Dax erstmals über 16.000 Punkten | picture alliance/dpa

Index über 16.000 Punkten Warum der DAX Rekord um Rekord bricht

Stand: 13.08.2021 14:26 Uhr

Zum ersten Mal hat der DAX die Marke von 16.000 Punkten überschritten. Die Rekordjagd hat gute Gründe. Doch die Risiken für die Börsen sind nicht kleiner geworden.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Der DAX hat zum Wochenschluss erstmals die Marke von 16.000 Punkten geknackt und bei 16.030 Zählern eine neue Bestmarke aufgestellt. Keine Frage, der deutsche Leitindex hat derzeit einen Lauf: Es ist bereits das dritte Rekordhoch innerhalb von drei Tagen.

Damit hat der DAX überdies gerade einmal fünf Monate für den Sprung über die nächste Tausender-Marke benötigt. Erst im März hatten die 30 deutschen Standardwerte erstmals die Marke von 15.000 Punkten bezwungen. Seit Jahresbeginn belaufen sich die Kursgewinne auf rund 17 Prozent.

Inflation nur "vorübergehend"?

Ein Grund für die Entwicklung auf den Aktienmärkten sind die aktuellen US-Inflationsdaten. Im Juli lagen die Preise zwar 5,4 Prozent höher als vor einem Jahr. Aber die Preise stiegen langsamer als im Juni. Viele Anleger interpretieren das als eine Bestätigung der US-Notenbank Federal Reserve. Diese sieht in den steigenden Inflationsraten ein "vorübergehendes" Phänomen, das sie nicht zu unmittelbarem Handeln zwingt.

Der Markt hatte zuletzt Zweifel an dieser Lesart gehabt. Doch nach den neuen Daten sind nun auch viele Anleger und Analysten überzeugt, dass der Preisschub in den USA bereits seinen Höhepunkt überschritten haben könnte. Die Folge: Die Angst der Marktteilnehmer schwindet, dass sich die US-Notenbank als Maßnahme gegen eine galoppierende Inflation vorzeitig von ihrer ultra-lockeren Geldpolitik verabschieden könnte. Die Geldflut der Notenbanken ist aktuell der wohl wichtigste Kurstreiber der globalen Aktienmärkte, allen voran der Wall Street.

Neue Bestmarken auch an der Wall Street

So ist es kein Wunder, dass der Rekordrally im DAX neue Bestmarken im US-Leitindex Dow Jones Industrial vorausgingen. Auch der den breiten Markt abbildende Index S&P 500 hatte zuletzt neue Rekordstände erobern können.

Dass Unternehmen bei den aktuell vorgelegten Quartalsberichten größtenteils Gewinne präsentierten, die über den Erwartungen lagen, trug ebenfalls zur aktuellen Entwicklung bei. Frank Klumpp von der LBBW erwartet, dass das "freundliche Umfeld für Aktien bis auf weiteres erhalten bleibt, flankiert von steigenden Unternehmensgewinnen".

Rekordhoch als Kaufsignal

Rückenwind für den DAX kommt aber nicht nur von der Wall Street und der Berichtssaison, sondern auch von technischer Seite: Mit dem Ausbruch auf ein neues Rekordhoch senden die deutschen Standardwerte nämlich eines der besten Kaufsignale, welches die Technische Analyse zu bieten hat.

Denn oberhalb eines solchen Rekordhochs gibt es naturgemäß keine Widerstände, also Kursstände, bei denen die Verkäufer in der Vergangenheit die Oberhand gewannen und der DAX nach unten drehte. Der Sprung auf ein neues Rekordhoch ist in dieser Lesart ein klares Zeichen der Stärke.

Sorgenkind Asien

Zur Vorsicht mahnt allerdings ein Blick gen Asien: Dort steigen in vielen Ländern die Fallzahlen rasant und wecken damit Befürchtungen über Maßnahmen und Beschränkungen, welche die wirtschaftliche Erholung beeinträchtigen könnten.

Das zeigt auch ein Blick auf die asiatischen Indizes, die ihren europäischen und US-amerikanischen Pendants deutlich hinterherhinken. So notiert etwa der japanische Leitindex Nikkei aktuell rund acht Prozent unterhalb seines Rekordhochs.

Drastische Pandemiemaßnahmen

"Es gibt viel mehr Bedenken wegen Delta, weil es sich auf viele asiatische Volkswirtschaften auswirkt, wo die Impfraten niedriger sind", betonte in diesem Kontext jüngst Ray Farris, Investment-Stratege bei Credit Suisse für Südasien.

Aus den in Asien, insbesondere in China, ergriffenen drastischen Pandemiemaßnahmen könnten dabei durchaus ernst zu nehmende Risiken für die ohnehin schon angegriffenen globalen Lieferketten erwachsen wie dieses Beispiel zeigt: Zur Wochenmitte hatte China seinen zweitgrößten Containerhafen Ningbo Maidong Terminal komplett geschlossen - wegen der Corona-Infektion eines einzigen Mitarbeiters.

Lieferketten erneut in Gefahr?

Zur Erinnerung: Die Corona-bedingte zeitweise Schließung des chinesischen Handelshafens Yantian im Mai und Juni hatte Experten zufolge gravierendere Folgen für die globalen Lieferketten und Warenströme als die Schiffshavarie im Suez-Kanal.

Die Asien-Probleme könnten folglich - mit etwas zeitlicher Verzögerung - auch die Volkswirtschaften in Europa und den USA treffen. Dann wird sich zeigen, ob die Geldflut der Notenbanken als alleiniger Kurstreiber ausreicht, um die Anleger bei Laune zu halten.

Inflation doch noch ein Thema?

Selbst auf die anhaltende Geldflut der Notenbanken sollten sich Anleger besser nicht allzu sehr verlassen. Die Experten der Helaba warnen jedenfalls in ihrem Wochenausblick, dass die jüngsten Preissteigerungen im Juli mit 5,4 Prozent in den USA und 3,8 Prozent in Deutschland "keinen Anlass zur Entwarnung" geben.

Entlang der "Mauer der Sorgen" nach oben?

So sehr diese Sorgen und Ängste mit Blick auf das DAX-Rekordhoch zur Vorsicht mahnen: Sie sind es auch, welche die Rekordrally womöglich am Leben erhalten könnten. Das klingt paradox - ist es aber nicht: Denn solange viele Anleger ängstlich und skeptisch bleiben, ist ein Überschießen der Kurse nach oben nicht möglich.

Dafür nehmen mit jedem Punktanstieg im DAX und Dow die Schmerzen und Ängste, etwas zu verpassen, bei denen zu, die nicht investiert haben - so lange, bis letztlich auch sie wieder in den Markt einsteigen. Im Börsenjargon wird dieses Phänomen "Wall of Worry" genannt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. August 2021 um 12:00 Uhr.