DAX-Schriftzug auf der Kurstafel an dern Frankfurter Börse | dpa
Hintergrund

Turnusmäßige Änderungen Wer darf in den DAX - und warum?

Stand: 03.06.2022 16:17 Uhr

Der DAX ist Deutschlands wichtigster Aktienindex. 40 Konzerne sind darin gelistet. Wer dazu gehören will, muss strenge Regeln erfüllen. Welche Folgen hat ein Auf- oder Abstieg?

Von Lilli-Marie Hiltscher, tagesschau.de

Die größten und wertvollsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland sind im DAX gelistet, dem Deutschen Aktienindex. Er ist der führende Börsenindex hierzulande und gleichzeitig ein wichtiges Barometer für wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Damit der DAX diese Funktion als Wirtschaftsbarometer erfüllen kann, ändert sich immer wieder seine Zusammensetzung, also die Auswahl der darin gelisteten Unternehmen.

Lilli Hiltscher

Kein exaktes Abbild der Wirtschaft

Viermal im Jahr entscheidet die Deutsche Börse anhand festgelegter Kriterien, welche Konzerne in den Indizes der DAX-Familie gelistet sind. Zur DAX-Familie gehören neben dem bekanntesten deutschen Index auch der MDAX, der die 50 größten Unternehmen nach dem DAX abbildet. Außerdem dazu gehören der Tecdax, der einen Fokus auf Technologieunternehmen legt, und der SDAX, der die 70 größten Firmen unterhalb des MDAX umfasst.

Damit sind die Indizes aber kein exaktes Abbild der deutschen Wirtschaft. Denn hierzulande sind viele Firmen nicht börsennotiert. Zu diesen nicht börsennotierten Großkonzernen gehören etwa die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland, Aldi oder der Bertelsmann-Konzern.

Strenge Regeln für die Aufnahme

Ob ein Unternehmen Mitglied in einem Index der DAX-Familie wird, erfolgt nach strengen Kriterien. So müssen DAX-Unternehmen etwa fortlaufend im elektronischen Handelssystem der Deutschen Börse gehandelt werden. Außerdem müssen sich mindestens zehn Prozent der Unternehmensaktien im sogenannten Streubesitz befinden, also frei an der Börse handelbar sein, und das Unternehmen muss einen Sitz in Deutschland haben. Hinzu kommen Transparenzanforderungen, welche die Unternehmen erfüllen müssen.

Nach dem Wirecard-Skandal im Jahr 2020 wurden diese Bedingungen zur Aufnahme in Deutschlands Börsen-Top-Liga noch einmal verschärft. Wirecard galt lange als deutsches Vorzeigeunternehmen, das 2018 in die erste Börsenliga aufstieg. Auf den rasanten Aufstieg des Konzerns folgte bereits zwei Jahre später allerdings der Absturz - Wirecard ging in die Insolvenz, die Aktie fiel von zwischenzeitlich fast 200 Euro auf unter zwei Euro. Daraus haben Verantwortliche gelernt: Mittlerweile können Firmen auch dann aus dem DAX ausgeschlossen werden, wenn sie etwa ihre Bilanzen nicht fristgerecht vorlegen.

Entscheidung der Börse ist für Anleger relevant

Scheiden Unternehmen aus dem DAX aus, können andere nachrücken. Daran haben Konzerne auch durchaus ein Interesse. Denn Mitglied in einem der DAX-Indizes zu sein, verschafft den Unternehmen Aufmerksamkeit. Ist ein Konzern im deutschen Leitindex gelistet, werden ausländische Investoren leichter auf ihn aufmerksam und sind schneller bereit, in den Konzern zu investieren. Auch Analysten werden schneller auf Konzerne aufmerksam, wenn sie Mitglieder im DAX sind.

Ähnlich ist es mit Fondsgesellschaften. Deren Entscheidungen können dann auch Auswirkungen auf private Anleger haben: Denn viele Privatanleger investieren zum Beispiel in die sogenannten ETFs. Diese Fonds bilden die Zusammensetzung eines Index nach.

Das bedeutet, ein ETF entwickelt sich parallel zu dem Index, den er abbildet, zum Beispiel zum DAX. Heißt konkret: Fällt der DAX, fällt auch der ETF, der dem DAX abbildet. Ändert sich nun die Zusammensetzung im DAX, weil neue Unternehmen hinzukommen oder alte weichen, dann kann das auch den DAX Kurs ändern. Und das kann sich bei Sparern dann auch auf ihren ETF auswirken.