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Teure Panne der Citigroup 900 Millionen versehentlich überwiesen

Stand: 17.02.2021 10:34 Uhr

Der Bankenriese Citigroup hat den Rechtsstreit über eine Hunderte Millionen Dollar schwere irrtümliche Überweisung verloren. Der zuständige US-Richter spricht von "einem der gröbsten Schnitzer der Bankengeschichte".

Die US-Großbank Citigroup hat einem Gericht zufolge nach einem angeblichen Überweisungsfehler keinen Anspruch auf die Rückzahlung von 501 Millionen Dollar. Richter Jesse Furman erklärte am Dienstag (Ortszeit) in Manhattan, die Zahlungen vom August 2020 seien endgültig.

Die Citigroup hatte als Kreditverwalter des Kosmetikherstellers Revlon im August knapp 900 Millionen Dollar an mehrere Gläubiger überwiesen. Sie schien damit einen Kredit zurückzuzahlen, der eigentlich erst 2023 fällig wurde.

Nur 400 Millionen Dollar freiwillig zurückgezahlt

Eigentlich wollte die Citigroup damals nach eigenen Angaben aber nur 7,8 Millionen Dollar Zinsen überweisen, die zu dem Zeitpunkt fällig waren. Die Bank machte menschliches Versagen für das Missgeschick verantwortlich und forderte Rückerstattung.

Doch der US-Bankenriese bekam freiwillig nur 400 Millionen Dollar zurückgezahlt. Zehn Investmentfonds lehnten eine Rückzahlung ab. Der Fall landete deswegen vor Gericht.

New Yorker Ausnahme als Fallstrick

Tatsächlich muss gemäß US-Recht fehlerhaft überwiesenes Geld in der Regel zurückerstattet werden. Der Citigroup wurde aber eine Ausnahme nach dem Recht des Bundesstaates New York zum Verhängnis.

Demnach dürfe der Empfänger das Geld behalten, "wenn damit gültige Schulden beglichen werden, der Empfänger keine Falschangaben gemacht hat, um die Auszahlung auszulösen, und wenn der Empfänger den Fehler nicht bemerkt hat", schrieb Richter Furman.

Gläubiger waren "guten Glaubens"

In diesem Fall seien die Gläubiger "guten Glaubens" und mit ausreichender Begründung davon ausgegangen, dass Revlon den Kredit aus dem Jahr 2016 vorzeitig zurückgezahlt habe.

Dagegen wäre es "nahezu irrational" gewesen, davon auszugehen, "dass Citigroup oder Revlon irrtümlicherweise mehr als 900 Millionen Dollar überwiesen haben - etwas, das eine Bank vermutlich noch nie zuvor getan hat und vermutlich nie wieder tun wird", so der Richter. Die Citigroup habe "einen der gröbsten Schnitzer der Bankengeschichte" begangen.

Citigroup kündigt Berufung an

Die Citigroup will das Urteil allerdings nicht hinnehmen. Eine Sprecherin erklärte, die Bank beabsichtige, Berufung einzulegen. "Wir glauben, dass uns das Geld zusteht und werden weiter eine komplette Rückerstattung verfolgen."

Eine weitere Option zur Begrenzung des finanziellen Schadens könnte der Versuch sein, die 501 Millionen Dollar bei Revlon zurückzuholen. Denn die Fehlüberweisung erfolgte von Citis eigenen Konten aus. Das dürfte jedoch zu noch mehr rechtlichem Ärger führen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Februar 2021 um 14:41 Uhr.