Der Schriftzug Deutsche Bank neben dem Logo iost auf einer Hauswand zu lesen, im Vordergrund ein Schild mit der Commerzbank mit Logo. | dpa

Teilausstieg des Finanzinvestors Warum lässt Cerberus die Banken fallen?

Stand: 11.01.2022 13:22 Uhr

Der Ausstieg des Finanzinvestors Cerberus bei Deutscher Bank und Commerzbank kommt überraschend. Warum haben es die Amerikaner so eilig? Und ist eine Fusion der beiden Großbanken endgültig vom Tisch?

Von Detlev Landmesser, tagesschau.de

Der Zeitpunkt überrascht: Gerade regt sich Hoffnung in den Bankentürmen Europas, weil die nahende Zinswende bessere Geschäfte verspricht. Und doch scheint Cerberus entschlossen, sich von seinen Beteiligungen an der Deutschen Bank und der Commerzbank zu trennen.

Gestern Abend verkaufte der amerikanische Hedgefonds binnen weniger Stunden etwa 21 Millionen Papiere der Deutschen Bank und 25,3 Millionen Aktien der Commerzbank an andere professionelle Anleger. Das entspricht jeweils einem Drittel der aktuellen Anteile von Cerberus. Dem New Yorker Investor flossen damit rund 450 Millionen Euro zu.

Nun hält Cerberus noch knapp zwei Prozent an der Deutschen Bank und knapp drei Prozent an der Commerzbank. Aber auch diese Anteile wollen die Amerikaner offenbar rasch loswerden. Nach Angaben der mit dem Verkauf beauftragten Bank legt sich Cerberus nur auf eine Frist von 45 Tagen fest, in denen es keine weiteren Aktienpakete auf den Markt werfen will. Üblich sind Haltefristen von mindestens drei Monaten.

Etwa drei Prozent Wertverlust

Mit dem Paketverkauf kann Cerberus keine Gewinne erzielt haben, auch wenn die beiden Banktitel im vergangenen Jahr immerhin je rund ein Viertel an Wert gewonnen haben. Zum Zeitpunkt des Einstiegs vor gut vier Jahren kosteten Deutsche-Bank-Aktien rund 15 Euro. Platziert wurden die 21 Millionen Aktien gestern mit 12,06 Euro. Auch die Commerzbank-Papiere waren 2017 teilweise deutlich mehr wert. Die Anteile von Cerberus wurden für je 7,50 Euro verkauft. Das sind Abschläge von jeweils rund drei Prozent.

Warum haben es die Amerikaner dennoch so eilig? Gerade jetzt ist ein Ende der jahrelangen Niedrigzinsphase absehbar. Steigende Zinsen eröffnen den Instituten bessere Geschäftschancen. Insbesondere können sie die Zinsmarge, also die Differenz zwischen Soll- und Habenzinsen, wieder ausweiten und so in ihrem klassischen Geschäft möglicherweise endlich wieder Gewinne erwirtschaften.

Eine uralte Spekulation

Aber Cerberus ging es um etwas Anderes. Als der Finanzinvestor 2017 fast zeitgleich bei den beiden führenden deutschen Geldhäusern einstieg, wurde eine uralte Spekulation wieder erweckt: Was, wenn sich die beiden zusammentun und Deutschland im internationalen Bankenkonzert endlich wieder mitspielen kann? Laut Medienberichten hatte Cerberus zuletzt auch die entsprechenden Bemühungen der Bundesregierung unterstützt.

Nach üblicher Manier hatte der Hedgefonds auch starken Druck auf die Führungsetagen ausgeübt. Im Sommer 2020 stürzte das die Commerzbank in eine Führungskrise, als der Vorstandschef Martin Zielke und der Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann im Streit mit Cerberus um einen härteren Sanierungskurs das Handtuch warfen. Anfang 2021 trat Manfred Knof die Nachfolge Zielkes an.

Doch die Gespräche mit der Deutschen Bank scheiterten einmal mehr nach kurzer Zeit. Wie das "Handelsblatt" schrieb, hatte Cerberus noch im Herbst eine Übernahme des Staatsanteils von gut 15 Prozent an der Commerzbank erwogen.

Fusionsperspektive schwindet

Der Ausstieg könnte also damit zu tun haben, dass den Amerikanern eine Fusion endgültig nicht mehr realisierbar erscheint. Möglicherweise gab es zuletzt auch Signale der neuen Bundesregierung, die Transaktion nicht mehr zu unterstützen, so Thomas Hartmann-Wendels, Bankenexperte an der Universität Köln.

"Ohne eine Fusionsperspektive macht aber das Engagement von Cerberus keinen Sinn, da die Investments von Cerberus nicht darauf ausgerichtet sind, von einer langfristigen Geschäftsentwicklung zu profitieren, sondern an Wertsteigerungen, die durch massive Umstrukturierungen bewirkt werden, zu verdienen", erläutert der Universitätsprofessor.

Ist damit die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank endgültig vom Tisch? "Das will ich nicht sagen", so Hartmann-Wendels. "Aber auf absehbare Zeit sicherlich schon."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Januar 2022 um 09:00 Uhr.