Bronzefiguren "Bulle und Bär" stehen im Abendlicht auf dem Börsenplatz vor der Frankfurter Wertpapierbörse | picture alliance/dpa

Rückblick aufs Jahr 2021 Verkehrte Welt an den Börsen

Stand: 31.12.2021 08:55 Uhr

An den Börsen war 2021 ein turbulentes Jahr. Phasenweise gaben sich die Kurse unbeeindruckt von der Pandemie und sorgten für Rekorde - und das trotz weltweiter Logistikprobleme.

Von Claudia Wehrle, ARD-Börsenredaktion

Manch einer reibt sich verwundert die Augen: Überall steigende Corona-Infektionszahlen, weitreichende Kontaktbeschränkungen. Viele Einzelhändler, Gaststätten oder Theaterbetriebe stehen am Rand des Ruins. Und was passiert an der Börse? Viele große Konzerne schreiben Rekordgewinne. Die Aktienkurse steigen. DAX und Co. erreichen zwischenzeitlich sogar Rekordstände.

Die junge Generation entdeckt die Börse

Das Jahr beginnt turbulent: Überall im Land werden Lockdown-Maßnahmen ergriffen. Das öffentliche Leben wird herunteruntergefahren. In diesen Wochen entdeckten Tausende Privatanleger die Börse. Mit dabei sind auch viele junge Menschen. Sie schließen sich auf Internet-Plattformen zusammen, um gegen professionelle Anleger und große Hedgefonds zu wetten. Und es funktioniert. Niels, 19 Jahre alt, kann sich noch gut an diesen Hype um den amerikanischen Videospielehändler Gamestop erinnern; ein Hype, der auch hier in Deutschland hohe Wellen schlug. "Es ist halt schon ein Reiz, wenn man sieht, wie viele in kürzeste Zeit so viel Geld verdient haben", sagt der Junganleger. "Die Aktie steigt jeden Tag wieder teilweise um mehrere Hunderte Prozente. Und das ist einfach sehr verführerisch."

Es war die Zeit, als landauf, landab Menschen Schlange standen, um sich mit den Vakzinen von BioNTech, Moderna, AstraZeneca oder Johnson & Johnson impfen zu lassen. Wenn alle immunisiert seien, so die Hoffnung, dann werde das öffentliche Leben bald wieder in normalen Bahnen laufen, so wie vor der Pandemie. Auch mit der Wirtschaft gehe es wieder bergauf.

Viele Branchen boomen - trotz Lieferengpässe

An der Börse steigen die Kurse weiter. Januar, Februar, März, April: Der DAX erreicht ein Rekordhoch nach dem anderen. Und das, obwohl im Lauf des Jahres viele Unternehmer die bittere Erfahrung machen müssen: Rohstoffe sind knapp und teuer. Halbleiter fehlen. Das Produzieren "just in time" wird immer schwieriger. Auch der Handel bekommt die Lieferengpässe mehr und mehr zu spüren. "Es haben einfach viele Experten unterschätzt, wie eng die Weltwirtschaft mittlerweile zusammengewachsen ist, wie eng auch Prozesse miteinander verwoben sind", sagt der Ökonom Carsten Brzeski von der ING Bank.

Und dennoch: Es gibt Unternehmen, ja ganze Branchen hier in Deutschland, die von der Corona-Pandemie regelrecht profitiert haben. Dazu gehören Impfstoffhersteller wie das Mainzer Unternehmen BioNTech, Laborausrüster wie Sartorius oder Logistikkonzerne wie die Deutsche Post. Sogar die von den Lieferengpässen so stark gebeutelten Autohersteller schreiben Rekordgewinne. "Es hat eigentlich ein Aufschwung stattgefunden", erklärt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler die Gründe für diese Entwicklung. "Der ist stark abgebremst durch die Lieferprobleme, aber die Nachfrage ist enorm stark." Und die Kunden sind bereit, hohe Preise für ein neues Auto zu bezahlen.

Omikron stoppt den DAX-Höhenflug

Mitte November: Der DAX steht bei 16.290 Punkten, so hoch wie nie. Auch weil die Europäische Zentralbank ungeachtet der hohen Inflationszahlen an ihrer Niedrigzinspolitik festhält. Niedrige Zinsen machen es interessant, Geld am Aktienmarkt zu investieren. Doch dann kommt Omikron - und mit dieser neuen Virus-Mutante die Erkenntnis, dass die Pandemie noch lange nicht im Griff ist.

"Man hatte fast den Eindruck in den letzten Wochen mit dem Allzeithoch, dass Corona fast gar keine Rolle mehr spielt und kontrolliert wird", sagt Börsenhänder Oliver Roth von Oddo Seydler. "Und jetzt sind wir wieder auf dem Boden der Tatsachen, dass Corona weiterhin ein Risiko ist, nicht nur für Leib und Leben, sondern auch für soziale und für wirtschaftliche Themen."

Es war ein turbulentes Jahr an den Finanzmärkten, und aus Anlegersicht ein sehr erfolgreiches Jahr. Der DAX ist größer geworden, ist von 30 auf 40 Unternehmen angewachsen. Er beendet den Handel bei 15.885 Punkten. Auf Jahressicht gesehen ist das ein Plus von knapp 16 Prozent.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 31. Dezember 2021 um 08:54 Uhr.