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Mögliche Engpässe der Industrie Commerzbank warnt vor Gas-Risiken

Stand: 03.08.2022 15:23 Uhr

Massive Stellenstreichungen und Filialschließungen führen bei der Commerzbank zu überraschend hohem Gewinn. Doch die Energiekrise bereitet dem Geldinstitut Sorge - die Rücklagen für mögliche Kreditausfälle steigen.

Die Commerzbank peilt ungeachtet der Konjunkturschwäche für dieses Jahr einen Milliardengewinn an - sieht aber die Energiekrise als Risiko für ihr Geschäft. Damit der Gewinn die Marke von einer Milliarde Euro wie geplant überspringt, dürfe sich die Wirtschaftslage nicht noch deutlicher verschlechtern, sagte Commerzbank-Finanzchefin Bettina Orlopp heute bei der Präsentation der Quartalsbilanz: "Ein großer Unsicherheitsfaktor bleibt in diesem Zusammenhang die Versorgung der deutschen Wirtschaft mit Gas."

Im zweiten Quartal hat die Commerzbank unter dem Strich 470 Millionen Euro verdient. Das waren knapp 100 Millionen Euro mehr als von Analysten erwartet wurde. Sowohl das Privat- als auch das Firmenkundengeschäft habe sich der Bank zufolge gut entwickelt. Noch vor einem Jahr hatten hohe Kosten für Stellenabbau und Filialschließungen das Institut mit 527 Millionen Euro tief in die roten Zahlen gerissen.

Finanzielle Belastungen durch den Krieg

Im zweiten Halbjahr erwarte sein Institut "Licht und Schatten", sagte Commerzbank-Chef Manfred Knof. So hat die Bank 106 Millionen Euro für den Ausfall möglicher Kredite zurückgelegt, um negative Folgen des Krieges in der Ukraine und der gekürzten Gas-Lieferungen aus Russland abzufedern. Das ist ein Fünftel mehr als noch vor einem Jahr - aber weniger als erwartet wurde. Die Quote der Problemkredite sei mit 0,8 Prozent bislang niedrig geblieben. Die Risikovorsorge der Bank für ausfallgefährdete Kredite soll in diesem Jahr insgesamt 700 Millionen Euro betragen.

Auch die Deutschen Bank, die in der vergangenen Woche ihre Zahlen vorlegte, erhöht ihre Risikovorsorge deutlich. Mit 292 Millionen Euro legte der Konzern viermal so viel Geld für mögliche Kreditausfälle zurück wie noch im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor.

Für die Commerzbank summierten sich die finanziellen Belastungen als Folge des Krieges in der Ukraine auf 228 Millionen Euro. Die Russland-Risiken reduzierte das Kreditinstitut bis Mitte Juli um 45 Prozent auf 1,02 Milliarden Euro.

Für die Bank kommen im zweiten Halbjahr noch weitere Belastungen hinzu. Kunden der polnischen Commerzbank-Tochter mBank dürfen aufgrund eines neuen Gesetzes in dem Land ihre Ratenzahlungen für Hypothekenkredite bis Ende kommenden Jahres jetzt bis zu achtmal aussetzen. Für das dritte Quartal erwartet die mBank deshalb Belastungen von 210 bis 290 Millionen Euro.

"Schwere Rezession" könnte drohen

Trotz der wirtschaftlichen Verwerfungen verdiente die Commerzbank in den ersten sechs Monaten insgesamt 768 Millionen Euro. Das entspricht rund drei Vierteln des angepeilten Jahresgewinns. Die Bank sieht sich damit auf Kurs zu einem möglichen Milliardengewinn - sollte sich die Konjunktur nicht zusätzlich eintrüben. Sollte Russland die Gaslieferungen komplett einstellen, "würde die deutsche Wirtschaft vermutlich ähnlich wie nach der Finanzkrise 2009 in eine schwere Rezession stürzen", heißt es im Zwischenbericht.

Die Erträge der Bank im zweiten Quartal stiegen dank des starken Kundengeschäfts und steigender Zinsen um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum - von 1,9 Milliarden Euro auf 2,4 Milliarden Euro. Angesichts der jüngsten Geschäftszahlen sieht sich Commerzbank-Chef Knof in seiner Strategie bestätigt: "Es ist uns gelungen, die Widerstandsfähigkeit der Commerzbank in einer sehr schwierigen Zeit zu erhöhen."

Hartes Sparprogramm mit massivem Stellenabbau

Der Manager hatte die Führung der Bank Anfang 2021 übernommen und wenig später ein umfangreiches Sparprogramm mit einem radikalen Stellenabbau eingeleitet. Bis Ende des Jahres will die Bank die Kürzung von brutto 10.000 Vollzeitstellen weitgehend geregelt haben. Für 7700 Stellen sei dies schon bis Ende Juni geschehen, hieß es.

Auch bei der Verkleinerung ihres Filialnetzes kam die Commerzbank deutlich schneller voran: Schon bis Ende Juni sei die Zahl der Geschäftsstellen in Deutschland auf 450 gesunken, hieß es in der Mitteilung. Zu Beginn des Sparprogramms waren es noch 790 Filialen. Allein im ersten Halbjahr 2022 hat die Commerzbank demnach 100 Geschäftsstellen geschlossen.

Die Commerzbank-Aktionäre erhalten in diesem Jahr eine Dividende: Das Institut will 30 Prozent des auf die Anteilseigner entfallenden Jahresgewinns als Dividende ausschütten.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 03. August 2022 um 07:22 Uhr.