsenschluss auf Basis vorläufiger Zahlen mit. Vor einem Jahr hatte noch ein Gewinn von 133 Millionen Euro im Auftaktquartal in den Büchern gestanden.

Allerdings belasteten - wie auch bei der Deutschen Bank - mögliche Risiken rund um den russischen Krieg gegen die Ukraine die Bilanz. Die Risikovorsorge wurde binnen Jahresfrist mehr als verdreifacht. Sie kletterte auf 464 Millionen Euro nach 149 Millionen Euro vor einem Jahr.

Das ist aber nicht die einzige Parallele zur Deutschen Bank: Ähnlich wie Christian Sewing hatte auch Commerzbank-Chef Knof seinem Institut einen Radikalumbau verordnet. Unter seiner Führung war das Frankfurter Institut 2021 in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Für das laufende Geschäftsjahr bekräftigte er die Prognose eines Konzernergebnisses von mehr als eine Milliarde Euro.

Aktien im Aufwind

Analysten zeigten sich beeindruckt von den Commerzbank-Zahlen: Das Geldhaus habe starke Eckdaten mit einem soliden Ertragswachstum präsentiert, schrieb JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein. Die unerwartet starken Eckdaten der Bank und der bestätigte Jahresausblick sollten sich positiv auf die Aktie auswirken, betonte Analystin Anke Reingen von der kanadischen Bank RBC.

Tatsächlich dürfte die Commerzbank-Aktie vorbörslichen Indikationen zufolge mit einem kräftigen Aufschlag von über sechs Prozent in den XETRA-Handel starten. Auch die Zahlen der Deutschen Bank kommen am Markt gut an. Die im DAX notierte Aktie des Geldhauses wird am Morgen gut zwei Prozent höher gehandelt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. April 2022 um 13:47 Uhr.