Eine Internetseite des Wirtschaftsministeriums NRW | picture alliance/dpa

Deutschland in der Corona-Krise Länder machen fast 60 Milliarden Euro Schulden

Stand: 29.12.2021 10:09 Uhr

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben die Bundesländer Schulden von fast 60 Milliarden Euro angehäuft. Was viel klingt, ist weniger als ursprünglich angenommen. Erste Länder wollen bereits 2022 mit der Rückzahlung beginnen.

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Finanzhilfen haben den Bundesländern einen hohen Schuldenberg beschert: Fast 60 Milliarden Euro beträgt er, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa unter den Finanzministerien und -behörden aller 16 Bundesländer ergeben hat.

Damit liegt die Summe aber deutlich unter der Neuverschuldung, mit der die Länder zum Anfang der Pandemie gerechnet hatten. Allein für das vergangene Jahr hatten die Landtage, die Bürgerschaften der zwei Hansestädte und das Berliner Abgeordnetenhaus eine Schuldenaufnahme von mehr als 100 Milliarden Euro genehmigt. Doch in vielen Fällen wurde der Rahmen genehmigter Kredite gar nicht voll ausgeschöpft. Die Länder quasi Vorratsbeschlüsse, weil sie die Aufnahme der Kredite über mehrere Jahre strecken.

Tatsächlich aufgenommen haben die Länder im vergangenen und im laufenden Jahr neue Kredite in Höhe von gut 57,6 Milliarden Euro. Niedersachsen und Rheinland-Pfalz machten zu der endgültigen Summe für 2021 aber keine konkreten Angaben, da das Jahr noch nicht abgeschlossen ist. Vor dem Beginn der Pandemie hatte jedoch keines der Länder wegen der Schuldenbremse mit neuen Schulden geplant.

Bayern ist Schulden-Spitzenreiter

Fast die Hälfte der Schuldensumme entfällt dabei auf die drei großen Flächenländer Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg - wobei Bayern Spitzenreiter ist. Der bayerische Landtag hat der Staatsregierung bis zu 20 Milliarden Euro neue Kredite genehmigt. Hinzu kommt ein separat laufender "Bayernfonds", dessen Schuldensumme voraussichtlich bei 40 Milliarden Euro liegt. Die Staatsregierung hat in 2020 und 2021 bislang 10,1 Milliarden aufgenommen. Nächstes Jahr sind nach Angaben des bayerischen Finanzministeriums weitere 5,8 Milliarden eingeplant.

Nordrhein-Westfalen hat Kredite über 25 Milliarden Euro genehmigt. Von dieser Summe wurden seit dem Ausbruch der Pandemie aber erst rund 8,1 Milliarden Euro in Anspruch genommen. Den dritthöchsten Kreditrahmen bundesweit gewährte Baden-Württemberg mit 14,6 Milliarden Euro. Davon wurden bisher 9,3 Milliarden Euro tatsächlich aufgenommen.

Erste Länder wollen 2022 erste Schulden tilgen

Im Vergleich dazu wirken die aufgenommenen Schulden in anderen Bundesländern wie in Schleswig-Holstein mit 2,5 Milliarden Euro oder in Mecklenburg-Vorpommern mit 3,9 Milliarden Euro niedrig. Durch die geringere Wirtschaftsleistung in diesen Ländern wird die Rückzahlung aber zu einer großen Belastung. Die finanzschwache Bundeshauptstadt Berlin hat sogar 7,3 Milliarden aufgenommen.

Insgesamt gehen alle Länder davon aus, dass der finanzielle Aufwand durch die Pandemie jahrzehntelange Folgen nach sich ziehen wird. Erste Länder wollen aber bereits im kommenden Jahr damit beginnen, erste Schulden wieder zu tilgen. So plant Baden-Württemberg, 2022 rund 958 Millionen Euro zurückzuzahlen. Auch Niedersachsen will knapp 700 Millionen Euro tilgen, Thüringen rechnet mit einer Rückzahlung von etwa 171 Millionen Euro.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 29. Dezember 2021 um 10:04 Uhr.