Coinbase Logo auf einem Werbedisplay in New York | picture alliance / newscom

Coinbase-Gewinn explodiert Krypto-Börse will Deutschland erobern

Stand: 11.08.2021 14:47 Uhr

Die Krypto-Börse Coinbase hat ihren Gewinn um fantastische 4900 Prozent gesteigert. Die Firma, die Elon Musk zu ihren Kunden zählt, expandiert kräftig - und hat dabei auch Deutschland im Visier.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Im Nachhinein wirkt der Börsengang von Coinbase wie ein schlechtes Omen für den Kryptomarkt. Kurz bevor die größte US-Krypto-Handelsplattform im April 2021 per Direktplatzierung an die Technologie-Börse Nasdaq ging, eroberte der Bitcoin - die weltweit wichtigste und älteste Cyberwährung - ein Rekordhoch bei mehr als 63.000 Dollar.

Gewinn explodiert auf 1,6 Milliarden Dollar

Der Coinbase-Börsengang galt als Meilenstein für den aufstrebenden Markt der Kryptowährungen, der in der etablierten Finanzwelt nach wie vor um seinen Platz kämpfen muss. Doch kurz danach fand die Krypto-Hausse ein jähes Ende. Zuletzt pendelte der Bitcoin um die Marke von 45.000 Dollar.

Dem Unternehmen selbst, das unter anderen auch Elon Musk sowie dessen Unternehmen SpaceX und Tesla zu seinen Kunden zählt, konnte der Kurssturz von Bitcoin, Ethereum & Co. indes nicht viel anhaben. Das zeigt ein Blick auf die am Dienstagabend nach US-Börsenschluss veröffentlichten Quartalszahlen. Demnach explodierte der Gewinn im zweiten Jahresviertel regelrecht um 4900 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar.

Profitieren vom Krypto-Rummel

Das Geschäftsmodell des 2012 in San Francisco durch Brian Armstrong und Fred Ehrsam gegründeten Unternehmens ist dabei ebenso simpel wie profitabel: Coinbase macht den weitaus größten Teil seiner Umsätze mit Gebühren, die Kunden für den Kauf und Verkauf von Kryptowährungen entrichten müssen.

Es ähnelt insofern traditionellen Börsenbetreibern wie etwa der Deutschen Börse: Auch das Frankfurter Unternehmen profitiert von Marktturbulenzen, wenn die Anleger vermehrt handeln. Die Richtung ist dabei egal.

Von deutscher Behörde abgesegnet

Um weiter zu wachsen, muss sich Coinbase nun neue Märkte erschließen. Dabei könnte Deutschland eine Schlüsselrolle zukommen. Denn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat Coinbase im Juni die in Deutschland erste Kryptohandels- und -verwahrlizenz erteilt.

Coinbase Germany ist damit das erste Unternehmen, welches das Handeln und Verwahren von Kryptowährungen unter der Aufsicht der BaFin anbietet. Für die Kunden bedeutet dies ein Plus in puncto Sicherheit.

Im Zuge der BaFin-Erlaubnis erweiterte Coinbase zudem seine Produktpalette für deutsche Kunden. So kann nun jeder, der über ein Mindestguthaben einer bestimmten Kryptowährung verfügt, Transaktionen validieren und auf diese Weise so genannte Staking-Prämien verdienen.

Die BaFin als Türöffner?

"Deutschland ist für Coinbase ist ein enorm wichtiger Markt", betont Sascha Rangoonwala, Country Manager Germany bei Coinbase. Marcus Hughes, Managing Director für Coinbase in Europa, ergänzt: "Die Lizenzen in Deutschland sind ein wichtiger Meilenstein für Coinbase." Man freue sich auf die Zusammenarbeit mit Regulierungsbehörden aus der ganzen Welt.

Die BaFin-Zulassung bedeutet für Coinbase in jedem Fall einen klaren Vorteil gegenüber der Konkurrenz. So befindet sich etwa die umstrittene globale Krypto-Börse Binance seit Monaten schon im Kreuzfeuer der Behörden.

Aufsichtsbehörden in Hongkong, Großbritannien, Deutschland, Japan und Italien gingen aufgrund von Bedenken hinsichtlich des Anlegerschutzes hart gegen Binance vor. Erst Ende Juni wurde dem Unternehmen von der britischen Finanzaufsicht FCA der aufsichtspflichtige Handel verboten.

Deutsche Telekom als Kunde

Doch nicht nur für deutsche Privatkunden, auch für deutsche Unternehmen bietet die BaFin-Zulassung zusätzliche Sicherheit. So hat die Deutsche Telekom kurz nach Erteilung der BaFin-Lizenz Coinbase als Verwahrgesellschaft für ihre Celo Token auserkoren.

Der ehemalige deutsche Staatskonzern hatte als erstes Telekommunikationsunternehmen der Welt bereits im April in das öffentliche Blockchain-Netzwerk von Celo investiert. Celo bietet Finanzdienste für Jedermann per Smartphone an. Die BaFin-Lizenz hat sich damit für Coinbase schon jetzt gelohnt - und könnte dem Unternehmen künftig womöglich einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen.

Konkurrenz auf dem Vormarsch

Experten sehen die größte Gefahr für das Unternehmen nämlich in der stetig wachsenden Zahl der Rivalen: Discounter-Anbieter, die weitaus niedrigere Gebühren verlangen, fluten den Markt.

Auch die Börse traut Coinbase aktuell nicht mehr viel Wachstumspotenzial zu. Coinbase-Aktien reagieren kaum auf die Fabel-Zahlen. Aktuell werden sie rund 20 Prozent unter ihrem Schlusskurs des ersten Handelstages an der Nasdaq (328 Dollar) gehandelt. Damit verfügt die Krypto-Börse jedoch weiterhin über eine deutlich höhere Marktkapitalisierung als viele "traditionelle" Börsenbetreiber wie etwa die Deutsche Börse.

Über dieses Thema berichtete BR24 Börsenticker am 10. August 2021 um 23:01 Uhr.